Mit Samthandschuhen gegen Papst-Angreiferin

27. Dezember 2009, 20:00
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Die Sicherheitsbestimmungen im Vatikan stehen auf dem Prüfstand, nachdem eine 25-jährige, angeblich psychisch gestörte Frau sich bei der Christmette auf Papst Benedikt XVI. gestürzt hat

Rom - Neue Sicherheitsbestimmungen will der Kirchenstaat in den nächsten Tagen beschließen, nachdem es der 25-jährigen Italo-Schweizerin Susanna M. gelang, den Papst während der Christmette kurzerhand umzustoßen. Durch zielstrebiges Vordrängen gelang es der als psychisch gestört geltenden Frau, bis zum Papst zu gelangen und diesen aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Papst Benedikt XVI.trug keinerlei Verletzungen davon, der neben ihm stehende Kardinal Roge Etchegaray musste allerdings ins Krankenhaus gebracht werden. Nun kritisieren internationale Beobachter die wenig koordinierten Sicherheitsmaßnahmen rund um den Papst. Die britische Zeitung Financial Times fragt, inwieweit die jüngst erfolgten Angriffe auf Regierungschef Silvio Berlusconi und Papst Benedikt XVI. nicht die Konsequenz mangelhafter Sicherheitskontrollen seien.

Angeblich zweite Annäherung

„Ich wollte dem Papst nichts zuleide tun", beteuerte Susanna M., die vorerst in ein Krankenhaus im Vatikan und danach in die psychiatrische Abteilung der nahe Rom gelegenen Klinik Angelucci von Subiaco gebracht wurde. Zu ihren Gunsten spricht, dass sie nicht bewaffnet war. Angeblich habe die Schweizerin bereits bei der Christmette im Vorjahr eine Annäherung an Papst Benedikt XVI. versucht, sei aber damit gescheitert.
Ein Vatikansprecher bezeichnete den Zwischenfall bei der Christmette, als Papst Benedikt XVI. von der „Frau im roten Mantel" zu Boden gerissen wurde, als „bedauernswerten Unfall". Es sei unmöglich, derartige Zwischenfälle komplett auszuschließen, da der Kontakt mit Menschen Teil des Auftrags des Papstes sei. „Der Papst will eine direkte, seelsorgerische Verbindung zu den Menschen", sagte Vatikan-Sprecher Pater Lombardi.
Sowohl Staatspräsident Giorgio Napolitano als auch der Bürgermeister von Rom, Gianni Alemanno, haben dem Papst ihre Solidarität ausgesprochen. Der Vatikan versucht inzwischen, den Unfall so weit wie möglich zu verharmlosen. Man gehe gegen die angeblich psychisch gestörte Susanna M. mit Samthandschuhen vor, meinen Vatikanbeobachter. Das Vatikan-Gericht will vorerst die Diagnose der Psychiater und den Bericht der Polizei abwarten, bevor ein Urteil gefällt wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2009)


 

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    Die Schweizergarde sorgt für die Sicherheit des Papstes.

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