Politik, die kriminalisiert

23. Dezember 2009, 20:01

Hans Niessl und Maria Fekter bewegen sich auf Straches rechtspopulistischen Wegen

Herbergssuche auf Österreichisch: Just vor Weihnachten gibt Innenministerin Maria Fekter ihren bisher geheim gehaltenen Plan bekannt, im burgenländischen Eberau ein Asylwerber-Aufnahmezentrum errichten zu wollen. Die ÖVP-Politikerin wird für ihre überfallsartige Vorgangsweise zu Recht auch von Ministerkollegen ihrer Partei kritisiert.

Aber in der Sache nicht besser agiert der Landeshauptmann des Burgenlands, Hans Niessl. Gemäß dem beliebten Floriani-Prinzip argumentiert er, dass das Zentrum doch in anderen Bundesländern, die bisher die Aufnahmequote von zu versorgenden Asylwerbern nicht erfüllt haben, gebaut werden solle. Hauptsache nicht im Burgenland!

Sein Hauptvorwurf an Fekter ist aber ein anderer: "Die Frau Innenministerin hat 270 Polizisten aus dem Burgenland abgezogen, und statt der 270 Polizisten bringt sie jetzt die Asylanten ins Burgenland. Das ist ein sehr schlechter Tausch. Also insofern haben wir mit steigender Kriminalität zu kämpfen." Niessl kriminalisiert damit Asylwerber. Die Empörung wäre groß, wenn ein Politiker aus dem rechten Lager eine solche Aussage gemacht hätte. Niessl sprach im Übrigen auch noch vom "größten Anschlag auf das Burgenland in der Geschichte".

Er unterscheidet sich in seiner Argumentation nicht von Fekter, die Asylwerber generell als Sicherheitsrisiko betrachtet. Folgerichtig verspricht sie, dass in Eberau gleichzeitig auch eine Dienststelle für 30 Polizisten eingerichtet werde. Und im Übrigen biete ein solches Zentrum, "krisenfeste Arbeitsplätze", es sei "ein Betrieb, der keine Emissionen hat, keinen Lärm erzeugt, keinen Müll produziert".

Man könnte den Eindruck gewinnen, es handle sich um eine x-beliebige Betriebsansiedlung. Aber es geht hier um Menschen, die aus welchen Gründen auch immer Aufnahme finden wollen. Österreich ist gemäß internationaler Abkommen zur Aufnahme von Asylbewerbern verpflichtet, die ein Recht auf ein ordnungsgemäßes Verfahren und eine ebensolche Unterbringung haben. SPÖ und ÖVP wähnen sich schon im Wahlkampf und frönen dem Populismus mit Argumenten, die bisher FPÖ- oder BZÖ-Politiker benutzt haben.

Sachargumente kommen dabei zu kurz: Die Innenministerin blieb bisher eine schlüssige Begründung schuldig, warum Eberau als Standort ausgewählt wurde und ob es nicht Alternativen gegeben hätte. Denn eine Gemeinde im Südburgenland mit 1000 Einwohnern hat keine Infrastruktur, die in dem Fall sinnvoll wäre: Keine Anwälte, keine Dolmetscher, keine Psychologen für die häufig traumatisierten Menschen. Darauf hat einer hingewiesen, der es wissen muss: Der Bürgermeister von Traiskirchen. Die meisten anerkannten Asylbewerber in Österreich kommen aus Afghanistan. Das sind Menschen mit Kriegserfahrungen. Sie einfach wegzusperren ist keine Lösung.

Im Übrigen sind die Asylanträge seit Jahren rückläufig. Während im Jahr 2002 noch 39.354 Anträge gestellt wurden, waren es 2008 insgesamt 12.844 Menschen. Laut Innenministerium lag die Anerkennungsrate bei 24,5 Prozent, in den ersten zehn Monaten 2009 nur bei 16 Prozent. Über diese Fakten sollte man diskutieren. Und wer wie Niessl die Solidarität anderer Bundesländer einfordert, soll nicht vergessen, dass alle Steuerzahler den Grenzeinsatz im Burgenland zahlen, der laut Bundesheer 26 Millionen Euro pro Jahr kostet.

