Minister Neumann spricht von Wettbewerbsverzerrung und Gefährdung privater Geschäftsmodelle
Die deutsche Bundesregierung hat sich gegen die
Pläne der ARD gestellt, ein gebührensfinanziertes Gratisprogramm der
"Tagesschau" für das iPhone und andere Smartphones zu produzieren.
Staatsminister Bernd Neumann erklärte am Christtag, der
öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte mit Gratisangeboten nicht
unnötig neue Geschäftsmodelle der privaten Anbieter gefährden. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss gerade in einer Zeit, in
der die privaten Anbieter zum Teil ums Überleben kämpfen, nicht alles
machen, was wünschenswert wäre", betonte Neumann. Das gelte
unabhängig von der Frage, ob die Staatsverträge ein solches Angebot
zulassen oder nicht.
Marktverzerrung vorgeworfen
Neumann warf der ARD vor, einen neuen Markt mit Gebührengeldern
auf problematische Art und Weise zu verzerren und neue private
Geschäftsmodelle von Anfang an zu gefährden. "Private Medienanbieter
brauchen einen gewissen Spielraum für Marktentwicklungen. Haben sie
diesen nicht, wird das Nebeneinander von privaten und
öffentlich-rechtlichen Medienanbietern für die Zukunft infrage
gestellt", erklärte der Staatsminister.
Kritik von Verlegern
Auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hatte die
ARD-Pläne bereits scharf kritisiert und sich in einem Brief an die
Ministerpräsidenten der Länder und an Neumann gewandt. Kaum hätten
Verlage erste Bezahlmodelle entwickelt, um in einer für sie
außerordentlich schwierigen Lage die journalistische Qualität weiter
finanzieren zu können, dränge das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit
einem Gratisangebot auf dasselbe Feld, hieß es in dem Brief.
Keine exklusiven Inhalte
NDR-Sprecher Martin Gartzke hatte dazu erklärt, dass es bei dem
neuen Angebot nicht um exklusive Inhalte gehe. "Vielmehr sollen
bereits seit Jahren mobil verfügbare Inhalte, die schon seit langem
über tagesschau.de/mobil oder wap.tagesschau.de abgerufen werden
können, für eine Verbreitung über Smartphones wie das iPhone
dargestellt und optimiert werden", erklärte er. (APA)