Familie von Gerry Adams von Missbrauchsskandal erschüttert

24. Dezember 2009, 10:49
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Bruder vergewaltigte Tochter - Auch verstorbener Vater des Sinn-Fein-Chefs hatte dunkle Seiten

Dublin/Wien - Die Familie des nordirischen Sinn-Fein-Chefs Gerry Adams wird von einem Skandal erschüttert. Sein Bruder missbrauchte jahrelang die eigene Tochter. Adams half aus politischen Motiven, das Verbrechen zu vertuschen. Nun stellte sich der Täter der Polizei. Zudem enthüllte Adams im irischen Rundfunk RTE, dass sein vor vier Jahren verstorbener Vater, Gerry senior, mehrere seiner Kinder körperlich, emotional und sexuell missbraucht hatte, berichtete "Spiegel Online" am Donnerstag.

Der Bruder des ehemaligen IRA-Kommandanten Gerry Adams, Liam, hatte sich Anfang dieser Woche der irischen Polizei in Sligo im Nordwesten der Insel gestellt. Liam Adams war am vergangenen Freitag in einer nordirischen Fernsehsendung von seiner Tochter Aíne direkt beschuldigt worden, er habe sie in den Jahren 1977 bis 1985 sexuell missbraucht. Die Übergriffe begannen, als das Mädchen vier Jahre alt war. Liam blieb indessen flüchtig, bis er sich am Mittwoch ergab.

Gerry Adams hat acht überlebende Geschwister. Der Vater war, wie das für Veteranen der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) üblich ist, mit "militärischen Ehren" begraben worden, sein Sarg war mit der irischen Trikolore bedeckt. Gerry Adams junior gestand nun, er sei damals gegen diese Zeremonie gewesen, sein Vater habe seiner Ansicht nach die irische Flagge "beschmutzt".

Bei der Familie Adams gibt es keinerlei Hinweise, dass Gerry senior oder Liam sich an Kindern außerhalb ihrer engsten Familie vergingen. Doch der Politiker Adams wusste seit 1987 vom Missbrauch seiner Nichte. Diese reichte in jenem Jahr - zusammen mit ihrer Mutter, weil sie noch immer minderjährig war - Klage bei der Polizei gegen ihren Vater ein. Doch dann beugte sie sich "äußerem Druck" und verzichtete auf eine polizeiliche Untersuchung. Hintergrund war, dass die IRA und Sinn Fein die damalige nordirische Polizei, die Royal Ulster Constabulary, aus politischen Gründen nicht akzeptierten. Das Kind wurde beeinflusst, damit die schmutzige Wäsche der Familie Adams nicht vor verhassten Polizisten gewaschen werde.

Der doppelte Missbrauch in der Familie Adams wird in erster Linie als private Tragödie wahrgenommen. Das Thema Kindesmissbrauch war in den letzten Wochen in der Republik Irland nicht mehr aus den Schlagzeilen verschwunden, seit eine Untersuchungskommission Ende November einen schockierenden Bericht veröffentlicht hatte. Dabei wurde nachgewiesen, dass Dutzende von pädophilen Priestern in der Erzdiözese Dublin im Zeitraum 1975 bis 2004 von den Bischöfen systematisch vor der Justiz geschützt wurden. (APA)

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