Die Verdrängung der Lehman-Pleite

28. Dezember 2009, 17:33
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Die Börsen sind wieder in bester Laune. Der Frankfurter Dax überschritt am Montag zeitweise die Marke von 6000 Punkten

Die Börsen sind wieder in bester Laune. Der Frankfurter Dax überschritt am Montag zeitweise die Marke von 6000 Punkten und notierte damit auf dem höchsten Stand seit September 2008.

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Frankfurt/Wien - Während die reale Wirtschaft immer noch mit Grippe im Bett liegt, ist die Lehman-Infektion an den Börsen längst verdrängt. Die großen Handelsplätze verzeichnen heuer das beste Aktienjahr seit 2003 mit Gewinnen von 20 Prozent beim New Yorker Dow Jones oder 25 Prozent beim Frankfurter Dax. Fast symbolisch für die gute Stimmung an den Märkten kann das Knacken der 6000-Punkte-Marke durch den deutschen Leitindex am Montag gewertet werden.

Weit höher sind die Gewinne, wenn man sie mit dem Jahrestief im März vergleicht. Der Dax machte seither 65 Prozent gut. "2009 war bei weitem kein so miserables Jahr, wie viele prognostiziert hatten" , sagte ein Händler. Viele Börsianer sind für 2010 nun zuversichtlich, dass sich die Kurserholung fortsetzt. Zahlreiche großen Investoren hätten 2009 den Anstieg verpasst und würden voraussichtlich im ersten Quartal ihre Aktienquoten aufstocken, sagte ein Händler. Nächstes Ziel sei die Marke von 6200 Punkten. Vor der Pleite des US-Investmenthauses Lehman Brothers hatte der Dax bei 6234 Punkten gestanden.

Allerdings waren die Umsätze am Montag nicht zuletzt wegen eines Feiertags in London sehr gering. Für den Rest des Jahres sei kaum mit einer Belebung zu rechnen. Im Dax wie im EuroStoxx waren die Versorgerwerte gesucht. E.ON führten die Gewinnerliste im Dax und im EuroStoxx an. In Paris lagen GDF Suez mit 1,38 Prozent deutlich im Plus. Auch die Stahlwerte zogen an. Für zusätzlichen Schwung sorgten in Frankfurt Infineon-Aktien, nachdem der Chiphersteller einen Rechtsstreit mit seinem US-Konkurrenten Fairchild Semiconductor über die Verletzung von Patentrechten beigelegt hatte. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als vervierfacht und damit alle Dax-Werte hinter sich gelassen.

Auch an den anderen Börsen war die Stimmung gegen Jahresende gut, wenngleich der Handel ruhig verlief. In Wien schossen Strabag in die Höhe, auch Post und Raiffeisen International waren gefragt. Größter Verlierer war kurz vor Handelsschluss Schoeller-Bleckmann.

Weniger rosig ist die Lage der Mitarbeiter in den Konzernen. Die im Dax vertretenen 30 größten Unternehmen Deutschlands haben 2009 laut einer Umfrage rund 116.000 Arbeitsplätze weltweit gestrichen. In Deutschland selbst wurden 45.354 Jobs eingespart, wie die von Spiegel-Online unter den Dax-Unternehmen durchgeführte Befragung ergab. Da zahlreiche Unternehmen aber auch im Krisenjahr 2009 die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöht hätten, ergebe sich unter dem Strich ein Minus von knapp 18.000 Stellen. Daimler baute demnach 4200 Stellen ab, der Handelskonzern Metro 3800 und der Stahlkonzern ThyssenKrupp 3200 Arbeitsplätze. Mit 3000 Jobs den größte Zuwachs verzeichnet der Medizinkonzern Fresenius. (Reuters, AP, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.12.2009)

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    Derzeit hat der Bär nicht viel zu melden. An der Frank-furter Börse setzten sich auch am Montag die Bullen durch, die den Dax auf über 6000 Punkte hoben.

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