Konzept-Studie mit Straßenzulassung

28. Dezember 2009, 16:54
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KTM präsentiert die Studie einer nackten 125er: Slicks, Cup-Aufschrift und Racing-Endrohr erwecken die Hoffnung auf eine Nachwuchs-Rennmaschine

Ein einziges Wort, ein kleines, mieses Vokabel kann aus einer Vollblut-Rennmaschine ein besseres Moped machen. Timo Sommerauer, bei KTM für das Marketing zuständig, kennt das Wort. Und noch viel schlimmer - er benutzt es, auf die Frage, ob die Konzept-125er, die KTM auf der EICMA in Milano präsentiert hat, ein echtes Racebike ist, mit dem sich bald der Nachwuchs auf der Rennstrecke duellieren wird: "Dieses Bike ist für die Straße gedacht, also B-Schein tauglich - ready to race wird dieses Bike jedoch trotz Straßenzulassung. Ist ja eine KTM."

Da war es: Straßenzulassung. Es war deutlich zu hören. Das heißt, das Concept-Bike aus Mattighofen, das auf Slicks präsentiert wurde, wird maximal 15 PS haben, wie jeder bessere 125er-Roller. Das werden heiße Duelle zwischen einer rosanen Vespa 125 GTS und einer rassigen, nackerten KTM mit Cup-Aufschrift und aggressivem orangen Rahmen. Das bedeutet höchste Sturzgefahr für jeden Fahrer eines Honda SH300i; wenn der nämlich in seinem minder sportlich wirkenden Roller-Rückspiegel sieht, wie sich hinter ihm die KTM mit einer Yamaha YZF125R duelliert, während beide von einem Mann auf einem Fahrrad mit elektronischer Tretkraftunterstützung überholt werden. Dabei hat die Präsentation der 125er-KTM in Zeiten der Krise wie ein Zeichen für den Nachwuchs gewirkt.

MotoGP ohne KTM
Aufgrund der Wirtschaftslage gibt KTM Anfang Oktober das Ende des 125er-Werksteams in der MotoGP bekannt. Rund ein Jahr ist vergangen, seit KTM sein Engagement bei den 250ern beendete. Nur die Nachwuchs-Schmiede, der Rookies-Cup, bleibt bestehen. Wer aufgrund der Nachrichten bei der Konzept-125er nicht an eine Rennmaschine denkt, ist abgebrühter als eine Gulaschsuppe nach Silvester. Und dann: Straßenzulassung!

Schon gut, man muss das Motorrad ja auch an den normalen Mann bringen und ein wenig auf Masse machen. Vielleicht ist die 125er ja eine straßenzugelassene B-Schein-Reiben, mit einer Beilagscheibe, die dafür verantwortlich ist, dass beim Auspuff nicht mehr Luft raus kann als bei einem Schwimmflügerl mit Absaufsicherung. Hat die KTM also eine Metallscheibe, die man der Altstoffsammlung zuführt und dafür eine Rennmaschine bekommt? Liegen in Mattighofen folglich schon die Tuningkits in den Schubladen? „Es wird sicherlich einige KTM PowerParts zu diesem Bike geben, die aber noch nicht genau definiert sind", sagt Sommerauer.

Rennmotor oder Normalmurl
Aha, also ist in der nackten Orangen vielleicht ein 125er-Rennmotor verbaut, der für den Straßenbetrieb runtergedrosselt ist. Doch Sommerauer dämpft das aufsteigende Adrenalin: "Der Motor ist ein normales 125er-Aggregat. Mit dem Rennmotor aus der 125er-Klasse könnte man nicht vernünftig auf der Straße fahren. Hier sind die Einstellungen, Abstimmungen und bestimmte Teile nicht für den Alltagsbetrieb geeignet." Und dann kommt auch noch dazu, dass der 125er-KTM-Rennmurl ein Zweitakter ist und man dafür nie und nimmer eine Straßenzulassung bekommen würde.

Ja wäre es dann nicht besser, gleich einen Roller zu bauen? Mit der Ponny wurden über Jahre hinweg ganze Bauernhöfe am Leben erhalten, in dem mit ihr Bierkisten und Saufutter transportiert wurden. Ein 125er-KTM-Roller. Wäre das nix? "Der Rollermarkt ist im Moment kein Thema für KTM. Sich in einem riesigen, unüberschaubaren Wettbewerb mit unzähligen Anbietern zu werfen, entspricht nicht der KTM-Philosophie. Wir wollen und müssen immer klar und erkennbar positioniert sein", meint Sommerauer.

Beim Design ist dies gelungen, wie man auf den ersten Blick sieht. Auch beim Preis, ist sich Sommerauer sicher, dass "er attraktiv sein wird". Und damit steht dann wohl auch fest: Das Konzept-Motorrad wird so oder zumindest ähnlich auf den Markt kommen: "Eine Einführung eines 125er-Modells, das vor allem Jugendliche ansprechen soll, ist für das Modelljahr 2011 geplant." Einen Namen gibt es für das Motorrad noch nicht, "vielleicht wenden wir uns jedoch mit der Namenssuche an das Zielpublikum und hören uns mal deren Vorschläge an." Wie wärs mit "KTM B-Schein" - den Namen hat man bei der echten Rennmaschine X-Bow eh nicht verbraucht. (Guido Gluschitsch)

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