Die Einrichtung des Zentrums hätte die Chance bedeutet, endlich offensiv das Thema Zuwanderung anzupacken. Aber aus Angst vor Strache und Co trauen sich Österreichs Politiker nicht auszusprechen, was längst Realität ist: Österreich ist ein Einwanderungsland. Stattdessen wird eine populistische Debatte geführt, die vor menschenverachtender Rhetorik nicht zurückschreckt. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD Printausgabe, 24./25./26./27.12.2009)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 202
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Aristor
33
28.12.2009, 09:51
Was ist am Islam rechts und was nicht?

Faschistische Ansichten, wer Ungläubig ist, ist Ungeziefer.

Das Ermorden von Andersdenkenden wird befohlen und bleibt dem Aufruf des Muhezzin überlassen.

Solche Ideologien sind Rechts und radikal - dem widerspricht Strache heftig - wieso ist er damit Nazi?

Ach ja, weil er für Österreicher eintritt.

Ottakringer zisch...
22
27.12.2009, 21:55
Wenn man als Innenminister/in seinen Job macht, Gesetze konsequent umsetzt und ensprechend handelt, dann befindet man sich auf ".. Straches Wegen.." .

Diese Logik ist beachtenswert :-))

Frico
02
28.12.2009, 10:28

Nur weil etwas Gesetz ist, heisst das noch lange nicht, das alle in einem Staat lebenden damit einverstanden sein müssen. Ich sehe es sogar als meine Pflicht an, gegen ungerechte Gesetze und Verordnungen zu protestieren.

So gab es noch vor kurzer Zeit ein Gesetz, wo die Züchtigung(?) von Kindern und Ehefrauen gestattet war. http://de.wikipedia.org/wiki/Züch... gungsrecht

Per Gesetz hatten Frauen in Österreich bis 1918 auch kein Wahlrecht. Es liegt also an einer Zivilgesellschaft sich weiter zu entwickeln oder zu stagnieren.

Nur weil irgendwelche unintelligenten Politiker glauben, mit dämlichen Gesetzen wieder gewählt zu werden, heisst das noch lange nicht, das ich damit einverstanden sein muss.

sitting bull
12
27.12.2009, 14:59
die damen und herren fekter, nissl, strache & co...

scheinen schlicht und einfach nicht über die notwendigen kompetenzen zu verfügen, die von einem politiker zum umgang mit derartigen gegenwarts- und zukunftproblematiken verlangt sind: weder ihre aussagen noch ihr verhalten lassen auf das vorhandensein der nötigen intellektuellen kompetenzen, auf das vorhandensein der ethisch-humanitären kompetenzen oder auf das vorhandensein der nötigen emotional-empathischen kompetenzen schließen. alles was diese damen und herren und ihre gefolgsleute in die waagschale der mitmenschlichkeit zu werfen in der lage sind, ist hirnkürze und herzkälte - das ist bei gott viel viel viel zu wenig und daher zu ungenügend um ihre ämter und funktionen positiv im sinn eines humanistischen menschseins auszuüben.

didi111
01
27.12.2009, 11:58
Irgendwie ist das Ganze bizarr, einfach nur noch bizarr..


Da haben wir die bekannten Probleme mit der Aufgabenstellung, daß hier ETWAS geschehen muss.

Okay!

Gleichzeitig haben wir in Österreich das Problem, daß wir zuviele KASERENEN haben, welche seitens der Republik Österreich veräußert werden sollen.

Darabos rechnet hier mit einem Erlös von 400
Millionen Euro (der Platte damals meinte in seiner Unbedarftheit, man könne eine Milliarde Euro erlösen).

UND jetzt frägt sich der Beobachter, WARUM können die beiden Themenfelder

a) Flüchtlinge, Asylanten, Unterbringung,..

und

b) leerstehende Kasernen incl. Flächen nicht zusammengeführt werden?

WAS würde dagegen stehen, würden die Kasernen dementsperchend adaptiert werden?

