Soziale Unternehmer gesucht!

28. Dezember 2009, 10:34
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Marktfähiges soziales Unternehmertum steht in Österreich erst am Anfang - Wir wollen mit unserem Social Venture Fund gegen Armut diesen Bereich fördern - Mit voller Kraft

Seit die Wirtschaftsuniversität Wien (WU), der Standard und Coca-Cola das Projekt Ideen gegen Armut (IGA) vor drei Jahren gestartet haben, konnte etwas in Bewegung gebracht werden. Anfangs haben wir gedacht: Wenn wir 50.000 Euro Startkapital zur Verfügung stellen, ohne es jemals zurückzufordern, den Betrag also verschenken, werden sich zahlreiche, außergewöhnliche Unternehmerinnen und Unternehmer finden, die endlich durch dieses Social Venture Capital loslegen wollen und können.

Doch die Kultur zum sozialen Unternehmer muss sich in Österreich offenbar erst entwickeln. Ideen gegen Armut ist noch immer der einzige mir bekannte Social Venture Fund, der den besten Projekten nicht nur intensive Beratung, sondern einem Start-up-Projekt auch die Finanzierung bereitstellt. Wir stellen keinen Anspruch auf Exklusivität - im Gegenteil, eine größere Anzahl an sozialen Risikoinvestoren wäre ebenso wünschenswert. Schön, würden andere Unternehmen genau bei dieser Start-up-Finanzierung mitmachen.

Die Qualität der Einreichungen und Businesspläne hat sich in den vergangenen Jahren ohne Zweifel verbessert, doch es gibt noch viel zu wenig unternehmerisches Denken im Sozialbereich. So konnten einige großartige Gedanken ihr Potenzial nicht vollständig ausschöpfen. Gute Beispiele unserer vergangenen drei Jahre zeigen aber in die richtige Richtung.

Welche Erfolge sich ergeben, demonstriert etwa das letztjährige Siegerprojekt 4everyoung.at. Sonja Mitsche und ihr Team standen kurz vor dem Ende. Ihre Leidenschaft, die Unterstützung aus dem Umfeld und der Wille, zu lernen und sich auf neue Situationen einzustellen, sowie das frische Startkapital von IGA haben ein Durchstarten ermöglicht. 4everyoung.at hat in den letzten zwölf Monaten über 1000 arbeitssuchenden Frauen praktische und aktuelle Computerkenntnisse vermittelt. Das wurde insbesondere durch die innovativen und kundennahen Rahmenbedingungen geschafft. Dazu gehört etwa Kinderbetreuung während der Kurse sowie durch ein "fliegendes Klassenzimmer" mit Vorortbetreuung bis hin zur Bereitstellung von Computern und moderaten Zahlungsmodalitäten. In der Folge haben hoheitliche Stellen bereits gestrichene Finanzierungen wieder bereitgestellt. Zu guter Letzt wurde 4everyoung.at zum familien- und frauenfreundlichsten Kärntner Unternehmen gewählt.

Der heurige Gewinner Sepp Eisenriegler mit seinem Reparatur und Service Zentrum (RUSZ) dürfte aus dem gleichen Holz geschnitzt sein. Bei seiner Unternehmensidee geht es um Sammlung und umweltfreundliche Wiederverwendung von gebrauchten Waschmaschinen und Geschirrspülern, die zu einem kostendeckenden Preis an sozial Schwache weitergegeben werden.

Ein Wunsch zum Schluss: Wir brauchen mehr sozialen Unternehmergeist. Also Menschen und Institutionen, die Services und Leistungen anbieten, die einen Preis haben, sich auf einem Markt durchsetzen und sozialen Nutzen - in unserem Fall Armutsbekämpfung - leisten. Wir wollen ebenfalls unseren Beitrag leisten und 2010 vielleicht sogar zwei erstklassige Siegerprojekte begleiten und finanzieren. (Philipp Bodzenta*, DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.10.2009)

Zum Autor

*Philipp Bodzenta ist Head of Communications & Public Affairs Coca-Cola Alpine. www.ideen-gegen-armut.at

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