Erlöser und Verdammnis

23. Dezember 2009, 18:38
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Der Rekordmann hat an Reputation nichts zu verlieren. Geht was schief, wird wohl das Vehikel schuld sein

Die Verantwortlichen jener TV-Stationen, die es sich eine Menge Geld kosten lassen, die Formel 1 unters Volk zu bringen, sind hellauf begeistert. Zirkusdirektor Bernie Ecclestone findet die Rückkehr des berühmtesten Artisten der einschlägigen Geschichte schlichtweg magisch. Und das Gros der Kundigen traut dem bald 41-jährigen Michael Schumacher zu, an vergangene Leistungen anzuknüpfen.

In einer Zeit der wirtschaftlichen Betrüblichkeiten, in der sich Automobilwerke und Sponsoren aus der Formel 1 verabschieden, wird Schumacher wie ein Erlöser gefeiert, der die Verheißung in die Welt bringt, die Einschaltziffern in die Höhe zu treiben, den Absatz von Autos anzukurbeln und andere Begehrlichkeiten zu wecken.

Mercedes, das im nächsten Jahr wieder mit einem eigenen Team an den Start geht, verspricht sich die Auferstehung des Mythos der Silberpfeile. 1955 hatte der legendäre Argentinier Juan Manuel Fangio einem Mercedes-Werksteam den bisher letzten Titel besorgt. Michael Schumacher, der siebenfache Champion, fühlt sich wie ein 12-Jähriger, der durch die Gegend hüpft. "Ich hoffe, dass er trotz seines Alters noch fit genug ist, um bei uns mitzufahren", sagt weniger euphorisch der amtierende Vizeweltmeister Sebastian Vettel (22).

Michael Schumacher freilich, der nahezu sämtliche Rekorde im schnellen Geschäft hält, hat an Reputation nichts zu verlieren. Geht was schief, wird wohl das Vehikel schuld sein. Das Risiko trägt Mercedes. Denn zum Siegen verdammt sind die Silberpfeile jetzt erst recht. (Benno Zelsacher - DER STANDARD PRINTAUSGABE 24.12. 2009)

 

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