Vater warnte US-Botschaft vor seinem Sohn

27. Dezember 2009, 18:02
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Mutmaßlicher Attentäter aus Nigeria konnte trotz Hinweisen auf extremistische Ideen Flugzeug besteigen

Der Ermittlungsdienst von Scotland Yard verbrachte am Sonntag einen zweiten Tag in der herrschaftlichen Wohnung im Londoner Edel-Stadtteil Marylebone, wo Umar Faruk Abdulmutallab mindestens bis zum vergangenen Jahr gewohnt hatte. Auf dem Immobilienmarkt muss zwischen 1,7 und 2,8 Millionen Euro anlegen, wer eine der Wohnungen in der Mansfield Street kaufen will. Es ist eine der verblüffenden Fährten, die zum jüngsten Terrorfall bei einem Transatlantikflug gehört.

Zwei Tage nach dem alarmierenden Zwischenfall in der Maschine der Northwest Airlines auf dem Weg nach Detroit sind neue Details aufgetaucht. Sie können erklären, wie es dazu kam, dass der junge Nigerianer Abdulmutallab offensichtlich versucht hatte, sich am ersten Weihnachtstag zusammen mit 300 Passagieren und Crewmitgliedern in die Luft zu sprengen.

Der Vater des verhinderten Flugzeugbombers, ein früherer Bankdirektor und Minister hatte die US-Botschaft in seiner Heimat Nigeria bereits vor "einigen Wochen" gewarnt, dass sein Sohn radikalisiert und gefährlich sei. Während seines Studiums in London habe sein islamischer Glaube extremistische Züge angenommen, hieß es von Verwandten. Sie reisten am Sonntag zur Einvernahme in Nigerias Hauptstadt Abuja. Aus US-Sicherheitskreisen verlautete, dass nach der Warnung durch Abdulmutallabs Vater auch eine Akte angelegt worden sei und der junge Nigerianer auf eine Beobachtungsliste (Terrorist Identities Datamart Environment - Tide) gesetzt wurde, in der etwa 500.000 Verdächtige stehen. Sein Name sei jedoch nicht auf eine engere Liste (Terrorist Screening Data Base) gesetzt worden, was bedeutet hätte, dass er nicht mehr fliegen dürfte, berichteten amerikanische Medien am Sonntag.

Dass der Terroranschlag fehlschlug, war wohl neben dem Versagen des Zünders auch der Geistesgegenwart einiger Passagiere zu verdanken: Abdulmutallab, der nach eigenen Angaben in einem Terrorcamp im Jemen ausgebildet wurde und dort Unterwäsche mit eingenähten Plastiksprengstoff erhielt, fing durch den brennenden, aber nicht explodierenden Sprengstoff Feuer und wurde sofort von den Mitreisenden überwältigt.

Berichten von Passagieren zufolge ging der Nigerianer kurz vor der Landung in Detroit für 20 Minuten auf die Bordtoilette. Als er zurückkam, klagte er über Magenschmerzen und legte eine Decke über seinen Schoß. Eine Flugzeugbegleiter soll ihn gefragt haben, was er in seiner Hosentasche habe. Daraufhin antwortete er: "Einen Sprengsatz" . Passagiere überwältigten den Mann, während er versuchte, die Bombe auszulösen.

Als Held gilt dabei Jasper Schuringa, ein 32-jähriger Werbefilmer aus Amsterdam, der sich sofort über die Sitze auf den Nigerianer warf, als er den Knall hörte: "Ich bin einfach gesprungen, ich habe überhaupt nicht nachgedacht." Bei CNN schilderte er, wie er den mutmaßlichen Attentäter niederrang und das Feuer löschte, bevor er ihn gemeinsam mit der Crew fesselte und von den anderen Passagieren isolierte.

Gegen Abdulmutallab, der wegen seiner schweren Verbrennungen an den Beinen in einem Krankenhaus in Detroit behandelt wird, haben die US-Behörden mittlerweile Anklage erhoben. Ihm drohen insgesamt 40 Jahre Haft. (sbo, dpa, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2009)

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    Held im Flugzeug: Schuringa warf sich auf den Attentäter.

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