Wettlauf über 420 m pro Jahr

23. Dezember 2009, 19:20
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Eine Frage des Tempos: Wissenschafter haben die Ökosystem-Verschiebung durch den Klimawandel ermittelt

Stanford/London - Es werden abertausende Wettrennen auf Leben und Tod sein. Und obwohl die Durchschnittsgeschwindigkeit gerade einmal etwas mehr als einen Meter pro Tag beträgt, werden dabei eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen auf der Strecke bleiben.

Die Rede ist vom Tempo, mit dem der Klimawandel Ökosysteme in allen Teilen der Welt vor sich hertreibt. US-Forscher um Scott R. Loarie von der Carnegie Institution in Stanford haben diese Geschwindigkeit erstmals errechnet und kamen dabei auf einen global gemittelten Wert von 0,42 km pro Jahr, wie sie im Fachblatt Nature (Bd. 462, S. 1052) berichten.

Wird es global wärmer, so verschieben sich ganze Ökosysteme entweder in Richtung der Pole oder in höher gelegene Regionen. Die Geschwindigkeit der Ökosystemverschiebungen durch Klimawandel, die auf aktuellen Messungen und Hochrechnungen beruht, schwankt allerdings stark nach Region: Sie ist in Ebene mit über einen Kilometer pro Jahr sehr viel höher als etwa in Gebirgsregionen.

Tiere und Pflanzen sind allerdings hier wie dort stark betroffen, da ihr Überleben mehr oder weniger stark an bestimmten Temperaturen und andere Klimaverhältnisse abhängt. Organismen mit einem geringen Toleranzspektrum werden durch den Klimawandel zu einem wahren Rennen genötigt.

Insgesamt wird ein Drittel der Ökosysteme sich derart rasch verschieben, dass vor allem viele Pflanzen nicht mitkommen werden, da ihre Migrationsgeschwindigkeiten geringer sind, wie die Wissenschafter schreiben. Dazu kommen künstliche Barrieren durch den Menschen: Viele natürliche Systeme sind nur noch in abgegrenzten Reservaten erhalten, Verschiebungen sind so gut wie ausgeschlossen.

Aus diesem Grund dürfte nur ein Zehntel dieser geschützten Areale den Klimawandel in den nächsten 100 Jahren überstehen. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 24. - 27. 12. 2009)

  • Auch der Pfeifhase wird mit dem Klimawandel ums Überleben rennen müssen.
    foto: scott r. loarie

    Auch der Pfeifhase wird mit dem Klimawandel ums Überleben rennen müssen.

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