Programm für Feinde

27. Dezember 2009, 17:36
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Die Intensität des Überflüssigen, des Schwachsinnigen und der Intelligenzbeleidigungen, die das Weihnachtsprogramm jährlich wiederkehrend ausmacht, ist immer wieder so erstaunlich wie abschreckend

Das Alter ist ein Hund. Nicht nur dass es früher oder später dazu führt, dass man nicht mehr ans Christkind glaubt, auch die einst die Vorfreude auf die Bescherung begleitenden Fernsehexzesse - Mutter: "Du wirst noch viereckige Augen kriegen!" - haben ihren Reiz längst verloren. Schließlich hat man die fünf, sechs im Feiertagsprogramm für halbwegs erträglich befundenen Filme ohnehin schon mindestens dreimal gesehen.

Jede weitere Zuwendung an Filme wie Lost in Translation (ARD), Being John Malkovich (26, Puls 4) Ice Age 2 (ORF1) oder die Die-Hard-Trilogie (vergessen wo) entspringt also eher dem Ehrgeiz, längst verinnerlichte Dialoge neuerdings abzuprüfen, als die Filme tatsächlich sehen zu wollen. Oder einfach purer Verzweiflung.

Wobei: Bruce Willis als Full-Contact-Kieberer im Unterleiberl - das geht einfach nicht mehr! Stirb endlich! Auch das Spiel, mal schauen, ob der wirklich so schlecht ist, wie ich ihn in Erinnerung habe (etwa: Flucht aus L.A., Puls 4) befriedigt wenig, weil man hat immer recht.
Man merkt schon: So wie es Geschenke für Feinde gibt, also Kram, mit dem man nicht einmal seinen Mistkübel bekleckert haben möchte, gibt es zu Weihnachten das Programm für Feinde. Und zwar auf allen Sendern, querdurch, ohne Ausnahme. Nur alten Scheiß - oder neuen. Trällernde Schabracken auf 3sat, Sissi-Kitsch hier, Bibel- und Historienschinken dort.

Zum Glück muss man sich das für diese Zeilen nicht wirklich anschauen, da genügt der Blick ins Programmheft. Aber die Intensität des Überflüssigen, des Schwachsinnigen und der Intelligenzbeleidigungen, die das Weihnachtsprogramm jährlich wiederkehrend ausmacht, ist immer wieder so erstaunlich wie abschreckend. (Karl Fluch, DER STANDARD; Printausgabe, 28.12.2009)

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