Fünf Jahre nach der Welle

23. Dezember 2009, 18:47
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Nach dem Tsunami am 26. Dezember 2004 stehen auf Sri Lanka hinter Touristenburgen immer noch Ruinen - Nicht überall ist die internationale Hilfe angekommen

Colombo/Wien - Ruinen und Grabsteine entlang der Galle Road an der Süd- und Westküste Sri Lankas lassen das Ausmaß des Tsunami noch heute erahnen. Vom Desaster des 26. Dezember 2004 erzählt der Einheimische Jantela: "Mein Sohn, mein Haus, mein Three Wheeler (Motorrad-Taxi, Anm.) sind ins Meer gegangen." Bis heute habe er keinerlei Hilfe von der Regierung bekommen.

Drei Jahre hat er in Saudi-Arabien als Lastwagenfahrer geschuftet. Nun arbeitet er für einen Hungerlohn von 10.000 Rupien (rund 65 Euro) im Monat als Chauffeur für ein Hotel in Unawatuna, einem der beliebtesten Touristenziele im Süden des Landes.

Unawatuna wurde - so wie die gesamte Süd- und Teile der Westküste - vom Tsunami vollständig zerstört, nicht ein einziges Haus entlang des Meeresufers blieb verschont. Bei der größten Naturkatastrophe, die der Inselstaat Sri Lanka je erlebte, gab es rund 45.000 Todesopfer. Noch schlimmer hatte es die indonesische Insel Sumatra getroffen: Dort starben in etwa 160.000 Menschen. Insgesamt waren 250.000 Tote zu beklagen, noch heute gelten tausende Menschen als vermisst.

Dank internationaler Hilfe, auch von Gästen aus Europa, die die Katastrophe in Sri Lanka miterlebten, wurden Bars, Guesthouses und Shops am weißen Sandstrand teilweise bereits 2005 wieder eröffnet.

So wie Jantala geht es vielen; beinahe alle Menschen haben Familienmitglieder, Verwandte und Bekannte sowie ihre Lebensgrundlage verloren, sind traumatisiert, warteten vergeblich auf Unterstützung, während die Touristenziele zügig wieder aufgebaut wurden. Darüber äußerten am Rande der Gedenkfeiern für die Opfer in Südasien im Vorjahr unzählige Betroffene ihren Unmut .

Dass eine Katastrophe dieses Ausmaßes passieren sollte, hatte sich zunächst gar nicht erahnen lassen: Die erste Meldung der Austria Presse Agentur handelte von einem Beben der Stärke 6,4 nach Richter in Indonesien mit "größeren Schäden an Gebäuden, keine Berichte über Opfer". Später erwies sich das Seebeben als viel stärker: 9,0 nach Richter wurde gemessen - der schlimmste Erdstoß seit 40 Jahren. Unter den Opfern waren Menschen aus 50 Staaten, 86 von ihnen Österreicher.

Auf die Flutwelle folgte eine Spendenflut: Nach Angaben der OECD sicherten die EU und 22 im Hilfskomitee der OECD sitzende Staaten 9,22 Milliarden Euro zu. In Österreich beschloss der Ministerrat eine Soforthilfe von rund 100 Millionen Euro, 32 Millionen kamen allein durch die Soforthilfe "Nachbar in Not" herein.

Dank stabiler gebauten Häusern sollte ein Seebeben wie 2004 heute nicht mehr so gravierende Folgen haben. Ende 2008 ging zudem ein mit deutscher Hilfe finanziertes Tsunami-Frühwarnsystem vor der Küste Indonesiens in Betrieb. Andere Anrainer des Indischen Ozeans haben bereits Interesse daran angemeldet. (Barbara Forstner, Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 24./25./26./27.12.2009)

  • Der Platz vor der Baitulrahman-Moschee in Banda Aceh zwei Tage nach dem
Seebeben der Stärke 9,0 nach Richter - und am 15. Dezember 2009, fast
fünf Jahre später. In der Zwischenzeit sind Milliarden Euro an
Spendengeldern in die betroffenen Regionen geflossen.
    foto: epa/adi weda / hotli simanjuntak

    Der Platz vor der Baitulrahman-Moschee in Banda Aceh zwei Tage nach dem Seebeben der Stärke 9,0 nach Richter - und am 15. Dezember 2009, fast fünf Jahre später. In der Zwischenzeit sind Milliarden Euro an Spendengeldern in die betroffenen Regionen geflossen.

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