Hardliner sprengen Khatami-Ansprache

27. Dezember 2009, 09:42
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Neue Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei - Anrainer solidarisieren sich mit den Protestierenden

Teheran - Im Iran haben rund 50 regierungstreue Aktivisten am Samstag eine Rede des reformorientierten früheren Präsidenten Mohammed Khatami gesprengt. Wie die der Reformbewegung nahestehenden Website Salaam News berichtete, wurden einige der Zuhörer geschlagen. Mehrere Menschen seien verletzt worden.

Die Angreifer hätten Parolen gerufen, in denen sie dem obersten geistlichen Führer, Ayatollah Ali Khamenei, ihre Unterstützung bekundet hätten. Khatami sprach in der früheren Residenz des verstorbenen Gründers der islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Khomeini, im Norden Teherans.

Schon am Samstag Zusammenstöße

Im Iran ist es schon am Samstagabend erneut zu Zusammenstößen zwischen regierungskritischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Sicherheitskräfte hätten zu Fuß und auf Motorrädern versucht, die Demonstranten mit Tränengas auseinanderzudrängen. Anti-Aufruhr-Einheiten und die regierungstreuen Basij-Milizen beschossen die Demonstranten demnach mit Farbpatronen, um anschließend ihre Verfolgung aufzunehmen. Es habe mehrere Festnahmen gegeben. Oppositionsnahen Internetseiten zufolge setzte die Polizei auch Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben.

"Gott ist groß"

Die Oppositionellen hatten sich an zunächst mehreren Stellen in der Hauptstadt Teheran versammelt, darunter auch an der Universität, hieß es auf den regimekritischen Websites. Zu größeren Protesten kam es nach Augenzeugenberichten am Samstagnachmittag auch in der belebten Niavaran-Avenue im Norden Teherans. Dort gingen Hunderte Anhänger der grünen Bewegung von Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi auf die Straße. Sie riefen Parolen gegen Präsident Ahmadinejad, nachdem die Rede Khatamis abgesagt worden war. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe die Demonstranten bis in Seitenstraßen verfolgt.

Viele Anrainer hätten daraufhin als Zeichen der Solidarität aus ihren Fenstern "Gott ist groß" gerufen, und Autofahrer hätten gehupt. Andere Autofahrer hätten angehalten und die von der Polizei fliehenden Demonstranten mitgenommen. In der Niavaran-Avenue inmitten eines belebten Wohnviertels wurden daraufhin nach Angaben der Augenzeugen Sondereinsatzkräfte der Polizei stationiert.

Die Proteste im Iran richten sich gegen die umstrittene Wiederwahl Ahmadinejads im Juni. Die Opposition wirft dem erzkonservativen Präsidenten Wahlbetrug vor. Montazeri hatte Ahmadineschad mehrfach beschuldigt, diktatorisch zu regieren

(APA/AFP/Reuters)

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