Uns verbindet ein Planet

28. Dezember 2009, 10:13
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Während die Aufmerksamkeit auf der aktuellen Wirtschaftskrise liegt, bahnt sich eine ökologische Kreditkrise an - Denn wir leben auf Pump auf unserem Planeten

Seit den 1980er-Jahren hat sich die Nachfrage nach den Ressourcen unseres Planeten dramatisch erhöht. Schon heute übersteigt unser Konsumverhalten die Fähigkeit der Erde zur Regeneration um rund 30 Prozent. Wenn unsere Ansprüche an den Planeten also weiter in dieser Geschwindigkeit zunehmen, werden wir schon in 20 Jahren den Gegenwert von zwei Planeten benötigen, um unseren Lebensstil aufrechterhalten zu können.

Wir leben auf Pump - das heißt, wir zehren vom Kapital unserer Erde, anstatt von ihren Zinsen zu profitieren.

Und während alle Augen bang auf die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen gerichtet sind, steuert die Menschheit längst auf eine ökologische Kreditkrise zu, die nach Einschätzung von Nicholas Stern, dem ehemaligen Chefökonomen der Weltbank und Autor des Stern Review on the Economics of Climate Change, größere ökonomische Ausmaße annehmen wird als die beiden Weltkriege und die Große Depression zusammen. Das bedeutet: 20 Prozent unseres weltweiten Bruttoinlandsprodukts sind bedroht.

Tun - jetzt!

Um ökologische Katastrophen zu vermeiden, müssen Unternehmen und ihre Interessenvertreter Wege finden, der Nachfrage des Konsumenten "Mensch" innerhalb der planetarischen Grenzen gerecht zu werden. Das betrifft in erster Linie die drei am meisten belastenden Bereiche Wohnen, Transport und Nahrung, die gemeinsam mehr als zwei Drittel des globalen ökologischen Fußabdrucks ausmachen.

Angebotsfragen

Die Weltwirtschaft ist bestimmt von Angebot und Nachfrage - gelingt es den Unternehmen, klimafreundliche Angebote zu schaffen, kann damit auch eine klimafreundliche Nachfrage gesteuert werden. Man muss also selbst entscheiden, ob man die Wirtschaft verurteilt und ihr mit dem erhobenen Zeigefinger begegnet, oder ob man ihre Macht und ihren Einfluss nutzt und gemeinsam mit ihr lösungsorientierte Ansätze für einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen entwickelt.

Wir müssen lernen, dass Klimaschutz nicht Verzicht, sondern vielmehr einen Gewinn an Lebensqualität und eine Kostenersparnis bedeutet.

Der WWF Österreich hat sich dazu entschieden, ,mit ausgewählten Unternehmen zusammenzuarbeiten, die sich der Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung stellen. 2007 startete die WWF Climate Group - eine Plattform klimafreundlicher Unternehmen mit Sitz in Österreich, die sich vertraglich dazu verpflichtet haben, innerhalb von drei Jahren ihren betriebseigenen CO2-Ausstoß um mindestens 15 Prozent zu reduzieren.

Ikea Österreich, die Allianz-Gruppe Österreich, Fronius International, der Fruchtsafthersteller Pfanner Getränke GmbH und die Telekom Austria bekennen sich als Partner der WWF Climate Group zu ihrer Verantwortung als Unternehmen, klimafreundlich zu agieren und gleichzeitig mit Lösungen aus der Wirtschaft klimafreundliches Handeln selbstverständlich zu machen.

Dabei liegt hier die Betonung auf Handeln, denn jeder von uns kann und muss ins Tun kommen, und zwar jetzt - uns verbindet ein Planet, und wir haben keinen zweiten im Kofferraum. (Kathrin Hebel*, DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.11.2009)

Zur Autorin

*Kathrin Hebel arbeitet in der Stabstelle Klima des WWF Österreich. www.wwf.at

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