Kirchenaustritte

Das ewige Kreuz mit den Abtrünnigen

23. Dezember 2009, 18:48

Katholische und evangelische Kirche kämpfen in Österreich mit Schwund an Gläubigen

Es war das Jahr eins nach Wagner. Am 1. Januar 2009 ernannte Papst Benedikt XVI. den konservativen Pfarrer von Windischgarsten zum Weihbischof in Linz. Statt der erwarteten Hilfe spaltete die Ernennung von Gerhard Maria Wagner aber die Diözese Linz. Dass der 55-Jährige dann am 16. Februar 2009 dem Papst seinen Amtsverzicht mitteilte, begrenzte den Imageschaden nur minimal.

Verständlich also, dass jetzt zu Jahresende das große Zittern in den österreichischen Diözesen ausgebrochen ist. Denn auch wenn die Austrittszahlen erst mit Jänner 2010 veröffentlicht werden, scheint ein kräftiges Minus so gut wie fix. Und dabei wird die Einheit der Christen zum Problem. Den Fall Wagner darf nämlich nicht nur die Diözese Linz ausbaden, allein zwischen 1. Jänner und 28. Oktober verbuchte das Magistrat Linz heuer 1802 Austritte - ein Plus von 33,5 Prozent, es kommen auch alle anderen Diözesen zum Handkuss.

Gerechnet hat die Kirchenspitze offensichtlich damit, denn bereits Mitte März waren die Kirchenaustritte für den Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn "besorgniserregend" . Und bereits im Jahr 2008 musste die katholische Kirche anerkennen, dass der Trend quer durchs Bundesgebiet negativ war: 40.596 Österreicherinnen und Österreicher, zehn Prozent mehr als 2007, haben im Vorjahr die römisch-katholische Religionsgemeinschaft verlassen. Dem gegenüber stand aber auch, mit Ausnahme Wiens, in allen Diözesen ein Plus an Wiedereintritten.

Kleinere Austrittssorgen

Doch nicht nur die römisch-katholische Kirche ist vom "Gläubigerschwund" betroffen, auch die evangelische Kirche wird stetig kleiner. Wenn auch deutlich langsamer. 2008 verbuchte die evangelische Kirche im Vergleich zum Jahr 2007 ein leichtes Minus von 0,11 Prozent (2959 Personen). Per 31. Dezember gehörten der evangelisch-lutherischen Kirche 314.562 und der evangelisch-reformierten Kirche 13.784 Personen an. "Die Kirchen sind, was das Vertrauen junger Menschen betrifft, unter die Politik abgesunken. Das ist schmerzhaft, aber man muss sich dem stellen. Es wird neue Formen von kirchlichem Leben und Religiosität geben müssen" , ist der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker überzeugt.

Nur eine "Glaubensgemeinschaft" kann in Österreich einen regen Zulauf verbuchen: Die am raschesten wachsende Gruppe ist die ohne religiöses Bekenntnis. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 24. Dezember 2009)

Kommentar posten
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Humtata
01
29.12.2009, 15:31
Ausgetreten...

...WEIL sich die "lieben" Christen Bischof Wagner gegenüber so schäbig verhalten haben
...WEIL selbsternannte "Sprachrohre" der Mutter Kirche á la Wir sind Kirche den Gläubigen oktroyieren wollten, dass Wagner ein ganz pöser Pursche ist
...WEIL die kath. Kirche in Österreich den Gläubigen ein schlechtes bis gar kein Zuhause mehr bietet
...WEIL die katholische Kirche als Ganzes (!) keine selbstreflektierende Aufarbeitung mit ihrer Position im 3. Reich hinbekommen hat
...WEIL die kath. Kirche dennoch an der Hitlersteuer/ Kirchensteuer festhält und sie sogar persönlich vom KRankenbett eintreiben geht (tatsächlich!)

Aber ganz bestimmt nicht, weil der Papst einen "unangenehmeren" Bischof zum Weihbischof ernennen wollte. Absoluter Humbug.

Nirvanacharly
 
00
28.12.2009, 09:52
ja wenn ein Unternehmen so viele Kunden

verliert rennt was falsch im Management. Das Problem ist das immer mehr Menschen eine gesunde Erkenntnis und Denkfähigkeit erlangen und erkennen das es keinen Gott gibt. Also richtiger Atheismus anstatt wischi waschi "ich glaub schon aber..." und das stimmt mich gut.

