Vatikan prüft Sicherheitsvorkehrungen

25. Dezember 2009, 23:36
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25-Jährige riss Papst zu Boden - Benedikt XVI. soll nun bei seinen öffentlichen Auftritten besser geschützt werden

Rom - Nach dem Angriff einer Frau auf Papst Benedikt XVI. vor der Christmette überprüft der Vatikan seine Sicherheitsvorkehrungen. Inmitten von Zehntausenden Gläubigen bei Messen und Audienzen könne die Sicherheit des 82-Jährigen selbstverständlich nicht hundertprozentig garantiert werden, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Freitag. Man wolle aber aus den bisherigen Erfahrungen lernen, sagte Lombardi.

Allerdings sei es unmöglich, derartige Zwischenfälle komplett auszuschließen, da der Kontakt mit den Menschen Teil des Auftrags des Papstes sei. "Der Papst will eine direkte, seelsorgerische Verbindung zu den Leuten haben." Dazu gehöre es auch, Kinder zu berühren und Hände zu schütteln. Daher werde es immer ein gewisses Risiko geben.

Benedikt war am Donnerstagabend im Petersdom von einer offenbar geistig verwirrten Frau angegriffen und zu Boden gerissen worden.

Quelle: Youtube

Sie hatte bereits bei der Christmette vor einem Jahr die Absperrung übersprungen. Sie wurde damals von Sicherheitsleuten gestoppt, bevor sie in die Nähe des Papstes gelangen konnte, wie dieses Video zeigt.

Quelle: Youtube

Bei dem Zwischenfall am Donnerstag blieb Benedikt unverletzt. Kardinal Roger Etchegaray stürzte ebenfalls zu Boden. Er brach sich die Hüfte und muss operiert werden. Bislang hat es während des Pontifikats Benedikts, das 2005 begann, nur wenige Sicherheitsverstöße gegeben. 2007 war ein Deutscher über eine Absperrung auf dem Petersplatz gesprungen und hatte versucht, auf das vorbeifahrende Papstmobil aufzuspringen.

Der bislang schwerste Angriff auf einen Papst im Vatikan ereignete sich 1981. Johannes Paul II. wurde damals auf dem Petersplatz von einem Türken angeschossen und dabei lebensgefährlich verletzt. Besucher des Petersdoms müssen Metalldetektoren passieren und werden stichprobenartig überprüft. Innerhalb des Doms sind die Sicherheitsvorkehrungen jedoch relativ locker.

"Olympiasiegerin im Hürdenlauf"

 Nach dem Angriff auf den Papst hat sich im Online-Netzwerk Facebook rasch eine Fan-Gemeinde der 25-jährige gebildet. Bereits am ersten Tag trugen sich mehr als 150 Internet-Nutzer in den Fanclub ein. Darin wurde die  beispielsweise ironisch der Titel einer "Olympiasiegerin im Hürdenlauf" verliehen, weil sie die Absperrungen überwunden hatte, um sich dem Kirchenoberhaupt zu nähern.

Die Fan-Gemeinde stellte auch Parallelen zu der Gewaltattacke auf den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi her, der am 13. Dezember in Mailand mit einer kleinen Nachbildung der dortigen Kathedrale im Gesicht verletzt worden war. Nach diesem Angriff war ebenfalls auf Facebook zu lesen, der Täter sei ein "moderner Held".

Unter italienischen Politikern setzte nunmehr eine Debatte ein, ob derartige Beiträge im Internet unterbunden werden sollten. Der Minister für das Regierungsprogramm, Gianfranco Rotondi, sprach von "Dummheiten", die verurteilt und "gestoppt" werden müssten. Ein Senator aus Berlusconis Partei vertrat die Ansicht, ein Online-Netzwerk dürfe nicht dazu dienen, "Gewalt zu verherrlichen".(APA/APD)

  • Angelobung eines Schweizergardisten: sind die Sicherheitsvorkehrungen im Vatikan noch zeitgemäß?
    foto: epa/ferrari

    Angelobung eines Schweizergardisten: sind die Sicherheitsvorkehrungen im Vatikan noch zeitgemäß?

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    Benedikt bei seiner wöchentlichen Audienz auf dem Petersplatz

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