Wohnen und Behörde könnten hier unter einem Dach

Seria
02
27.12.2009, 10:53

sie IRREN Frau F.- Schmidt: zwischen Fekta und Strache liegen Welten, das sollten Sie doch auch so zu sehen in der Lage sein. Fekter ist zu bewundern, denn sie macht Politik, auch wenn ihr der populistische Wind ins Gesicht weht.

derStandardmeint
02
27.12.2009, 00:38
Journalistenverdummung.

Die Autorin verwechselt Zuwanderung und Asyl – genau diese Unterscheidung ist hier aber die wesentliche.

georgi schukov
04
26.12.2009, 21:58
Wer hat KEIN Asylrecht?

Die humanitäre, politische und ökonomische Situation ist in den meisten islamischen Ländern, besonders für Frauen, menschenrechtswidrig:
Kinder- und Zwangsheiraten, Genitalverstümmelung, nicht nur in Afrika, Diskriminierung, buchstäbliche Versklavung...
Die hohen Geburtenraten sind eines der zentralen Entwicklungshemmnisse dieser Regionen.

Hunderte Millionen muslimischer Frauen haben in Österreich Asylrecht, abgesehen von allen Anderen...

Wer und wieviele dürfen kommen und bleiben?

Warum werden diese islamofaschistischen Regime nicht so behandelt wie Südafrika in den 70ern?

Der Cygeuner
00
27.12.2009, 10:58
Ihr Vergleich ...

... mit Südafrika trifft es auf den Punkt!

Frico
04
26.12.2009, 21:28

Die Vorgangsweise des Herrn Niesl ist gängige Politik in diesem Land. Sowohl SP als auch VP versuchen die FP Schergen rechts zu überholen und bekommen nicht mit, dass sie damit die Schmerzgrenze für rechtspopulistische Rülpser immer weiter in die Unerträglichkeit treiben.

Und wenn Strache plötzlich wie Haider 27 oder 28% der Stimmen bekommt, sollte das weder SP noch VP verwundern. Warum sollten die Wähler denn einen Schmiedl wählen, wenn es einen Schmied gibt?

Aristor
01
28.12.2009, 09:57
FP Schergen sind wer?

Terror des Islam verhindern ist ein Folterknechteigenschaft?

Ich bin verwirrt - meine Shariakenntnisse sind noch unteretwickelt und Freude am Ausgepeitscht werden,sowie am Auspeitschen überkam mich noch nicht.

Dafür fehlt mir so Allahand Idiotie!

Frico
10
29.12.2009, 04:47

Wie sie in diesem Zusammenhang auf die Saharia und Folterknechteigenschaft, was immer das sein soll, kommen, bleibt sicher für immer ihr Geheimnis. Aber bitte sehr, auch hier gibt es eine Antwort:

Wahrscheinlich finden sie nichts Negatives an Waterboarding, Folter mit Stromschlägen, einem elektrischen Stuhl, der Giftspritze, oder Galgen, etc. Sind wahrscheinlich, aus ihrer Sicht, humane moderne Folter- und/oder Tötungsmethoden für Delinquenten der westlichen Hemisphäre und mit einer babarischen Sharia nicht vergleichbar, stimmts?

PS: Offenbar ist nicht nur ihre "Shariakenntnisse" unterentwickelt!

moejoe187
00
28.12.2009, 18:40
von Asylanten zu Terror des Islam

.muss ein gutes Gehirnwaschmittel sein oder aber was wahrscheinlicher ist: es gab nicht viel zu waschen...

der tueftler
00
27.12.2009, 21:16
ich stimme zu, darum

verurteile ich derartige aussagen von wem immer sie kommen! jeder kann meine postings nachlesen, es ist egal, WER etwas sagt, mir kommt es darauf an, WAS jemand sagt!
in diesem fall hat niessl unappetitliches gesagt.
eine erstaufnahmestelle brauchen wir. traiskirchen ist überlastet, also muss eine zweite her. ob das besser in einem strukturschwachen gebiet mit neuen arbeitsplätzen und weniger gelegenheit zu rechtsverstößen oder in einem gebiet mit geeigneter infrastruktur (anwälte, behörden, ärzte usw) erfolgt, soll man in ruhe diskutieren, aber ohne ausnutzen bzw. aktivieren niedriger instinkte! und natürlich nicht überfallsartig.