WoHo
11
25.12.2009, 22:19
'gläubig' und 'ohne Bekenntnis'

wird in Österreich gleichgesetzt mit
'katholisch, nicht nur als Taufscheinkatholik' und 'Atheist'. Leider impliziert das auch Herr Rohrhofer wieder in seinem Artikel ("Glaubensgemeinschaft" unter Anführungszeichen).

In meinen Augen zwei bedauerliche sprachliche Ungenauigkeiten.
'Gläubig' müsste eigentlich 'kichengläubig' heißen. 'Ohne Bekenntnis' genauer 'Ohne staatlich (und von der katholischen Kirche) anerkanntes Bekenntnis'.

Nur weil ich kein Kroneabo habe, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht lese...

Bedauernden Kommentaren, dass ich die 'heilige' Kirche verlassen habe, entgegne ich, dass ich ja weiterhin glaube, nur nicht, dass der liebe Gott katholisch ist.

pagat ultimo
00
27.12.2009, 08:27
also ih bin "orB" und bestehe darauf, ass ich kein selbstgeschustertes glaubenskonglomerat habe oder vertrete.

"orB" bedeutet eben auch, dass man keinen glauben an einen oder mehrere götter in seinem leben braucht.

insofern ist der artikel völlig korrelt.

also vereinnahmen sie mich da bitte nicht für irgendwelche handgestrickten privatspiritualitäten.

Cuchullain
12
25.12.2009, 10:21
@ Hr. Rohrhofer:

"Glauben" ist Angelegenheit der Religionen, weil sie ja nichts wissen!
Daher sind wir Atheisten eine "Wissens"gemeinschaft oder einfach nur eine Gemeinschaft!

h 90
00
26.12.2009, 08:46

Glauben ist das Gegenteil von Wissen wie schon mein Grossvater immer sagte.

potamu
01
27.12.2009, 11:04

Dass das Ihr Grossvater gesagt hat, wissen Sie offenbar. Glauben Sie es auch? Falls Sie es wissen, aber nicht glauben, haben Sie vermutlich irgendwie ein Problem... ;-)))

Lorelei Sonnenschein
00
11.1.2010, 17:17
@potamu

...nach dem 2. lesen (1x hat nicht gereicht)...sehr witzig!!! :-)

h 90
01
27.12.2009, 11:36

Ein berechtigtes Argument....
Sehr verwirrend :o)))

chaucer
03
24.12.2009, 21:20
Hier findet man ein paar Gründe mehr für den Austritt

http://www.freidenkerbund.at/news
Coole Seite. Schön, dass es so was gibt.

freundlicher Wiener
 
11
29.12.2009, 04:04
Zuerst austreten und dann der Atheistischen Religionsgesellschaft beitreten wäre konsequent zuendegedacht!

Sam Uncle
17
24.12.2009, 16:15
Glauben heißt nicht wissen WOLLEN. Viele Austritte bedeutet viele Menschen, die wissen wollen.

Warum soll man glauben, wenn man das Privileg hat zu wissen ?
Der Bischoff würde einen Kirchenneubau niemals einem Zauberer-Wunderprediger überantworten, sondern Architekten, Baumeistern, Statikern. Also Menschen, die wissen, daß es hält, nicht glauben.
Aber bei den zentralen Aspekten des Lebens, wie Geburt, Wachstum, Sex, Altern Krankheit, Tod... kommt plötzlich der Zauberrabbi aus dem nahen Osten ins Spiel.

WoHo
13
25.12.2009, 23:01
ich will auch wissen

Bin zwar weder Architekt, Baumeister noch Statiker, habe aber an einer anderen Fakultät der TU fertigstudiert.
Trotzdem glaube ich zu wissen, dass an keiner Uni erklärt werden kann, wie den Lebewesen das Leben eingehaucht wird. In diesem Sinne verneige ich mich ehrfürchtig vor der Schöpfung und glaube nach wie vor, dass wir alle miteinand relativ wenig wissen und es da jemanden gibt, der (die ?) uns - ingenieursmäßig sowieso, aber auch ganz allgemein - noch ziemlich überlegen ist.

