Laut Opposition

Neffe Moussavis in Teheran getötet

27. Dezember 2009, 16:29

Massive Protestwelle gegen Ahmadinedschad - Staatliches Fernsehen bestätigt Tote

Teheran - Bei Massenprotesten der Regierungsgegner im Iran sind nach Angaben der Opposition am Sonntag mehrere Demonstranten getötet worden, unter ihnen ein Neffe von Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi. Das meldeten die Internet-Seiten Parlemannews und Rahesabs. Zehntausende Demonstranten beteiligten sich am Wochenende trotz eines Großeinsatzes der Sicherheitskräfte an einer der größten Protestaktionen seit dem Sommer.

Von Kugel nahe am Herzen getroffen

Seyed Ali Moussavi sei gegen Mittag von einer Kugel nahe am Herzen getroffen worden und nach seiner Einlieferung in das Ebnesina-Krankenhaus gestorben, berichtete Parlemannews. Demnach eilten seine Eltern sowie sein Onkel Mir-Hossein Moussavi in das Krankenhaus. Laut Parlemannews erlitt der 20-Jährige die tödliche Verletzung bei Protesten nahe des zentralen Enghelab-Platzes.

Mir-Hossein Moussavi hatte bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni gegen Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad verloren. Während der wochenlangen Proteste gegen dessen Wiederwahl hatte Moussavi das Wahlergebnis immer wieder in Frage gestellt und der Führung in Teheran Wahlbetrug vorgeworfen. Bei den damaligen Protesten wurden nach offiziellen Angaben 36 Menschen getötet, nach Angaben der Opposition sogar 72.

Staatliches TV bestätigt Tote

Bei den blutigen Protesten im Iran sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Das wurde am Abend erstmals im staatlichen Fernsehen bestätigt. Die Opposition hatte zuvor von vier Toten in Teheran gesprochen, darunter sei auch ein Neffe von Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi. Auch in Tabriz im Nordwesten des Iran seien vier Demonstranten getötet worden, berichtete das Internetportal Yaras.

Zehntausende in Teheran auf der Straße

Zehntausende Gegner Ahmadinejads gingen am Sonntag erneut in Teheran auf die Straßen. Dabei wurden nach ersten Angaben der oppositionellen Internet-Seite Rahesabs vier Demonstranten erschossen: Drei der vier Getöteten seien von "direkten Schüssen" der Sicherheitskräfte getroffen worden, hieß es bei Rahesabs unter Berufung auf einen eigenen Reporter, der dies mitangesehen habe. Auch seien mehrere Polizisten verletzt worden. Die Opposition berichtete am Abend zudem von blutigen Zusammenstößen in der nordiranischen Stadt Tabriz, bei denen vier Demonstranten ums Leben gekommen seien.

Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein

Die Lage in Teheran war stundenlang völlig unübersichtlich. Die Sicherheitskräfte, die von den regierungstreuen Basij-Milizen unterstützt wurden, setzten nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein, vonseiten der Demonstranten wurden Steine geworfen und Barrikaden errichtet. Mehrere Polizeifahrzeuge wurden den Berichten zufolge in Brand gesetzt. Oppositionsangaben zufolge widersetzten sich einige Polizisten der Anweisung, ihre Schusswaffen gegen die Demonstranten zu richten.

Keine gesicherten Informationen über Zahl der Opfer

Über die Zahl der Opfer sowie der Festnahmen lagen am Sonntagnachmittag keine gesicherten Informationen vor. Die Polizei bestritt die Angaben über die getöteten Demonstranten. "Bisher habe wir keine Informationen über Menschen, die von der Polizei getötet wurden", sagte der Polizeichef von Teheran, Asisollah Rajabsadeh, den Agenturen Isna und Fars. "Die Polizei hat das Feuer nicht eröffnet, und die anwesenden Beamten haben auch gar keine Waffen getragen", betonte Rajabsadeh.

