Kroaten wählen neuen Präsidenten

27. Dezember 2009, 15:15
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Niedrige Beteiligung: Bis 11.00 Uhr gaben 10,74 Prozent Stimme ab - Kandidat der oppositionellen SDP, Josipovic, laut Umfragen sicher in Stichwahl

Zagreb - Trotz des spannenden Rennens um das zweite Ticket für die Stichwahl sind die kroatischen Präsidentenwahlen am heutigen Sonntag eher schleppend angelaufen. Bis 11.00 Uhr gaben nach Angaben der staatlichen Wahlkommission 10,74 Prozent der Bürger ihre Stimme ab, das ist die niedrigste Beteiligung aller fünf Präsidentenwahlen seit 1990. Vor vier Jahren lag die Beteiligung um 11.00 Uhr bei 14,72 Prozent, im Jahr 2000 - der ersten Wahl nach dem Tod des "Staatsgründers" Franjo Tudjman - sogar bei 22,5 Prozent.

Umfragen zufolge ist dem Kandidaten der oppositionellen Sozialdemokraten (SDP), Ivo Josipovic, der Sieg im ersten Wahlgang nicht zu nehmen. Er liegt um mehr als zehn Prozentpunkte vor dem Verfolgerfeld. Um Platz zwei gibt es nämlich ein Gerangel zwischen fünf Bewerbern, die alle knapp über oder unter der Zehn-Prozent-Marke liegen.

Die besten Karten schien zuletzt der populäre Zagreber Bürgermeister Milan Bandic zu haben, der wegen seines Antretens aus der SDP ausgeschlossen worden war. Auch der offizielle Kandidat der regierenden Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ), Andrija Hebrang, hat Konkurrenz aus dem eigenen Lager. Neben Ex-Wissenschaftsminister Dragan Primorac wirbt auch der Chef der Kroatischen Wirtschaftskammer, Nadan Vidosevic, um HDZ-Wähler. Außenseiterchancen auf einen Einzug in die Stichwahl am 10. Jänner werden schließlich noch der Chefin der Kroatischen Volkspartei (HNS), Vesna Pusic, gegeben. Die sechs weiteren Kandidaten, darunter der Tudjman-Sohn Miroslav, gelten als aussichtslos.

Josipovic sagte bei seiner Stimmabgabe, es sei ihm "egal", gegen wen er in der Stichwahl antreten müsse. "Der Kampf um den zweiten Platz wird hart", sagte er mit Blick auf die Umfragen. Der SDP-Kandidat war von seinen rechtsgerichteten Kontrahenten im Wahlkampf geschont worden, versuchten sie doch eher gegeneinander zu punkten.

Mesic wollte bei der Stimmabgabe nicht preisgeben, wen er sich als Nachfolger wünscht. "Die Bürger sollen entscheiden", sagte er. Indem er die Qualitäten von Josipovic ("Gesetzestreue"), Pusic ("Glaubwürdigkeit) und Vidosevic ("Wirtschaftskompetenz") lobte, ließ er erkennen, dass er mit einem Präsidenten Hebrang oder Bandic wenig Freude hätte. "Nach dem ersten Wahlgang werde ich sagen, wen ich unterstütze", so Mesic.

Eine große Unbekannte beim Urnengang sind die Stimmen der Auslandskroaten, die in den Umfragen nicht berücksichtigt wurden. Im Jahr 2005 steuerten die Kroaten in der Herzegowina 3,5 Prozentpunkte zum Gesamtergebnis bei. Experten gehen davon aus, dass sich der aus der Herzegowina stammende Bandic den Löwenanteil der herzegowinischen Stimmen wird sichern können. Bei vergangenen Wahlen galt die Herzegowina immer als verlässlicher Stimmengenerator für die HDZ.

Keine Berichte über Unregelmäßigkeiten

Berichte über größere Zwischenfälle oder Unregelmäßigkeiten gab es nicht, meldete die Wahlbeobachtungsgruppe "Nichtsregierungsorganisation zur Beobachtung von Wahlen" ("Gradjani organizirano nadgledaju glasanje"; GONG). GONG beobachtet außer in Kroatien noch in Schweiz, Bosnien-Herzegowina und USA die Wahlen. In Österreich können kroatische Bürger neben Wien (zwei Wahllokale) auch in Graz, Linz, Innsbruck, Salzburg, Klagenfurt und Feldkirch abstimmen.

Die Wahllokale, die in Kroatien seit 7.00 Uhr geöffnet haben, schließen um 19.00 Uhr. Das erste Wahllokal in Neuseeland ist schon geschlossen. Die Wahlen werden am 28. Dezember um 4.00 Uhr kroatischer Zeit beendet - dann schließt das Wahllokal in Los Angeles. Insgesamt sind 4,495.006 Personen wahlberechtigt - mehr Menschen als Kroatien Einwohner hat -, davon 406.208 im Ausland. Die staatliche Wahlkommission wird erste inoffizielle Teilergebnisse um Mitternacht veröffentlichen. Schon unmittelbar nach Wahlschluss um 19.00 Uhr wollen zwei Fernsehsender die Ergebnisse von Wählerbefragungen veröffentlichen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wahplakate zeugen vom Urnengang.

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