Wettbewerb und Solidarität

28. Dezember 2009, 10:16
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Weniger rührend, aber wirksam bei Trägern und Beförderern: Social Entrepreneurs - Unternehmen, die - ganz gegen Hayek - Wettbewerb und Solidarität vereinen.

Friedrich August von Hayek, der führende Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie, sah einen scharfen und unüberwindbaren Gegensatz zwischen Wettbewerb und Solidarität. Und einen ganz einfachen noch dazu: Wettbewerb bringt uns weiter. Solidarität nicht.

Ob es so einfach ist? Oder einfach falsch? Oder nicht etwa - beides. Wie das geht? Es geht. Social Entrepreneurs führen es täglich vor. Nach Hayek wäre das Sozialunternehmen als solches ein Paradoxon. Sich zur Marktwirtschaft bekennen und gleichzeitig mit Armen solidarisch erklären?

Social Entrepreneurs schaffen das. Durch das, was Unternehmen am besten können: produktive Innovationen. Social Entrepreneurs gelingt es, Lösungen für hartnäckige Probleme anzubieten und dabei erfolgreiche Unternehmen und rasch wachsende Märkte aufzubauen.

Vereinen beider Seiten

Als Unternehmer folgen sie klassisch dem marktwirtschaftlichen Gebot von Angebot und Nachfrage - als soziale Innovatoren bringen sie eine neue Sichtweise auf die Lösung gesellschaftlicher und ökologischer Problemstellungen in ihr Geschäftsmodell ein.

Das Phänomen der Social Entrepreneurs ist übrigens in Entwicklungsländern entstanden. Sie wissen: Das sind jene Länder, denen man im Allgemeinen jegliche Innovationskraft und jegliches Potenzial für Entwicklung aus sich heraus abspricht. Dabei ist es kein Zufall, denn gerade in Gesellschaften, die an vielen Fronten gleichzeitig für eine Verbesserung ihrer Lebensumstände kämpfen, ist der Bedarf an nachhaltigen und lösungsorientierten Konzepten besonders groß.

Lücken schließen

Social Entrepreneurs setzen dort an, wo gesellschaftliche Bedürfnisse weder von politischen Institutionen noch von Märkten wahrgenommen werden. Aus diesem Fehler im System kreieren sie innovative Unternehmensmodelle. Siehe Nobelpreisträger Muhammad Yunus - ein Vorzeige-Social-Entrepreneur - mit seinen Mikrokrediten.

Im richtigen Leben passiert Entwicklung nämlich dann, wenn möglichst viele Menschen ihre Arbeitskraft, ihr Denkvermögen, ihren Ehrgeiz und ihr Kapital im eigenen Land investieren. Die Entdeckung des Unternehmers als Motor für Entwicklung ist nicht neu, aber wirklich prominent ist die Förderung von Unternehmertum und die Einbindung von Unternehmen in die Entwicklungszusammenarbeit erst seit wenigen Jahren.

Man hat erkannt, dass nennenswerte und nachhaltige Armutsbekämpfung nicht allein durch Solidaritätsbezeugung erfolgen kann. Unternehmertum zu fördern, Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen oder Rechtsstaatlichkeit zu unterstützen ist zwar weniger rührend, eignet sich weniger für Charity-Inszenierungen, kommt aber den wirksamsten Trägern und Beförderern von Entwicklung zugute: den lokalen Unternehmern.

Ob Social Entrepreneur oder einfach nur Entrepreneur: Entwicklungszusammenarbeit, die stärker auf die Kräfte der Marktwirtschaft setzt, könnte heute auch Hayek davon überzeugen, dass Solidarität und Wettbewerb einander nicht unbedingt ausschließen. (Barbara Coudenhove*, DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.11.2009)

Zur Autorin

*Barbara Coudenhove arbeitet als Geschäftsführerin bei der Entwicklungsorganisation ICEP im Bereich Wirtschaft und Entwicklung.

www.icep.at

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