Außer in Teheran und Tabriz gab es auch in den Städten Isfahan, Najafabad, Shiraz, Ghom und Babol gewalttätige Auseinandersetzungen, berichtete Rahesabs. Unter Bezug auf das islamische Ashura-Fest skandierten die Demonstranten in Teheran: "Es ist der Monat des Bluts, die Bassidsch werden fallen!" Die Opposition machte sich das Ashura-Fest zunutze - da aus diesem Anlass ohnehin zahlreiche Menschen in den Straßen sind, werden Polizeieinsätze gegen Demonstranten erschwert.

An verschiedenen Stellen der Hauptstadt versammelten sich immer wieder in kürzester Zeit große Menschenmengen. In geringerem Umfang hatte es auch am Samstag schon Kundgebungen der Opposition gegeben. Das Ashura-Fest erinnert an Leiden und Tod des Begründers der schiitischen Glaubensrichtung, Imam Hussein. (APA)

Kommentar posten
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ajande
01
28.12.2009, 08:27
Wer Solidarität mit dem iranischen Volk zeigen will:

Heute Montag, 28.Dez., ab 16:30 Stephansplatz -weiter bis zur Oper: Infos und Gedenken der Opfer und KämpferInnen.

MiNeum71
 
10
27.12.2009, 22:39


Daß die Polizei nichts mit den Schießereien zu tun hat, glaube ich gern. Schon bei den Juni/Juli-Demonstrationen haben sie zugeschaut, was die Basijis treiben.

byron sully
03
27.12.2009, 18:11
neuigkeiten:

saderat bank (quasi DIE bank des regimes) steht in flammen, ein demonstrationszug ist zum fernseh-/radiogebäude unterwegs...

byron sully
01
27.12.2009, 20:13

da ich um links gebeten wurde:
http://search.twitter.com/search?q=... anelection
(zwar ziemlich unübersichtlich und viele informationen werden dauernd wiederholt, aber dennoch die vermutlich informationsreichste seite)

slartibartfaß der Umwandler
10
27.12.2009, 19:22

kannst mir ein paar links oder so geben, wo ich das verfolgen kann ? würde gerne sehen, wie die faschisten überrannt werden !

ministry
01
27.12.2009, 18:05

so hat es seinerzwit 1979 in teheran auch begonnen....es wurde ein volksaufstand...aber danach war leider ein zerstrittener haufen und die religiösen Fanatiker gewannen......ähnlichkeit besteht....history repeats itself?....mal sehen. es wird darauf ankommen wie diverse machtgruppen ihre besten Chancen sehen...

MiNeum71
 
02
27.12.2009, 17:32


Nun jagt man schon die Häuser der Basijis in die Luft:
http://www.youtube.com/watch?v=B... r_embedded

Leider werden manche der Postings zensiert ...

EL SALVADOR
192
27.12.2009, 17:04
LANGSAM ABER SICHER

infiltriert der CIA & FRIENDS immer mehr dieses Verbrecherregime!

Chris Quast
31
27.12.2009, 19:01

ist das nun gut oder schlecht ?

einerseits scheinst du es ja als verbrecherregime zu bezeichnen (soetwas hat ja vielleicht gar keine legitmation), andererseits ist ja inflitration, noch dazu von CIA urböse !!

ministry
11
27.12.2009, 17:39

jaja...die allgemeinen verschwörungstheorien......aber 1979 war ja auch die CIA hinter dem Umsturz gegen den Schah!....die besten 3 Theorien dafür werden prämiert!

walterbasler
11
27.12.2009, 17:18
????????????????

was willst du uns diesmal suggerieren ?

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
81
27.12.2009, 16:54

Die USA und die Europäer scheren sich einen Dreck um Menschenrechte, wenn sich mit totalitären Regimen gute Geschäfte machen lässt.

Es gibt genug Beispiele, wo eine menschenverachtene, korrupte Verbrecherjunta vom Westen gehalten wurde, weil sie ihm den Einfluss sicherte.

