Mindestens dreißig Tote bei Anschlag auf Prozession

28. Dezember 2009, 23:23
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Detonation live im Fernsehen übertragen - 32 Tote bei Kämpfen an der afghanischen Grenze

Karachi - Bei einem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Prozession in der pakistanischen Stadt Karachi sind am Montag mindestens 30 Menschen getötet worden. Bis zu 60 weitere Menschen wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte. Der Attentäter zündete rund 16 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoff. Die Detonation war live im Fernsehen zu sehen, weil die Prozession zum Ashura-Fest zu den Höhepunkten des schiitischen Kalenders gehört und übertragen wurde.

Nach dem Anschlag kam es zu Ausschreitungen. Wütende Gläubige warfen Steine auf Sicherheitskräfte, die den Umzug hatten schützen sollen. Demonstranten steckten einen Markt sowie mehrere Gebäude und Fahrzeuge in Brand, Streifen- und Krankenwagen wurden beschädigt. Polizei und paramilitärische Einheiten feuerten Warnschüsse in die Luft.

"Dreiecks-Syndikat"

Bürgermeister Mustafa Kamal rief dazu auf, Ruhe zu bewahren und nicht den Terroristen in die Hände zu spielen, die die Stadt in Flammen sehen wollten. Innenminister Rehman Malik sprach von mehr als 25 Toten und über 50 Verletzten. Nach seinen Angaben ließ zündete ein Selbstmordattentäter zu Anfang der Prozession mit rund 50.000 Menschen einen Sprengsatz.

Malik verurteilte den Anschlag in scharfen Worten. Er sprach von einem "Dreiecks-Syndikat" aus Taliban, Al-Kaida-Extremisten und militanten Sunniten, die sich zur Destabilisierung des Landes verschworen hätten. Die Attentäter seien Feinde der Demokratie, unserer Religion und unseres Pakistans, fügte er hinzu. Die Schiiten machen in Pakistan rund ein Fünftel der mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung aus. Durch die Gewalt zwischen den Religionsgruppen starben seit Ende der 1980er Jahre 4000 Menschen in Pakistan.

Unterdessen stieg die Zahl der Toten bei einem Selbstmordanschlag im pakistanischen Teil von Kaschmir am Sonntag auf acht. Mehr als 80 Personen wurden verletzt. Unter den Toten sind drei Polizisten. Der Anschlag richtete sich nach Polizeiangaben ebenfalls gegen Schiiten, die in Muzaffarabad das Ashura-Fest im Trauermonat Muharram feierten. Schiiten bilden in Pakistan eine religiöse Minderheit und sind schon häufig von radikalen Sunniten angegriffen worden.

Bei einem Feuergefecht im Stammesgebiet Süd-Waziristan starben zwei Soldaten und 15 Kämpfer der Taliban. Wie die Armee am Montag mitteilte, hatten die Aufständischen am Vorabend einen Militärposten angegriffen. Im nördlich gelegenen Stammesgebiet Orakzai wurden nach Medienberichten 15 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Angehörigen einer regierungstreuen Stammesmiliz und Taliban getötet. In den Taliban-Hochburgen an der afghanischen Grenze führt das Militär seit Oktober eine Großoffensive gegen die Extremisten. (APA/APD)

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    Nach dem Anschlag lieferten sich wütenden Schiiten Straßenschlachten mit Sicherheitskräften, bei denen Autos und Geschäfte in Flammen aufgingen.

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