Blaue Kärntner "Teufelskerle"

28. Dezember 2009, 17:39
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Familienaufstellung im orange-blauen Streit um Jörg Haiders politisches Erbe

Klagenfurt - Auch nach Weihnachten geht der Streit zwischen den orangen und blauen Kärntner Freiheitlichen erbittert weiter. Letztere haben sich ja mit dem Kürzel FPK versehen und marschieren jetzt Seite an Seite mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Nicht einmal Jörg Haiders Mutter Dorothea, die sich in der Kronen Zeitung gemeinsam mit ihrer Tochter Uschi Haubner "tief enttäuscht" vom Verrat des FPK-Obmanns Uwe Scheuch am Erbe ihres Sohnes gezeigt hatte, vermag die wiedererblaute Kärntner Funktionärs-Phalanx zu durchbrechen.

"Sie werden von mir kein schlechtes Wort über Dorothea Haider hören" , meinte Uwe Scheuch, dessen Großvater Robert eng mit Jörg Haiders Vater verbunden gewesen war. Eine Mutter werde sich immer auf die Seite ihrer Tochter schlagen, sagte Scheuch.

Deutlicher wurde Landeshauptmann Gerhard Dörfler, der Jörg Haiders Schwester wegen ihres bescheidenen Wahlergebnisses bei den oberösterreichischen Landtagswahlen ausrichtete, erst wenn sie Wahlen gewinne, lasse er sich ihre Kritik gefallen. Es hätte sich gezeigt, dass das BZÖ bundesweit nicht überlebensfähig wäre, deshalb sei der eingeschlagene Kärntner Weg der Abspaltung vom Bundes-BZÖ richtig gewesen.

Blaues "Teufelsbündnis"

Auch FPK-Obmann Scheuch verteidigte den "Pragmatismus" der wieder blau zurückgefärbten Kärntner Freiheitlichen, denn es wäre eben gut für Kärnten in Strache und der FPÖ einen starken Partner auf Bundesebene zu haben. Einen Verrat an Jörg Haiders Erbe, das auch das verbliebene Rumpf-BZÖ für sich reklamiert, können Dörfler und Scheuch nicht erkennen: Der Tag der Entscheidung darüber, wer die wahren Haider-Erben seien, werde der auf den 16. Jänner vorverlegte Parteitag der Kärntner Freiheitlichen sein. FPK-Soziallandesrat Christian Ragger würde sich überhaupt "mit dem Teufel verbünden" (wohl eine Anspielung auf die BZÖ-"Krieger des Lichts"), wenn es darum ginge, etwas für Kärnten zu erreichen.

Das Bundes-BZÖ wirft FPK-Chef Scheuch vor, ein Lügner zu sein, denn Dorothea Haider und Uschi Haubner hätten die Wahrheit klargestellt. Das FPK betreibe eine "beispiellose Wählervertreibung" . Noch schweigt Haiders Witwe Claudia zur Zertrümmerung des orangen Bündnisses durch Haiders ehemalige Kärntner Getreue, die ihm stets gefolgt waren. Man rechnet, dass sich Claudia Haider kurz vor dem Parteitag zu Wort melden wird, um klarzustellen, wie denn das politische Testament ihres Gatten auszulegen sei. (Elisabeth Steiner//DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2009)

 

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