Entwicklungsgelder an arme Länder werden meist vergeudet oder gestohlen – das droht auch beim Klimaschutz
Der
einzige vorzeigbare Erfolg des Klimagipfels in Kopenhagen war die Zusage von
hunderten Milliarden an Unterstützung für die armen Länder durch die
Industriestaaten. Doch dieser Erfolg ist nicht nur fragwürdig, sondern auch
gefährlich. Denn sollten diese Gelder je fließen, dann werden sie genauso von
Korruption und Misswirtschaft betroffen sein wie alle Formen der
Entwicklungshilfe.
In
Theorie ist die Idee von massiven Geldflüssen von Nord nach Süd für den
Klimaschuzz eine gute. Der Erdatmosphäre ist es egal, ob in Europa oder Afrika
CO2 eingespart wird. Aber in unterentwickelten Ländern geht es viel billiger,
denn dort ist die Energieeffizienz von Fabriken
und Fahrzeugen niedriger.
Außerdem könnte mit vergleichsweise geringen Mitteln die Abholzung der Wälder
durch Ausgleichszahlungen an die Bevölkerung gestoppt werden Eine eingesetzte
Million Euro kann in Kenia oder Indonesien viel mehr zur Treibhausgasreduktion
beitragen als in Österreich.
Theoretisch.
Denn in der Praxis erreichen von außen kommende Gelder in solchen Staaten ihr
Ziel kaum. Sonst wären Länder, die jahrzehntelang riesige Summen an
Entwicklungshilfe erhalten haben, nicht immer noch bettelarm. Wenn es gut geht,
kommt die Hälfte der Mittel tatsächlich an. Der Rest wird verschwendet oder verschwindet
in dunklen Kanälen. In der Praxis geht oft 80 Prozent verloren, manchmal sogar
alles.
Verschwendete
Hilfsgelder sind nicht nur vergeudet, sie schaden auch der Wirtschaft dieser
Länder. Sie geben Anreiz für Korruption und drücken den Leistungswillen der
Bevölkerung. Sie lassen den Wechselkurs steigen, was die Exportchancen
verringert. Und wenn die Eliten um die Beute ringen, werden sie zum Anlass für
Machtkämpfe und Militärputsche.
Entwicklungsgelder
können genauso schädlich sein wie Erdöleinnahmen, die zum berüchtigten „Ölfluch
führen“, der rohstoffreiche Länder wie Nigeria oder Angola in bitterer Armut
hält, sagt etwa der Entwicklungsökonom Paul Collier.
Wenn
in den kommenden Jahren hunderte Milliarden aus den USA, Europa und Japan an
Geldern für Klimamaßnahmen in den Süden fließen, dann wird auch das den
gleichen Effekt haben.
Und
wenn dann Berichte über vergeudete oder gestohlene Milliarden zurück in den
Norden kehren, dann wird die Empörung darüber dem Klimaschutzgedanken noch viel mehr schaden als die jüngst
entdeckten Emails, in denen Klimaforscher davor warnen, die letzten, weniger
bedrohlichen Temperaturentwicklungen öffentlich zu machen, weil dies den Willen
zum Handeln untergraben würde.
Aber
es gibt Hoffnung. Der Großteil aller Hilfszusagen wird nie ausgezahlt, sondern
bleibt Zahlen auf dem Papier. Solches Geld kann auch nicht verschwinden. Aber
dem Klimaschutz nützt es nichts – und kann
Verbitterung in den Empfängerstaaten über die Verlogenheit des reichen
Nordens schüren.