Ivo Josipovic sicher in Stichwahl - Gegner noch offen

27. Dezember 2009, 19:09
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Wahrscheinlich Bandic als Konkurrent - Aber auch Hebrang hat noch Chancen

Zagreb/Wien - Wie erwartet hat Ivo Josipovic, der offizielle Kandidat der Sozialdemokraten (SDP), am Sonntag beim ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen in Kroatien mit 32,7 Prozent der Stimmen laut Exit Polls den ersten Platz gemacht. Er wird sich am 10. Jänner wahrscheinlich ein Duell mit seinem ehemaligen SDP-Parteikollegen Milan Bandic liefern, der 14,1 Prozent der Stimmen erreichte. Allerdings könnte auch noch der Kandidat der Regierungspartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft), Andrija Hebrang, den Sprung in die entscheidende Runde schaffen. Er lag mit 12,1 Prozent nur knapp hinter Bandic.

Josipovic, Jurist und Komponist, hat in seinem Wahlkampf die Korruption zum führenden Wahlkampfthema gemacht: In einer seiner letzten Wahlkampfreden vor dem Urnengang am Sonntag sagte er, dass Kroatien am Sonntag "vielleicht das letzte Mal entscheidet, ob es Ehrlichkeit und Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit und Korruption will".

Dem als trocken und nicht charismatisch geltenden Josipovic eilt ein guter Ruf voraus. So wurde er vergangenes Jahr zum Juristen des Jahres gewählt. Wenige Jahre zuvor wurde er von der Regierung zum Vertreter Kroatiens vor dem Internationalen Gerichtshof ernannt. Außerdem war er im Europarat als Experte bei der Valorisierung von Gefängnissen in der Ukraine, der Mongolei und Aserbaidschan tätig.

Als seine Rolle als Präsident sieht er es, Kroatien in die EU zu führen, jedoch nicht unter jeder Bedingung. So hatte er von der kroatischen Regierung andere Verträge mit Slowenien im Grenzstreit gefordert. "Ich bin für den Beitritt Kroatiens in die EU, aber ich bin nicht für Erpressung", so Josipovic im APA-Interview.

Innerparteilich soll seine Bereitschaft, mit dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag zusammenzuarbeiten, ausschlaggebend gewesen sein, ihn als SDP-Kandidaten zu nominieren - obwohl er erst 2008 der Partei beigetreten ist. Auch im APA-Gespräch zeigte sich Josipovic bereit, mit der dunklen Vergangenheit Kroatiens aufzuräumen: "Ein Land wie Kroatien hat seine Traumata und aus diesen muss es sich befreien. Das ist eine Sache der Verantwortung für die eigenen Taten."

Lange habe sich die Vorstellung gehalten, dass andere Böses getan hätten, nur Kroatien nicht. "Doch es ist Zeit, sich mit der Schattenseite dieses Krieges zu konfrontieren." Vor seinem Parteibeitritt war Josipovic seit 2003 als parteifreier Mandatar im Sabor, dem kroatischen Parlament. Doch schon 1980 war er für die Sozialdemokraten aktiv: Er schrieb die ersten Parteistatuten. 1994 aber verabschiedete er sich aus der Politik, um sich seinen Berufen als Jurist und Musiker zu widmen - bis ihn der verstorbene Ivica Racan, von 2000 bis 2003 kroatischer Ministerpräsident, wieder in die Politik zurück holte.

Josipovic, 1957 in Zagreb geboren, ist seit 20 Jahren verheiratet und hat eine 18-jährige Tochter. Seine Frau Tatjana Josipovic ist ebenfalls Juristin und Mitglied an den Verhandlungen zum EU-Beitritt Kroatiens beteiligt. Die beiden lernten sich während ihres Jusstudiums an der rechtswissenschaftlichen Fakultät in Zagreb kennen. Dort sind die beiden auch heute noch tätig. Der Präsidentschaftskandidat lehrt Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Verwaltungsstrafrecht, seine Frau lehrt Zivilrecht und ist Expertin für Grundbuch- und Immobilienrecht.

Ivo Josipovic gilt mit einem geschätzten Vermögen von vier Millionen Kuna (549.451 Euro) als einer der reichsten Kandidaten und hat, um nicht in den Ruch zu kommen, illegal zu seinem Besitz gekommen zu sein, seine Besitzverhältnisse offen gelegt. Als offizieller SDP-Kandidat war Josipovic nicht der einzige aus dem sozialdemokratischen Spektrum. Möglicherweise kommt sein Konkurrent in der Stichwahl ebenfalls aus der SDP, der Zagreber Bürgermeister Milan Bandic, der wegen seiner eigenständigen Kandidatur aus der Partei ausgeschlossen wurde. Allerdings war das Rennen um Platz zwei am Sonntagabend noch nicht entschieden. (APA)

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    Wahlkabine in Tuzla.

  • Ivo Josipovic, Kandidat der Sozialdemokraten, bei der Stimmabgabe.
    foto: epa/antonio bat

    Ivo Josipovic, Kandidat der Sozialdemokraten, bei der Stimmabgabe.

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