Das Darwin-Jahr "hat sich gelohnt"

28. Dezember 2009, 13:30
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Einschätzung des Evolutionsbiologen Joachim Hermisson nicht von allen geteilt - Bilanz fällt gemischt aus

Wien - Am Ende des Darwin-Jahrs 2009 ist es schwierig Bilanz zu ziehen. Auch deshalb, weil es keine österreichweit zentrale Organisation der Veranstaltungen rund um Darwins Geburtstag und den 150. Jahrestag des Erscheinens seines epochalen Werks "Origin of Species" gab. In Wien hat die Stadt eine Agentur mit einer Initiative zum Darwin-Jahr beauftragt, Ergebnis waren eine Homepage sowie 17 Veranstaltungen zum Thema. Dabei wurden rund 12.000 Interessierte gezählt, die Homepage hatte bis zu 4.000 Besucher pro Tag, erklärte Helmut Strutzmann von der Agentur Multiart. Nicht dazu gezählt wurden die Besucher der noch bis April laufenden Ausstellung "Darwins rEvolution" im Naturhistorischen Museum.

Im Rahmen des Darwin-Jahres findet von 23. bis 26. Februar 2010 an der Uni Wien noch das Symposium "Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube" statt. "Spannend" findet es Strutzmann, dass es gelungen sei, das Thema Evolution "in breitem Diskurs zu halten". Auch Evolutionsbiologe Joachim Hermisson von der Uni Wien ist sich sicher, dass das Darwin-Jahr Viele dazu motiviert habe, sich mit dem Thema "Evolution" zu beschäftigen. "Ich will die Effekte nicht übertrieben darstellen, aber es hat sich gelohnt", zeigt er sich überzeugt. Es habe auch den Anstoß zu neuen Strukturen gegebene: Die Initiative "EvolVienna", in der sich über 40 Evolutionsforschungs-Arbeitsgruppen aus dem Großraum Wien zusammengeschlossen haben "hätte es ohne das Darwin-Jahr nicht gegeben", sagte Hermisson.

Zahlen und Fakten

Eher gering hat sich das Darwin-Jahr in den österreichischen tagesaktuellen Medien niedergeschlagen (an uns soll's nicht gescheitert sein). In rund 1.750 Artikeln und Sendungen fand sich einer APA-Zählung nach 2009 der Suchbegriff "Evolution" in irgendeiner Form, "Schweinegrippe" kam mit knapp 5.700 Treffern auf einen deutlich höheren Wert. Auch im Vergleich mit den Vorjahren gab es im Darwin-Jahr keinen Boom: 2008 gab es 1.600 Beiträge zum Thema Evolution, 2006 waren es auch schon rund 1.700 gewesen. Mittelfristig ist allerdings eine deutliche Zunahme von Artikeln zu diesem Thema zu registrieren: in der ersten Hälfte des Jahrzehnts pendelte die Zahl der jährlichen Beiträge rund um 1.000.

Und auch empirisch werden sich die Auswirkungen der diversen Events und Berichte im Rahmen des Darwin-Jahrs nicht messen lassen - eine Nachfolgestudie jener im März präsentierten Umfrage über die Einstellung der Österreicher zur Evolution ist laut Wissenschaftsministerium nicht geplant. Damals hatte sich immerhin 80 Prozent der Österreicher überzeugt gezeigt, dass der Mensch und Affen einen gemeinsamen Vorfahren haben. Und die Frage, ob man für die Entstehung des Lebens die Einwirkung einer überirdischen Existenz annehmen müsse, beantworteten 60 Prozent negativ und nur 19 Prozent positiv. (APA/red)

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