Alter Knacker
00
26.12.2009, 19:31

Leider ist es in der Causa so, daß, egal, was man macht, es ist immer kein Erfolg. Und drum muß man, meiner Meinung nach, die Ursachen woanders suchen als bisher.

max 1231
 
51
26.12.2009, 18:08
es gibt nichts populistisches

es gibt nur reales und irreales. irreales lese ich in dem artikel hier.

Kein Grüner
01
26.12.2009, 14:10
Frau Föderl-Schmid schreibt:

"Die Empörung wäre groß, wenn ein Politiker aus dem rechten Lager eine solche Aussage gemacht hätte."
Wie Recht sie doch hat. Allerdings ist beim einseitigen Aufheulen der Standard zumeist an vorderster Stelle zu finden. Eine ausgewogene Berichterstattung und ein ausgewogenes (!) (künstliches) Aufheulen oder Empörtsein fehlt leider den meisten österr. Medien.

moejoe187
00
28.12.2009, 18:44

Wieso lesen sie denn dann das rosa Blatt wenn es keine ausgewogene Berichterstattung liefert? Im Übrigen: Wissen sie was ein Kommentar ist? Eine Meinung? Sie schreiben das den meisten Medien ausgewogene Berichterstattung fehlt. Bitte lassen sie uns an ihrer Weisheit teilhaben, und teilen sie uns dummen Standard Lesern mit, welches Medium íhrer Meinung nach eine ausgewogene Berichterstattung liefert....ich bin echt gespannt auf ihre Antwort. MFG

Mucius Valerius Scapula
02
26.12.2009, 20:10

Lustig, wie für Extremisten 'ausgewogen' immer das ist, das ihre eigene Meinung bestätigt. Fair and balanced!

Kubaner
01
26.12.2009, 10:49
Bingo

Eine Provinzposse die genau dorthin paßt wo sie entstanden ist!

True Earl Grey
21
26.12.2009, 08:22
Ursache und Auswirkung

Man kann Fekters Vorgangsweise problematisch
finden. Ihr Projekt ist aus gesamtstaatlicher Sicht
völlig in Ordnung. Ihr Procedere ist durch das
verantwortungslose Verhalten Niessls begründet.

perau1
 
22
27.12.2009, 01:36

d.entschuldigung d.övpler,wenn wieder einmal eine menschenverachtende aussage/handlung v.einem führenden övpler kommt ist immer gleich: d.anderen haben ja auch,würden auch, wollten ja auch usw.

ist eine menschenverachtende aussage/handlung wirklich damit zu rechfertigen d.ein politiker d.pol.feindes eine blödsinnige aussage gemacht hat.

beispiel: koalition mit d.rechtsaussen fpbzö. d.övp hat bereits 2x mit fpbzö koaliert u.würde es es jederz.wieder machen. allerdings behauptet sie in jedem wahlkampf großmaulig, d.die spö sogar mit fpbzö aus machtgeilh.koal.würde u.warnen vor d.rot-blauorange gefahr.
zweck: d.övp würde, wenn sie m.fpfpk koal.würde, behaupten,d.d.spö ja auch wollte.

ablenken, anpatzen, verleumden u.verlogen = övp.

True Earl Grey
00
28.12.2009, 08:03
Ihre Sprache ist entlarvend!

Sie sehen im politischen Mitbewerber einen FEIND!
Inwieweit Ihr an den Haaren herbeigezogener Vorwurf
der politischen Retourkutsche in Zusammenhang
mit meiner Feststellung zum Vorgangsweise von Fekter bleibt ein Rätsel. Meine Einstellung zu Niessl
halte ich aufrecht. Föderl-Schmid hat völlig recht.
Er ist ein unverantwortlich agierender Populist.

der tueftler
61
26.12.2009, 19:35
ungefähr so...

...sehe ich die sache auch.
was vorher war, weiß ich nicht, aber allein wie niessl das wort "asylanten" ausgesprochen hat, verdient meine geringschätzung!

Silent Hunter
01
26.12.2009, 14:53

aus "gesamtstaatlicher sicht" hätte das projekt entweder in die stmk oder kärnten gehört...warum es dort nicht gelandet ist, wissen wir ja!

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