Und, so ganz verstehe ich nicht, warum man die Beseitigung der derzeitigen Machthaber betreiben soll, nur um sie durch ein paar andere religiöse Fanatiker zu ersetzen.

Von der Demokratie ist der Iran leider noch Lichtjahre entfernt.

Roland Rabe
44
27.12.2009, 21:12

warum die USA und einige europ. Länder wie GB den Sturz Ahmadinejads unterstützen ? Ganz einfach: Weil Ahmadinejad eine deklarierte Bedrohung der Sicherheit Israels darstellt. Zum einen ist die Israel-Lobby in den USA die mächtigste überhaupt und zum anderen kann es sich der Westen nicht leisten, bei einem fehlgeschlagenen Präventivschlag der Israelis gegen die iranischen Atomanlagen wieder eingreifen zu müssen.....

DerMitÜ
02
27.12.2009, 20:16

"Von der Demokratie ist der Iran leider noch Lichtjahre entfernt"

Wenn man keine Ahnung von einem Thema hat, dann am besten mal die F.. halten oder sich informieren.

Chris Chiu
02
27.12.2009, 19:16
Bitte nicht verallgemeinern

Das mag auf die westlichen Regierungen zutreffen, aber sicher nicht auf jeden einzelnen Europäer.

Leider sind die Regierungen die, die die Politik machen.

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
20
27.12.2009, 16:36
Es ist unglaublich deprimierend!

Überall, wo auf der Welt Unrecht geschieht, finden sich sofort Kommentatoren, die reflexartig und treffsicher den Vergleich mit dem Holocaust, mit Hitler und/oder mit der SS anstellen.

Auch in den Standard-Foren ist dies der Fall! Idiotisch und verharmlosend!

Warum, braucht wohl nicht erklärt zu werden...

lehrerlämpel
35
27.12.2009, 16:33
österreich möge die diplomatischen beziehungen mit dem iran einstellen und alle regimetreuen diplomaten des landes verweisen bis das folter- und mordregime gestürzt ist!

schreibt entsprechende emails an faymann und co!

MiNeum71
 
00
27.12.2009, 22:50


Ok, Mr./Ms. Gescheit, welche Sanktion in der Geschichte der Menschheit war jemals von Erfolg gekrönt?

Einige Beispiel der jüngeren Gegewart: Burma, Nordkorea, Iran, Yugoslawien, Irak, Kuba, ...

Zwei Und Vierzig
132
27.12.2009, 16:42
Schwachsinn

Diplomaten man nur ihren Job - unabhängig davon welche Regierung im Iran an der Macht ist.

Das hat absolut nix mit "Regimetreue" zu tun.

Und des weiteren hat sich keine Ausländische Regierung in die inneren Angelegenheiten des Iran einzumischen - auch die Regierung Faymann nicht.

Pro Freistaat Kärnten!
 
00
28.12.2009, 12:03
Na, dann hat sich auch niemand einzumischen

wenn sich ein Staat entscheidet, Diplomaten auszuweisen.


Zwei Und Vierzig
00
28.12.2009, 12:14

Ausweisen? - Und begründen tut man das mit - "Uns haben die Bärte der Basijis nicht gefallen" - oder was?

Pro Freistaat Kärnten!
 
00
28.12.2009, 13:21
Das wär mal

ein Anfang:-)

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
28.12.2009, 07:59
"machen nur ihren Job"

Das ist eine heikle Formulierung. Die Schergen der totalitären Regime haben auch immer "ihren Job gemacht"...

Chris Chiu
12
27.12.2009, 19:19
Es kann sich leider

kaum eine Regierung in die angeblichen "inneren Angelegenheiten" eines anderen Staates einmischen.

Dennoch, die Augen zuzumachen bei großen Unrecht, fühlt sich genauso wenig richtig an.

Vielleicht ein weiteres Dilemma das durch das künstliche Konstrukt "Nation" erzeugt wurde.

Ich würde mir wünschen autoritär und unmenschlich denkende Menschen würden sich weniger einmischen in die Angelegenheiten von modern denkenden freien Menschen.

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