Zagrebs Bürgermeister spaltet die Linke

23. Dezember 2009, 19:07
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Milan Bandić tritt am Sonntag als Unabhängiger bei den Präsidentschaftswahlen an

Zagreb - "Ist Zagreb in den letzten Jahren weitergekommen?" fragt Milan Bandić auf seinen Plakaten. Das zählt. "Alles andere ist bloß Gerede" , steht fett auf den Billboards rund um die kroatische Hauptstadt. Der ruppige Bürgermeister will auch als Präsident die Ärmel aufkrempeln. Vor allem diejenigen Kroaten, die vom Boom der letzten Jahre gar nicht profitiert hatten, als schon wieder die Krise kam, sind für die Erlöserpose des Milan Bandić empfänglich. Nur wer die kritischen Internet-Portale nicht liest, weiß auch nichts über die diskrete Unterstützung, die der Anwalt des kleinen Mannes vom reichsten Kroaten, dem Tycoon Ivica Todorić genießt.

Bandić ist die heimliche Herausforderung für das Parteiensystem. Er kam vor zehn Jahren als Sozialdemokrat ins Amt. Sein Populismus, die Verachtung für Regeln und Gesetze sowie seine Macho-Sprüche hätten ihn eher für eine Rechtspartei empfohlen. Heute ist Bandić unabhängig. Schafft er am Sonntag den Einzug in den zweiten Wahlgang, steht die Sozialdemokratie, die mit Ivo Josipović ins Rennen geht, vor einer Zerreißprobe. Zwei Politiker der ersten Reihe haben bereits angekündigt, dann Bandić zu unterstützen. (nmn, DER STANDARD, Printausgabe 24./25./26./27.12.2009)

 

 

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