Der Extremist aus reichem Hause

27. Dezember 2009, 18:39
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Reich, intelligent, gebildet: Umar Faruk Abdulmutallab hatte Voraussetzungen, von denen die meisten Kinder in Nigeria nur träumen können. Als Angehöriger der nigerianischen Elite mit britischer Ausbildung hatten ihm Lehrer und Freunde eine steile Karriere vorausgesagt. Doch der 23-Jährige wählte nicht die Spitzenjobs in Wirtschaft oder Politik, sondern offenbar den Terror der Al-Kaida.

Warum - das ist eines der großen Rätsel rund um den verhinderten Flugzeugbomber von Detroit. Ein religiöser Muslim sei er stets gewesen, schilderten Studienkollegen britischen Medien. "Wenn wir gelernt haben, ist er immer zum Beten gegangen", sagte einer. Ruhig habe er gewirkt, nicht viele Kontakte gehabt. Aber radikal? Unvorstellbar.

Anders seine Mitschüler von früher in Lomé im Togo, wo Abdulmutallab die britische Schule besuchte, wie viele Kinder aus reichen Familien Westafrikas: Er habe die Taliban verteidigt und versucht, seine Kameraden für fundamentalistische Ideen zu begeistern. Der Bursche sei "so strenggläubig und religiös" gewesen, dass er den Spitznamen "der Papst" erhalten habe, erinnert sich ein Lehrer von damals.

Anders auch sein Vater Alhaji Umar Mutallab, 70 Jahre und einer von Nigerias führenden Köpfen: einst Wirtschaftsminister des Landes und bis vor kurzem Chef der ältesten Bank Nigerias, der First Bank. Aus Sorge über die extremistischen Ansichten seines Sohnes wandte er sich vor sechs Monaten an die US-Botschaft in Abuja und die Behörden.

Wie sein Vater hat Abdulmutallab in Großbritannien studiert. Drei Jahre lang, bis Juni 2008, wurde er am renommierten University College London in Maschinenbau ausgebildet. Ein Luxusaufenthalt: Das jüngste von 16 Kindern lebte laut Medien in einer mehr als zwei Millionen Euro teuren Wohnung in Mary- lebone, einem reichen Stadtteil im Zentrum.

Ägypten, Dubai, Jemen - das waren die nächsten Stationen des mutmaßlichen Attentäters. Nach Großbritannien gab es kein Zurück: Im Sommer suchte er noch einmal um ein Visum an und gab als Grund weitere Ausbildung an. Die britischen Behörden glaubten ihm nicht und lehnten den Antrag ab. Dann, sagen Familienmitglieder, habe er mitgeteilt, im Jemen bleiben zu wollen. Den Kontakt zu seinen Angehörigen, die aus Kaduna im großteils muslimischen Norden Nigerias stammen, hat er vor Monaten abgebrochen. Keiner von ihnen will gewusst haben, dass er nach Nigeria zurückkehrte, wo er an Weihnachten in Lagos ins Flugzeug stieg. Nun drohen ihm bis zu 40 Jahre Gefängnis. (Julia Raabe /DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2009)

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    Wie Umar Faruk Abdulmutallab zum Attentäter wurde.

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