magdalena miaz
00
26.12.2009, 22:36

Wenn ich etwas nicht weiß, ok, deswegen brauche ich nicht zu glauben. Besser als glauben, nach Erkenntnis streben, glauben steht dem im Weg !

leitfaden
03
26.12.2009, 09:52

nur erklärt "der einhaucher" nichts. wer sich mit dem "einhaucher" begnügt, hat neugier und phantasie und wissbegierde aufgegeben.

und dabei ist doch neugier die eine eigenschaft, die die menschheit wirklich vorangebracht hat.

h 90
01
26.12.2009, 08:49

Leben eingehaucht???
Die "technische" Funktionsweise ist im Grundprinzip verstanden, es mangelt nur an den Details.
Sie haben sicher auch nicht Chemie an der TU studiert.

W.Hammerl
21
25.12.2009, 19:14

Viele Austritte bedeuten lediglich, dass viele Menschen sich der Kirche entfremdet haben und für einen Verein, an dessen Vereinsleben sie keinen Anteil nehmen, auch keinen Mitgliedsbeitrag bezahlen wollen. Von "Wissen wollen" kann keine Rede sein, eher von "nix zahlen wollen".

per verser
01
26.12.2009, 12:31

sie haben eigentlich nie was kapiert, soweit ich mich an ihr sonstiges posten erinnere.

warum also sollen sie auch kapieren, daß es in einer religion nicht zu wissen gibt.

devils grandma
 
04
24.12.2009, 14:16
mit`m herrgott hätt ma ja net so a problem!

aber bei d e m bodenpersonal?

magdalena miaz
00
26.12.2009, 22:37

und die Fraugott ?

StF753
04
24.12.2009, 14:01

GläubigeRschwund ist doch was gutes ?!? *g*

grazing snake
02
24.12.2009, 13:30
Die wollen nur von Leuten kassieren die das Service nicht mehr in Anspruch nehmen.

Das die Kirchen fast leer sind weil nur ein Bruchteil der Katholiken in die Messe geht zu Weihnachten und vielleicht 1 Promille der Katholiken am Sonntag stört sie nicht so sehr.


Die Zahlungsmoral der "Karteileichen" ist bewundernswert. 100%ige Nettozahler. Jeder Verein wäre glücklich über Mitglieder die nur zahlen aber nichts kosten. Und würde nicht jammern über Austritte, sonst pflanzen sie den "Karteileichen" noch den Gedanken ein.

Jambala Magdalena
32
24.12.2009, 12:34

Der Hauptaustrittsgrund ist die entschieden zu hohe Kirchensteuer. Viele zahlen überhaupt nichts oder sehr wenig (z.B. die Gewerbetreibenden und Bauern, aber auch die Arbeitslosen) und der Rest wird geschröpft.Wenn die Kirche überleben will, muss sie einen sehr geringen Mitgliedsbeitrag einheben und der Rest Spenden. Die Pfarrer dürfen sich nicht länger in ihrem Elfenbeinurm verstecken. Spenden würden massgeblich vom Engegement des Pfarrers abhängen und man könnte sich die vielen Angestellten in den Kirchenbeitragsstellen einsparen. Ich glaube auch, dass die Caritas nicht so agiert, wie das der Beitragszahler wünscht.

Kiste
00
26.12.2009, 15:29

1. die Pfarrer kann man meiner Meinung nach nicht beschuldigen; die stehen in der Hierarchie ganz unten und müssen gehorsam sein gegenüber den Vorgesetzten im Elfenbeinturm. Leider wurde dei Kirche de facto von einem römischen Kaiser gegründet und hat die damals übrige hierarchisch Ordnung übernommen sodass sich eine unter "Heiden" übliche Priesterkaste etablieren konnte.
2. wie sollte denn die Caritas Ihrer Meinung nach anders handeln?

per verser
01
26.12.2009, 12:35

also, ich hab keinen bock, daß dann jeden dritten tag die sternsinger oder die schwester inkontinencia vor der tür stehn und um geld betteln. das zwingt mich erst wieder zu quasi religiösen aktionen, wenn dann ein pentagramm oder ein verkehrtes kreuz an die tür nageln muß, damit die vielleicht wegbleiben. oder einen baseballschläger gut sichtbar ins vorzimmer zu stellen.

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