Terrorismus

Der Jemen wird zum Rückzugsgebiet Al-Kaidas

27. Dezember 2009 18:18

Ein Krieg im Norden, eine erstarkende Sezessionsbewegung, Armut und Korruption schaffen im Jemen Al-Kaida Raum zur Ausbreitung

Längst wird der Jemen in Geheimdienstkreisen als das Sorgenland Nummer eins genannt, wenn es um die Konzentration von - teilweise von woanders vertriebenen - Kräften der Al-Kaida geht. Jemen, die Heimat von Osama Bin Ladens Vater, hat Pakistan und Afghanistan als Rückzugsgebiet für Extremisten verdrängt - was ein Fragezeichen hinter jeden Erfolg der Amerikaner und der Nato in Afghanistan setzt. Schon wird spekuliert, ob Jemen das nächste Land sein könnte, in dem ein US-Präsident seinen "war on terror" führen wird.

Aber nicht nur, dass sich ausländische Extremisten im Jemen ansiedeln, Al-Kaida scheint auch beträchtliche Erfolge unter der Bevölkerung zu haben - denn ohne lokale Unterstützung würde die Ausbreitung nicht so gut funktionieren. Besonders junge Menschen wenden sich von dem von internen Kämpfen, Armut und Korruption geschwächten Staat ab und jenen zu, die im Jihad einen neuen Lebenssinn versprechen. Die Trainingslager finden sie bereits im eigenen Land.

Ganz neu ist diese Radikalisierung allerdings nicht - die Mehrzahl der verbleibenden Guantanamo-Häftlinge stammt aus dem Jemen. Die jemenitische Regierung hatte nach 2001 auch auf Rehabilitierungsprogramme gesetzt, die international gelobt wurden. Das gewonnene Terrain wurde gleichzeitig anderswo wieder verloren.

Im Jemen laufen gleich mehrere bewaffnete Konflikte gleichzeitig, die den Staat schwächen und Al-Kaida Raum verschaffen. Medial am meisten präsent ist im Moment der Krieg zwischen der jemenitischen Regierung und den zaiditischen Huthi-Rebellen in der Provinz Saada an der saudi-arabischen Grenze. Es ist dies ein vieldimensionaler Konflikt: Die einstmals regierenden Zaiditen, einer schiitischen Sekte angehörend, fühlen sich von einer zunehmend "wahhabitisierten" Regierung in Sanaa unterdrückt.

Iranisch-saudischer Konflikt

Nicht umsonst unterstützen Truppen aus Saudi-Arabien - wo die streng-sunnitische Wahhabiya Staatsdoktrin ist - die jemenitische Regierungsarmee. Seit der Iran beschuldigt wird, hinter den Huthis zu stehen, ist auch ein indirekter saudisch-iranischer Konflikt daraus geworden.

Versuche, die Huthi-Rebellen als Kaida-Verbündete oder gar -Angehörige hinzustellen, sind jedoch absurd (so bezeichnete eine Nachrichtenagentur unlängst den verwundeten Huthi-Anführer als "Kaida-Führer" ). Der jemenitische Staat hat ein Interesse daran, die Rebellen als einfache Terroristen hinzustellen. Richtig ist jedoch, dass Al-Kaida unter den zaiditischen Flüchtlingen rekrutiert und sie zum "wahren Islam" bekehrt.

Dazu kommen die seit der Wiedervereinigung von Nord- und Südjemen 1990 schwelenden Sezessionsgelüste des Südens. Auch sie werden stärker, je schwächer das Zentrum ist, das den Beschwerden über die Marginalisierung - nicht unähnlich denen im Norden - immer weniger entgegensetzen kann. Die Sezessionistenbewegung hat mittlerweile ihre Solidarität mit den Huthis erklärt.

Ansteckungsängste

Auch in diesen Raum dringt Al-Kaida vor. Der jemenitische Zweig der Organisation hat vor kurzem mit dem saudi-arabischen fusioniert. Szenarien, dass Jemen zu einem zweiten Somalia werden könnte, einem "failed state" , schrecken nicht nur die USA, sondern auch die Nachbarländer. Sie schwanken zwischen Ansteckungsängsten und dem Bewusstsein, helfen zu müssen. Saudi-Arabien, aber auch der Oman engagieren sich jetzt stärker wirtschaftlich. Qatar vermittelte einen Waffenstillstand zwischen Huthis und Sanaa und versprach, die nördliche Provinz entwickeln zu helfen. Mit der jüngsten Eskalation des Konflikts ist das jedoch hinfällig.

