Grundel-Aversion gegen kranke Korallen lässt sich nützen

28. Dezember 2009, 17:18
2 Postings

Österreichischer Biologe geht auf Tauchgang, um mehr über das Verhältnis zwischen Korallen und Fischen herauszufinden

Wien - Inwieweit sich Grundeln als Indikatoren für die Gesundheit von Korallen eignen, soll nun in einem vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützten Forschungsprojekt des Departments für Theoretische Biologie der Universität Wien geklärt werden. Die Wissenschafter wissen bereits, dass die mit Korallen zusammenlebenden Fische der Gattung Gobiodon wählerisch sind und sichtlich kranke Nesseltiere meiden. Gerade im Zuge der Erderwärmung könnten die Grundeln daher für ein Frühwarnsystem für sterbende Korallenriffe dienen.

Noch ist allerdings zu wenig über das Zusammenleben von Grundeln und Korallen bekannt. Sicher ist nur, dass die kleinen Fische zwischen dem feinen Korallengeäst vor größeren Fressfeinden Schutz suchen und dadurch einen Vorteil haben - sie scheinen aber auch korallenfressende Fische abzuschrecken. Ob die Koralle nun tatsächlich von der Anwesenheit der Grundeln profitiert oder möglicherweise sogar geschädigt wird, möchte der österreichische Biologe Jürgen Herler herausfinden. "Grundeln haben eine giftige Haut, vielleicht wird dadurch die Koralle ungenießbar." Ob Grundeln Korallenfresser wie etwa Falterfische sogar aktiv angreifen, ist nicht bekannt. "Beobachtet wurde das noch nie. Allerdings haben die Tiere einige erstaunlich große Zähne - bis heute weiß niemand, wozu", sagt Herler. 

Vorlieben

Interessant ist für Herler, dass Korallengrundeln tote Korallen ganz meiden, aber auch in beschädigten seltener angetroffen werden. "Das ist besonders spannend, da die Riffökologie in Zeiten des Klimawandels und des Verschwindens der Korallenriffe weltweit mehr und mehr an Aktualität gewinnt", so der Fischbiologe.

Die Frage nach den "Wohnvorlieben" der Grundeln ist nicht zuletzt für die Untersuchung der Evolutionsgeschichte der Koralle-Fisch-Beziehung relevant. Es soll geklärt werden, wie stark sich die Fische tatsächlich an ihre Korallenpartner angepasst haben. Schließlich ist die Gestalt von Korallen sehr vielfältig: Manche sind fingerförmig, andere fein verästelt und verzweigt wie kleine Bäumchen. Ebenso variieren die Körperformen der Fische. Manche Grundeln sind hoch und schmal und passen haargenau in die Astzwischenräume ihrer Korallenart.

Big Underwater Brother

Für das Projekt kommt ein neues Mikrokamera-Funksystem zum Einsatz, das Herler gemeinsam mit österreichischen und deutschen Technikern entwickelt hat und das zurzeit im Trockenen getestet wird. Das System hat mehrere Vorteile: "Wir sind weniger vom Wetter abhängig, es gibt keinen störenden Beobachter im Riff, wir sparen sehr viel Zeit, die wir für Experimente nutzen können, und die Videos können jederzeit und überall analysiert werden", so Herler. Wenn alles klappt, werden die scheuen, im Freiland nahezu unbeobachtbaren Grundeln bald rund um die Uhr gefilmt. (APA/red)

  • Schädelskelett einer für morphologische Untersuchungen aufgehellten und gefärbten Korallengrundel von etwa drei Zentimetern Größe.
    foto: jürgen herler, department für theoretische biologie der universität wien

    Schädelskelett einer für morphologische Untersuchungen aufgehellten und gefärbten Korallengrundel von etwa drei Zentimetern Größe.

Share if you care.