Patriarch Twal: "Wir sind der Reden und Versprechen müde"

25. Dezember 2009, 09:37
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Ende des Nahost-Konflikts gefordert

Bethlehem - Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, hat in der Christmette zur Beendigung des Nahost-Konflikts aufgerufen. Twal sagte in der Heiligen Nacht in der Geburtskirche in Bethlehem im Westjordanland: "Wir sind dieser Situation so müde, wir sind müde, zu warten und wir sind der Reden und Versprechen müde, der Vorträge, der Wartezeiten und Verhandlungen". Twal rief auch zu einem Ende der israelischen Blockade des Gazastreifens auf. An der Messe nahmen auch der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas und der palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad teil.

"Friede und Gewaltlosigkeit sollten Hass, Krieg und Gewalt ersetzen". Twal bat die Gläubigen in der ganzen Welt, für das Heilige Land zu beten. Es sei ein Land, "das leidet und hofft. Seine Einwohner leben als verfeindete Brüder." Dieses Land werde es "wahrhaftig nur dann verdienen, heilig genannt zu werden, wenn in ihm Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe, Versöhnung, Frieden und Sicherheit wohnen", hieß es in der deutschen Übersetzung seiner Predigt.

Twal: Frieden muss auch "Gerechtigkeit und menschlicher Würde" gegründet sein

Twal sagte weiter: "Wir wollen in dieser Weihnacht gemeinsam mit allen Menschen guten Willens für den Frieden beten. Der Friede, den wir erbitten, unterscheidet sich vom Frieden, den die Welt uns verspricht und gibt. Der Friede, den die Welt uns gibt, ist auf Kraft und Gewalt gegründet. Wir suchen den Frieden, der auf Gerechtigkeit und menschlicher Würde gegründet ist."

Tausende von Gläubigen nahmen am Donnerstag an den Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem teil. Am Nachmittag zog die traditionelle Weihnachtsprozession aus Jerusalem in der Stadt ein, die Christen als Geburtsstadt Jesu heilig ist. Die Kirchenrepräsentanten unter Leitung Twals wurden nach ihrer Ankunft von Pfadfinder-Fanfarenzügen bis zum Krippenplatz vor der Geburtskirche begleitet. Dort wurden sie von tausenden Gläubigen und Besuchern feierlich in Empfang genommen.

Anschlag auf jüdischen Siedler

Nach Angaben des Bürgermeisters Victor Batarseh feiern etwa 15.000 Besucher Weihnachten in der Stadt im südlichen Westjordanland, die Hotels sind fast vollständig ausgebucht. Auch im vergangenen Jahr war die Situation ähnlich, während die Tourismusbranche in den Jahren zuvor unter der Gewalt in der Region litt und Einbußen hinnehmen musste. Die Stadt ist teilweise durch eine Mauer von Israel getrennt, die Reise dorthin ist mitunter mühsam.

Israel erlaubte am Donnerstag 420 Christen die Ausreise aus dem Gazastreifen, damit diese an den Feierlichkeiten in Bethlehem teilnehmen konnten. Im Gazastreifen mit seiner Bevölkerung von knapp 1,5 Millionen Menschen leben etwa 3000 Christen. Israel hat aus Sicherheitsgründen nur Christen im Alter von unter 18 und über 35 Jahren Ausreisegenehmigungen aus Gaza erteilt. Die Weihnachts-Feierlichkeiten wurden von einem tödlichen Anschlag auf einen jüdischen Siedler überschattet. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan wurde der Vater von sieben Kindern erschossen, als er in seinem Wagen in der Nähe der Stadt Nablus im Westjordanland unterwegs war. Eine militante Palästinenserorganisation, die den Al-Aksa-Brigaden nahestehen soll, habe sich zu dem Anschlag bekannt. (APA)

 

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