Fassadeneinsturz gibt Rätsel auf

27. Dezember 2009, 19:39
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Sonntagfrüh stürzte der Teil einer Hausfassade auf die Fahrbahn in der Heumühlgasse - Ein Taxifahrer entkam knapp den Trümmern

Wien - Sonntag, kurz nach fünf Uhr früh im 4. Bezirk in Wien: In der Heumühlgasse Ecke Rechte Wienzeile stürzt der Teil einer Hausfassade auf die Fahrbahn und reißt ein Baugerüst mit. Ein Taxifahrer hat Glück: Er hat, wie die Feuerwehr später schildert, rechtzeitig bemerkt, dass sich die Mauer bewegte, sein Fahrzeug abgestellt und es verlassen. Ein Teil der Hauswand samt Baugerüst stürzte kurz später auf die Straße, und dabei auch auf die Motorhaube des leerstehenden Taxis. Verletzt wurde nach Feuerwehrangaben niemand. Die Helfer brachten einen noch in dem zum Teil eingestürzten Gebäude wohnenden Mann mittels Drehleiter in Sicherheit. Sonst musste niemand evakuiert werden.

Seit etwa einem Jahr laufen laut Anrainern in dem Haus Renovierungsarbeiten. Das Gebäude soll ein Jugendgästeheim werden. Nur ein Teil des Hauskerns und die Außenfassade stehen noch.

Der Bevölkerungswissenschafter Rainer Münz, der gegenüber der Baustelle im zweiten Stock wohnt, bemerkte Sonntagfrüh erst, was passiert war, als die Feuerwehr kam. "Es war in letzter Zeit immer Lärm, weil hier Tag und Nacht gearbeitet wurde", erzählte Münz dem Standard. Die Feuerwehrmänner seien mittels Drehleiter durch eines seiner Wohnungsfenster ins Haus eingestiegen, da der Eingang zugeschüttet worden war. Sie richteten einen Notausgang für die Hausbewohner durch den Keller ein. Der Zugang zum Nebenhaus war wegen herabgestürzten Schutts ebenfalls unpassierbar. Auch für die dortigen Bewohner wurde ein provisorischer Ausgang geschaffen. Die Feuerwehr sperrte beide Hauseingänge ab.
Straßen gesperrt

Die Heumühlgasse und ein Teil der Rechten Wienzeile waren noch Stunden später nicht für den Verkehr freigegeben. Die Sperre konnte im Laufe des Sonntags aber wieder aufgehoben werden.

Bemerkenswert ist für Münz, der von seiner Wohnung einen guten Überblick über die gegenüberliegende Baustelle hat, dass gerade jener Teil der Fassade weggebrochen ist, der an noch bewohnte Wohnräume anschloss, der also nicht vollständig ausgehöhlt war. "Da muss auch etwas anderes passiert sein", meint er.

Weitere Einsturzgefährdung war aber nicht gegeben: Die Statiker der Stadt Wien stellten bei ihrer Überprüfung am Sonntag nach Sicherung des Baugerüsts durch die Feuerwehr fest, dass keine weiteren Sicherungsmaßnahmen notwendig seien.

Wieso es zu dem Mauereinsturz kam, ist auch der Baugesellschaft unklar. Diese teilte in einer Aussendung mit, dass man darum bemüht sei, die Ursache so rasch wie möglich zu klären. Die Abbauarbeiten wurden laut Einsatzbericht der Feuerwehr noch am Sonntag fortgesetzt. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 28. Dezember 2009)

  • Ein an noch bewohnte Räume angrenzender Teil eines ausgehöhlten Hauses in der Heumühlgasse stürzte am Sonntag gegen fünf Uhr auf die Straße und riss dabei ein Baugerüst mit
    foto: der standard/christian fischer

    Ein an noch bewohnte Räume angrenzender Teil eines ausgehöhlten Hauses in der Heumühlgasse stürzte am Sonntag gegen fünf Uhr auf die Straße und riss dabei ein Baugerüst mit

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    foto: der standard/christian fischer
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