Ahonen macht den Unterschied

27. Dezember 2009, 18:26
8 Postings

Der zurückgekehrte Finne weiß am besten von allen, wie sich der Tourneesieg anfühlt

Oberstdorf - Der Unterschied zum Vorjahr ist 32 Jahre alt, geschätzte 65 Kilogramm schwer, gesicherte 1,84 Meter groß und schaut zumeist sehr ernst drein. Und er weiß, wie es geht, die Vierschanzentournee zu gewinnen. Heute, Montag, hebt mit der Qualifikation in Oberstdorf im Oberallgäu deren 58. Auflage offiziell an. Nummer 57 hatte Janne Ahonen nach Beendigung seiner Karriere verpasst. Diesmal ist der Finne, mit fünf Gesamterfolgen der diesbezügliche Rekordler, wieder dabei. Und es ist ihm alles zuzutrauen.

Wer angeheitert 240 Meter weit fliegen (wenn auch nicht stehen) kann - Ahonen beschreibt das vor bald fünf Jahren in Planica aufgeführte, fragwürdige Kunststück in seiner im vergangenen Sommer erschienenen Biografie - der kann auch leicht angerostet bei der Tournee reüssieren. Der Unterschied heißt also Ahonen. Sonst alles wie gehabt: Ein Schweizer stemmt sich gegen die Übermacht der österreichischen Skispringerei. Simon Ammann, dreimaliger Saisonsieger und Führender des Weltcups, gegen Gregor Schlierenzauer, seines Zeichens zweimaliger Saisonsieger, Titelverteidiger und Ammanns erster Verfolger im Weltcup - das ist das erwartete Duell um den Tourneesieg.

Pech auf hohem Niveau 

Beiden, dem 28-jährigen Doppel-Olympiasieger aus der Talschaft Toggenburg, Kanton St. Gallen, wie dem 19-Jährigen Stubai- taler, hat die Traditionsveranstaltung über Neujahr und Dreikönig bisher noch nicht viel Glück gebracht, vielmehr quasi Pech of hohem Niveau. Ammann war wie Schlierenzauer einmal Zweiter und einmal Dritter. Im aktuellen Feld wissen neben Ahonen wenige, wie sich der Tourneesieg anfühlt. Etwa der Norweger Anders Jacobsen und der Tscheche Jakub Janda. Am 6. Jänner dieses Jahres kostete Wolfgang Loitzl nach seinen nahezu perfekten Sprüngen in Bischofshofen (neunmal die 20) das Gefühl ordentlich aus. Zur Tournee zurück kehrt der 29-jährige Steirer als Außenseiter, der er auch im Vorjahr schon gewesen war. "Wenn ich so ähnlich wie damals immer dann zulegen kann, wenn es drauf ankommt, habe ich ganz gute Aussichten", sagt Österreichs Sportler des Jahres. Er fahre mit Stolz zur Tournee, aber nicht mit dem Druck, den Titel verteidigen zu müssen.

Loitzl spricht für die aussichtsreichsten Außenseiter, zu denen neben dem Norweger Björn Einar Romören, dem Sieger der Auftaktspringens in Lillehammer, auch Thomas Morgenstern und Andreas Kofler zählen: "Gewinnen müssen der Schlieri oder der Simi", Schlierenzauer oder Ammann also. Bis auf Ahonen kein Unterschied zum Vorjahr. (lü, DER STANDARD Printausgabe 28.12.2009)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.