Jemen - regiert vom Langzeitpräsidenten Ali Abdullah Saleh - bezahlte nach 1990 dafür, sich auf die Seite Saddam Husseins gestellt zu haben. Nach 2001 wählte Saleh die Allianz mit den USA: Auch das ist ihm nicht gut bekommen. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2009)

Kommentar posten
21 Postings
DieBo
29.12.2009 13:33
Wie ergeht es uns eigentlich sollte es einmal gelingen alle Wiederständler zu besiegen? Und was passiert dann mit denen die ihre tägliche Mac Donalds Portion nicht aufessen?

Captain Smoker
28.12.2009 13:26

So lange die Hauptstrategie gegen den Terror aus Gewehren und Bomben besteht, wird der Radikalismus immer wieder ein neues armes Land für sich finden.

zimbo
 
28.12.2009 11:08
Das nächste Land das angegriffen wird.

Bissi schwächer, als der Iran.

Ibn Chaldun
28.12.2009 13:55
Einen engen Verbündeten braucht man nicht angreifen.

Stehst Du eigentlich IMMER daneben?

Der Alte vom Berge
28.12.2009 13:41
Mr.Obama...

...befahl am 17.12.09 Marschflugkörper auf als Al Quaida-Stellungen bezeichnete Ziele im Jemen sowie auf ein als Ausbildungslager bezeichnetes Areal nördlich von Sanaa und eine nicht näher definierte Location von der aus ein unmittelbar bevorstehender Angriff auf US-Einrichtungen in Vorbereitung
gewesen Wäre.


Es sollte schwer fallen den Schauplatz Jemen nicht erneut Aufzuwerten, stellt doch der Angriff durch Cruise-Missiles eine als erheblich zu bezeichnende Eskalation der US Intervention dar, welche ja mit "Beratern" und Sondertruppen seit 08 im Jemen operiert, ist ebenso wie Saudiarabien also DIREKT Involviert.


Die Intervention Washingtons macht diesen Stellvertreterkrieg zu einem Internationalen Konflikt.

Nun Offiziell. ^^

Ibn Chaldun
28.12.2009 14:23
"macht diesen Stellvertreterkrieg zu einem Internationalen Konflikt."

Wer sollten denn die Parteien im Internationalen Konflikt sein? Mir fällt niemand ein.
Die einzige unerwünschte Einmischung im Jemen kam doch wohl vom Iran. Und seit die Saudis die jemenitische Rotmeerküste sichern, geht da auch nicht mehr viel.

Der Alte vom Berge
28.12.2009 15:23
Die Überforderung...

...der saudischen Streitkräfte zeigt sich deutlich an der nicht Erreichung der gesteckten Ziele.

Der Konflikt zwischen jemenitischen Regulären und Aufständischen wurde trotz erkläreter Absicht eben diese Entwicklung zu Unterbinden auf saudisches Terretorium verlagert.

Die Sicherung der Küstengebiete ist mit bestehenden Kräften mehr als Fragwürdig anzusehen und ohne Hilfe durch Aufklärungsmittel des "Westens" kaum Realisierbar, zudem sind Teile des Küstengebiets zu Lande nicht wirklich unter Kontrolle der Armee.

Eine "Pufferzone" zu schaffen um unkontrollierte Bewegungen der Aufständischen wie auch anderer präsenter Kräftegruppen zu Unterbinden ist gescheitert, möcht ma bösen Zungen Glauben Schenken nimmt der "Grenzverkehr" zu. ^^

Der Alte vom Berge
28.12.2009 15:15
Americanische Marschflugkörper...

...und im Einsatz befindliche SOC-Einheiten wie diverse "Berater Americas sind direkt Involviert.

Zudem ist "War on Terror" Bestandteil einer globalen Strategie welche neben der Isolation Russlands die Bedrohung chinesischer Ressourcenzugänge im kaspischen Raum Beinhaltet. Eine der Zielsetzungen ist zerschlagene und dauerhaft fragmentierte Staaten im Mittleren Osten zu schaffen um die künftige Konfrontation mit Rußland und China in Vorder/Zentralasien einzuleiten.

Der zentralasiatische Keil mit Blick auf Ressourcensicherung, die geostrategische Positionierung und die Verhinderung eines asiatischen Bündnisses ist unverzichtbare Voraussetzung nachhaltige Präsenz Abzusichern.

