Ein Bürgerlicher bläst Wrabetz den Marsch

28. Dezember 2009, 17:37
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Aussichten vom Küniglberg: Gebührenmillionen, Gesetz, Infokanal, Medienbehörde, rote Faxen, weniger Bundesliga

Der ORF und sein Chef Alexander Wrabetz können sich auf 2010 freuen. Nicht nur über Wrabetz‘ 50. Geburtstag im März. Zu dem wird dem ORF-Chef der Marsch geblasen, wohl am gerade aufwändig sanierten Teich vor dem Noch-ORF-Zentrum - über das künftige will Wrabetz im ersten Halbjahr entscheiden. „Hoch Wrabetz!" wurde geschrieben zu Ehren des Ururopas, eines Politikers. Soll kein musikalischer Geniestreich sein. Initiator: Michael Ikrath, Generalsekretär des Sparkassenverbands und VP-Abgeordneter.

Wrabetz kann sich auch freuen, dass er 2009 als ORF-Chef überlebte. Danach sah es so gar nicht aus, der ebenfalls sozialdemokratische Kanzler wollte ihn loswerden.

2010 bleibt vieles besser für den ORF: Zwar kontrolliert künftig die Medienbehörde, ob er zu viele Gebühren kassiert (mit zahlreichen Ausnahmen) und ob er öffentlich-rechtliches Programm bietet (aber nicht im Detail). Mit dem neuen ORF-Gesetz erhält er aber die ersten 50 von 160 Millionen Euro extra aus Gebührengeld der Republik. Dafür muss der ORF der Behörde 2010 etwa ein Konzept für einen Info- und Kulturkanal (statt TW1, weiter mit Sport Plus) vorlegen und den Sender 2011 starten. Manager wird dort Peter Schöber, zuletzt ORF-Programmplaner.

Staatssekretär Josef Ostermayer plant, im Jänner mit Grünen, BZÖ, FPÖ zu reden, und bis Anfang Februar eine Regierungsvorlage der TV-Gesetze. National- und Bundesrat sollen sie im März beschließen. Die Regierung braucht für eine weisungsfreie Medienbehörde Stimmen der bisher abweisenden Opposition. Alternativszenario 1 kursiert in der SP: eine weiter weisungsgebundende Behörde. Szenario 2: Die Regierung könnte sonst Oppositionsmandate in ORF-Gremien streichen. Die fünf Mitglieder der Medienbehörde soll die Regierung bestellen. 

Die 160 Millionen Euro extra für den ORF gab die bis dahin gar nicht willige ÖVP frei, als sich ORF-Chef Wrabetz den bisherigen Chefredakteur des Landesstudios Niederösterreich, Richard Grasl, als Finanzdirektor wünschte. Grasl tritt offiziell am 1. Jänner auf dem Küniglberg an, schon vor seiner Wahl durfte er als Leiter einer Spar-Arbeitsgruppe vorglühen. Apropos Sparen: Der Rechnungshof prüft 2010 in einem Nachfrageverfahren, welche Forderungen von 2008 ORF und Politik umgesetzt haben. Den Stiftungsrat fanden die Prüfer "zu groß und unbeweglich". 

Die SPÖ aber beharrte bei der Novelle: Wenn alles bleibt, wie es ist, steuert sie mit der Faxwahl von Publikumsräten Ende Jänner 2010 und mit des Kanzlers Neubestellung von 17 Publikumsräten in Richtung absolute Mehrheit im Stiftungsrat. Dieses wichtigste ORF-Gremium wählt 2011 den nächsten ORF-General. Und 2010 seinen neuen Vorsitzenden. Als Stiftungsratschef wird etwa Karl Krammer (SPÖ) gehandelt, der bisher abgewunken hat.

Gegen Ablöseversuche dürfte sich Onlinedirektor Thomas Prantner auch 2010 munter wehren; er plant eine iPhone-Applikation für die ZiB.

Sparen an Personal und Strukturen ging dem Rechnungshof insgesamt zu wenig weit. Da musste Wrabetz nach 80 Millionen Miese 2008 und bei 50 Millionen Verlust 2009 ohnehin Gas geben, um 2010 ein ausgeglichenes Budget (ohne Extragebühren) zu planen.

2010 sollen deshalb etwa die letzten ORFler im pensionsreifen Alter gehen, zum Beispiel TV-Magazinchef Johannes Fischer - Direktoren ausgenommen. Jürgen Menedetter, Geschäftsführer der GIS, wird Ende Oktober 62.

Als Wieder-Werbechef geht Franz Prenner Grasl 2010 zur Hand, ein neues Gegenüber bekommt der Finanzdirektor auch: Der rote Michael Götzhaber, technischer Leiter des Landesstudios Kärnten, löst im März Gerhard Moser als Chef des ORF-Zentralbetriebsrats ab.

Grasl ist der ÖVP in Sachen Einfluss auf dem Kü'berg eine ähnliche Heilserwartung wie Dominic Heinzl ORF-Chef Wrabetz als Quotenhoffnung. Heinzls Society-TV kommt ab 11. Jänner im Vorabend von ORF 1. Olympische Winterspiele und Fußball-WM heben 2010 zudem die zuletzt mauen ORF-Quoten. Solche Events kosten den ORF 2010 16,8 Millionen Euro extra. Dafür werden die Rechte an der österreichischen Bundesliga billiger, wenn Sky wie geplant nur zwölf statt 36 Spiele ins Free TV lässt - und die Liga darauf einsteigt.Fortsetzung folgt. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 9.12.2009)

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