Bitte keine Fotos schicken

24. Dezember 2009, 09:37
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Weihnachtsgrüße per Email sind willkommen, der Bilder-Spam jedoch gehört ins letzte Jahrhundert verbannt

Bitte keine Fotos von den Kindern unterm Weihnachtsbaum oder von weißen Sandstränden, luxuriösen Gästenvillen und bunten Korallenwelten auf den Malediven in der E-Mail.

Nicht, weil ich die Bilder nicht sehen will, die sich da nach den heiligen Zeiten besonders zahlreich sammeln. Sondern weil Fotos in der Mail verschicken hoffnungslos letztes Jahrhundert ist. Erstens gehen sie in überfüllten Postfächern leicht unter, zweitens sind sie als meist gedankenlos megabytegroß verschickte Dateien am Handy eine Qual (ja, wir lesen unsere Mail immer häufiger am Handy). Und drittens nervt es, jede einzelne Datei anzuklicken.

Im Netz

Die längst zeitgemäße Art Fotos zu zeigen ist es, eine Auswahl auf Facebook (MySpace, Netlog etc.) zu posten oder ein Online-Album auf Flickr oder Google Picasa anzulegen. Bedenken, dass dann "die ganze Welt" die privaten Bilder sehen kann, kann man durch Vorsicht begegnen: Auf Facebook sollten Sie Ihre Privatsphäre-Einstellungen so wählen, dass wirklich nur Ihre Freunde Bilder sehen können; wenn Ihr Netzwerk auch Kollegen, Verwandte oder Bekannte enthält, mit denen Sie nicht teilen wollen, dann können Sie Listen anlegen, um das zu verhindern.

Auf Flickr, Picasa oder anderen Fotosites können Bilder so eingestellt werden, dass sie nur auf Einladung zugänglich sind. Hundertprozentiger Schutz ist das keiner, die Links oder Bilder können an Dritte weitergeschickt werden. Es kommt eben immer drauf an, welche Freunde man hat, on- wie offline. Und was eines Tages als peinlich oder gar beschädigend empfunden werden könnte, gehört ohnehin von Anfang an nicht ins Netz. Persönlich versehe ich private Fotos nie mit Namen - damit entgehen sie Suchmaschinen, zumindest bis Gesichtserkennung halbwegs brauchbare Ergebnisse bringen.

Altmodisch-Neu

Flickr baut neuerdings eine Brücke zur wunderbar altmodischen Art, Fotos auf Papier zu betrachten (in den USA gibt es das schon länger). Nachdem das Digitalfoto das Ausarbeitungsgeschäft vom Film zunächst fast vollständig vernichtet hat, scheinen jetzt Papierbilder einen Altweibersommer zu erleben - wenn auch oft in früher kaum möglichen Formen, als Fotobücher, Kalender oder kunstvollen Ausarbeitungen zur Präsentation.

Die Ausarbeitungen auf Flickr besorgt Snapfish (gehört zum Druckerkönig Hewlett-Packard): Von jedem Bild kann man Ausarbeitungen bestellen, oder Fotos zu Büchern, Collagen oder Kalender zusammenstellen. Das macht es leicht, Freunden und Verwandten z.B. Bilder vom Fest per Link zum Album zu schicken, die sich bei Bedarf daraus für Prints bedienen.

Künstlerisch

Für sehr spezielle Fotos, die man hochwertig präsentieren will, gibt es einen Fotoausarbeiter aus der Kunstszene: Whitewall.com druckt die Bilder auf professionelle Papiere, kaschiert sie auf einem Aluminiumträger und hat verschiedene Formen der Endfertigung, wie eine schützende Acrylschicht oder Passpartouts und verschiedenen Rahmungen. Das hat seinen Preis, aber das Handling ist sehr einfach: Bild uploaden, Größe und Art der Ausarbeitung festlegen, Bestellung abgeben. Bleibt noch: Im richtigen Moment abdrücken. Frohe Weihnachten.

(Helmut Spudich, DER STANDARD/Printausgabe, 24.12.2009)

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