Von Marokko bis Indonesien ist Krieg.

Pax Americana.^^

Der Alte vom Berge
28.12.2009 13:46
Maybee...

...war´s der 10.12., seit Mr.Kalilzaid im Sudan Verweilte schwiirt so einiges Umher, Jenseits von Africa. ,)

Kaffe und Kuchen
27.12.2009 22:22
falls sich jemand wirklich für

den jemen interessiert: http://www.youtube.com/watch?v=PAkPFZQA6EM

eine sicht unter vielen abseits des üblichen schwachsinns, der von der fälschlicherweise als 4. Säule der Demokratie Selbsttitulierten Medienochlokratie verbreitet wird.

willi weimaraner
28.12.2009 00:09

Ein interessanter Film, aber warum beschimpfen Sie die Medien so dümmlich und undifferenziert???

Kaffe und Kuchen
28.12.2009 00:50
weil sie sich so

dümmlich und undifferenziert verhalten, es wird immer ausgesucht was man uns ,, zutrauen kann"... übrigens wo haben sie die doku zum heutigen zeitpunkt vollständig gefunden?

Kaffe und Kuchen
28.12.2009 00:51
und dümmlicher und undifferenzierter ist wohl so

manches post am stadtrand...

Pseudonym1
28.12.2009 01:14
Kaffe und Kuchen
29.12.2009 17:37
danke

Kaffe und Kuchen
27.12.2009 22:15
hat man jetzt bodenschätze im jemen

gefunden oder warum die meldung? same topfen as usual von altbekannter seite...

grazistanders
27.12.2009 21:29

Die Menscheit hat schon längst versagt. Ist doch wayne was die Amerikaner machen

Logix
27.12.2009 19:28
Auch wenn man es tausendmal wiederholt wird es auch nicht wahrer

Dieses "Al Kaida" ist die wohl jämmerlichste Verschwörungstheorie seit den Massenvernichtungswaffen im Irak.

Wie hat Bush so schön gesagt: "We must speak the truth about terror. Let us never tolerate outrageous conspiracy theories concerning the attacks ..., malicious lies that attempt to shift the blame away from the terrorists themselves, away from the guilty."

Und mordende Terroristen sind sie, die Geheimdienste dieser Welt.

Herzerzog Johann
27.12.2009 21:51
"Al Kaida" nennt sich heute schon jeder bessere Hobbyterrorist.

Unter der Bezeichnung wird Terror mit Islambezug halt meistens subsummiert. Der existiert natürlich, dürfte aber kaum eine zentral gelenkte homogene Gruppe sein.

Ist irgendwie genauso wie bei der Mafia ...

Ibn Chaldun
28.12.2009 14:11
"dürfte aber kaum eine zentral gelenkte homogene Gruppe sein."

Jetzt nicht mehr, und das ist gut so....

Das Kernproblem des Jemen spricht der Artikel nicht an: Die Stammesstruktur. Jeder Sheik hat mehr regionalen Einfluss als die Zentralregierung. Kein Stammesgebiet, keine Region, die nicht mal über Unabhängigkeit oder eine andere Konstellation nachdenkt. Deshalb sind die Möglichkeiten der Zentralregierung auch sehr beschränkt.
Der Jemen ist in Gefahr zu zerfallen (Die gegenwärtige Al Khaida Aktivität ist nur ein Aspekt und nicht mal der wichtigste) Oman und SA müssen sich was einfallen lassen.

Der Alte vom Berge
28.12.2009 15:41
Viele Alternativen...

...dürften weder Riad noch Saana zur Verfügung stehen hält die als "Al Quaida" bezeichnete Kräftegruppe wie auch die Aufständischen an der asymmetrischen Kampfführung Fest.

Die als äusserst flexibel zu bezeichnende Operationsführung der Widerstandskämpfer benötigt nicht zwingend feststehende Räume als "Rückzugsgebiet" sondern erlaubt es den Combatanten sich Notfalls dank topographischer Verhältnisse und Rückhalt in der Bevölkerung aus der Bewegung neu zu Formieren.


Anders als am Hindukusch hat es das Regime im Jemen mit offenem Aufstand und Unruhen in Teilen des Landes zu Tun denen es mit Ausrottung von religiös/ethischen Minderheiten Begegnet.


Nicht nur Jemen befindet sich im Zerfallsprozess, das Ende der Wahhabiten Naht. ^^

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