Der Philosoph im Wahlkampf

23. Dezember 2009, 19:58
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Robert Harris' Krimi "Titan"

Wieder einmal ist der römische Philosoph und Politiker Marcus Tul-lius Cicero der Mittelpunkt eines historischen Krimis von Robert Harris. Der Autor musste nicht viel erfinden, denn die politisch brisante Situation in Rom birgt derart viele Thrillerelemente, Intrigen, Mord und Korruption, dass man damit noch weitere Bücher füllen könnte.

Erzählt wird die Geschichte wiederum aus der Sicht seines Privatsekretärs Tiro, der später eine verlorengegangene Biografie über seinen Herrn verfasst hat. Im Jahr 63. v. Chr. ist Cicero 43 Jahre alt und am Gipfel seiner Politkarriere, er hat aber als Konsul wenig Hausmacht. Sein langjähriger Widersacher Cäsar strebt die Alleinherrschaft an und untergräbt die republikanische Verfassung, die Cicero verteidigt. Gerüchte um ein Mordkomplott machen die Runde. Der Putschversuch des Catilina lässt die Fronten aufbrechen. Da die Quellenlage, nicht zuletzt durch Ciceros Schriften, sehr gut ist, gebricht es Harris nicht an

Zitaten. Es ist erstaunlich, wie modern dieser Stoff ist. Macht ist mit Tugend allein nicht zu halten, das muss Cicero schmerzvoll erfahren. Harris' Sympathien liegen ganz bei Cicero; der etwas langatmige Roman ist die Nachfolge zu Imperium, wo es ebenfalls um

den Aufstieg der Kontrahenten Cäsar und Cicero geht. Ein alter Klassiker der Moderne ist als Ergänzung anzuraten. Die Iden des März von Thornton Wilder sind mit ihrem intimen Tratsch über die dekadente römische Oberschicht immer noch witzig und lesenswert. (Ingeborg Sperl /www.krimiblog.at / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26./27.12.2009)

 

Robert Harris, "Titan". Deutsch: Wolfgang Müller. € 22,60 / 541 Seiten. Heyne, München 2009

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