Ein etwas anderer Couchpotato

28. Dezember 2009, 12:23
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Er kam mit der Couch - sitzt und schaut. Alles beginnt, weil die Familie ein Sofa sucht

Das Ding sieht seltsam aus: ganz in Blau mit einer Knollennase und blondem Irokesen. Ein Lebewesen? Ein Plüschtier? Keine Ahnung. Er oder es redet jedenfalls nicht. Und scheint nichts zu machen, außer zu sitzen und zu schauen. Eine Art Couchpotato ohne Fernseher oder gar: ein Außerirdischer? Er kam mit der Couch, heißt das Bilderbuch von David Slonim. "Er" eben. Sitzt und schaut. Alles beginnt, weil die Familie ein Sofa sucht.

Keines gefällt bis auf jenes, auf dem "er" sitzt. "Wer ist da hinten?", sagt der Ich-Erzähler, der Sohn. "Keine Ahnung. Er kam mit der Couch", antwortet der Vater und fährt mit seinem Pick-up weiter. Dann, zu Hause, will die Familie den Stillsitzer loswerden. Es gelingt nicht. Als "er" dann aber den Buben rettet, sich also doch bewegt, darf "er" bleiben. Dass die Geschichte lustig ist, obwohl der Titelheld genau gar nichts macht, ist eine Leistung. Der Autor erzählt die Geschichte für Kinder ab dem vierten Lebensjahr in knappen Worten, oft reicht ein Satz. "Wir nahmen ihn mit zum Strand", steht da zum Beispiel. Dazu gezeichnet, findet sich ein Fauteuil aus Sand - wobei praktisch in jedem Bild eine Sitzgelegenheit untergebracht wurde. Der schweigende Titelheld eignet sich natürlich bestens für Fortsetzungen. Man muss ihn ja nur woanders platzieren. Oder aber, man sucht seine Familie. Slonim schickt die Buchfamilie auf den Weg, einen Stuhl zu besorgen. Da muss ja fast zwangsweise folgen: "Sie kam mit dem Sessel."(Peter Mayr; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26./27. Dezember 2009)

David Slonim, "Er kam mit der Couch". €13,30 / 32 Seiten. Baumhaus Verlag,

Frankfurt am Main 2009.

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