Zweiter irischer Bischof bietet Rücktritt an

23. Dezember 2009, 21:36
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Geistlicher entschuldigt sich bei Betroffenen und Familien

Dublin - Wegen sexuellen Missbrauchs tausender Kinder durch Mitglieder der katholischen Kirche in Irland hat ein weiterer Bischof seinen Rücktritt eingereicht. Der Bischof von Kildare und Leighlin, James Moriarty, hat nach eigenen Angaben Papst Benedikt XVI. ein entsprechendes Gesuch übermittelt. Den Skandal hatte ein Bericht der Richterin Yvonne Murphy Ende November bekanntgemacht. Sie dokumentierte, dass sexueller Missbrauch von mehr als 300 Kindern in den Jahren 1975 bis 2004 durch Priester der Erzdiözese Dublin von den Verantwortlichen vertuscht worden war. Moriarty war zwischen 1991 und 2002 Weihbischof der Erzdiözese.

Rückblickend müsse er einräumen, dass er nach Amtsantritt die "vorherrschende Kultur hätte ändern müssen", erklärte Moriarty in seiner Rücktrittsankündigung. Auch wenn der Murphy-Bericht ihn nicht direkt kritisiere, schließe er sich dem Fazit der Untersuchungskommission an: Die Versuche der Kirchenführer, einen Skandal zu verhindern und die "Kirche zu schützen" hätten schreckliche Folgen für die missbrauchten Kinder gehabt und seien falsch gewesen, betonte der Bischof. Durch seinen Rücktritt könne er das Leid der Betroffenen nicht ungeschehen machen. Er wolle sich jedoch bei allen Opfern und deren Familien entschuldigen.

Vor einer Woche war ein erster Bischof in dem Missbrauchsskandal zurückgetreten. Zuvor hatte Papst Benedikt XVI. sein "tiefes Bedauern" über die Missbrauchsfälle geäußert. Er teile mit vielen Gläubigen in Irland "die Empörung, das Gefühl des Verrats und die Scham" über die "abscheulichen Verbrechen".

Der Ende November im Auftrag der irischen Regierung veröffentlichte Murphy-Bericht hatte aufgedeckt, dass vier frühere Erzbischöfe von Dublin systematisch Priester schützten, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten. Bereits im Mai hatte der sogenannte Ryan-Bericht über die Qualen von Mädchen und Buben in Schulen, Kinderheimen und anderen Einrichtungen der katholischen Kirche das Land erschüttert. In den Häusern waren demnach seit den 30er Jahren Prügel und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung. (APA/AFP)

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