Suche nach Komplizen des Flugzeug-Attentäters

28. Dezember 2009, 21:13
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Abdulmutallab dürfte in Amsterdam Helfer gehabt haben

Der auf einem Detroit-Flug mit Sprengstoff bewaffnete Nigerianer könnte auf dem Flughafen Schiphol einen Helfer gehabt haben. Die USA und die EU kündigten an, ihre Flugsicherheitsbestimmungen zu überprüfen.

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Amsterdam/Detroit/London/Wien - Nach dem vereitelten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug prüfen die Ermittler, ob der mutmaßliche Täter Umar Faruk Abdulmutallab Komplizen gehabt hat. Die niederländische Militärpolizei gehe Angaben von Mitreisenden nach, wonach der Nigerianer vor dem Abflug am Amsterdamer Flughafen Schiphol mit einer anderen Person gesehen wurde, hieß es am Montag.

Umar Faruk Abdulmutallab hat am 25. Dezember ein hochexplosives Pulver in eine Maschine der US-Airline Northwest mit Ziel Detroit geschmuggelt, das er kurz vor der Landung zünden wollte. Der 23-Jährige konnte überwältigt werden. Laut CNN hätte der Sprengstoff gereicht, um das ganze Flugzeug in die Luft zu jagen.

Die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel bekannte sich in einem im Internet veröffentlichten Statement zu dem versuchten Anschlag, wie am Montag das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen IntelCenter berichtete. Als Begründung nannte die Terrorgruppe US-Angriffe auf ihre Vertreter im Jemen (siehe Artikel unten). Der mutmaßliche Attentäter wird in dem Statement als Umar Faruk al-Nigiri bezeichnet: der Nigerianer.

Als möglicher Komplize wird ein 50-jähriger Mann genannt, der groß und gut gekleidet gewesen sein soll. Dieser soll sich dafür eingesetzt haben, dass der mutmaßliche Attentäter ohne Pass an Bord der Maschine der Northwest Airlines nach Detroit gelassen wurde. Nach Angaben der Militärpolizei sei der Nigerianer nicht durch die Passkontrolle gegangen. Dennoch sei unwahrscheinlich, dass er vor Einstieg ins Flugzeug nicht kontrolliert wurde.

Mehrmals verdächtig

Abdulmutallabs Name soll nicht nur auf einer US-Terror-Beobachtungsliste gestanden haben, deren Überprüfung US-Präsident Barack Obama am Montag anordnete. Der mutmaßliche Täter soll auch auf einer britischen Verdächtigenliste vermerkt sein, wie Innenminister Alan Johnson am Montag erklärte. Es habe für ihn in Großbritannien ein Einreiseverbot gegolten. Auf die Liste sei er gesetzt worden, weil er nach seinem Universitätsabschluss an einem Institut habe weiterstudieren wollen, das den Behörden als verdächtig gegolten habe, erklärte Johnson der BBC.

Abdulmutallab ist nach Angaben einer Anwältin inzwischen aus dem Spital in ein Gefängnis 80 Kilometer außerhalb von Detroit verlegt worden.

In den USA wächst nach dem vereitelten Anschlag die Terrorangst: Bei dem gleichen Linienflug wurde am Montag Alarm geschlagen, weil ein Nigerianer sich eine Stunde lang auf dem WC aufgehalten hatte. Der Mann entpuppte sich als harmlos.

Gleichzeitig gerät Obama unter Druck. Die Republikaner erhoben Zweifel, dass die Regierung genug für die Sicherheit der Bevölkerung tue. Der Präsident wollte sich noch am Montagabend an die Öffentlichkeit wenden.

In Deutschland soll der Anschlag vorerst keine schärferen Gesetze zur Terrorbekämpfung bringen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft sprach sich gegen den Einsatz von Nacktscannern aus, deren Einsatz die britische Regierung laut Johnson "so schnell wie möglich" erwägt. Bei den umstrittenen Geräten, die bisher im Probebetrieb liefen, wäre womöglich ein Sprengsatz unter der Kleidung aufgefallen.

In Österreich werden derzeit auf allen Flughäfen mehr zusätzliche stichprobenartige Passagier- und Handgepäckskontrollen durchgeführt. In Wien-Schwechat, wo täglich die einzigen beiden Direktflüge von Österreich in die USA starten, werden alle USA-Reisenden nach Durchschreiten des Metalldetektors zusätzlich abgetastet. Das Handgepäck wird nicht nur durchleuchtet, sondern auch geöffnet und händisch untersucht, wie das Innenministerium erklärte.

Die Regelungen gelten bis auf weiteres. EU-Kommission kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen beim Fliegen einer Überprüfung zu unterziehen. (APD, dpa, Reuters, spri/DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2009)

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    Flughäfen, wie hier in Frankfurt am Main, sind meist gut bewacht.

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    Ob zusätzlich Nacktscanner benötigt werden, ist umstritten.

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