Vergebung statt Abrechnung

23. Dezember 2009, 18:40
22 Postings

Zum zehnten Todestag des Soul- und Funk-Musikers Curtis Mayfield

Wien - Wenn es jemals einen sanfteren Revolutionär als Curtis Mayfield gegeben hat, dann verschweigt ihn uns die Geschichte. Seine Karriere begann der 1942 in Chicago geborene Sänger und Gitarrist als Teenager, und schon mit seiner zweiten Band, den Impressions, gelangen ihm Hits wie People Get Ready (1965) oder We Are A Winner (1967), die Hymnen der Bürgerrechtsbewegung wurden.

Anders als die radikale Black-Panther-Bewegung baute der tief religiöse Mayfield mit unbeugsamen Optimismus auf ein friedliches Miteinander, auf Vergebung statt auf Abrechnung: We Come In Peace With A Message Of Love. So.

Seinen künstlerischen Höhenflug setzte er Anfang der 1970er-Jahre fort, als er parallel zu den Impressions seine Solokarriere startete und bis zu seinem Tod über 20 Alben veröffentlichte. 1970 erschien sein bahnbrechende Debüt Curtis, das mit Stücken wie Move On Up oder We The People Who Are Darker Than Blue soziales Gewissen mit Positivismus und einem Schuss Humor transportierte, etwa in (Don't Worry) If There's A Hell Below, We're All Going To Go.

1972 gelangen ihm mit dem Soundtrack des Blaxploitation-Films Superfly zwei Welthits: Sowohl der Titelsong als auch Freddie's Dead verkauften sich mehrere Millionen Mal.

Gleichzeitig schloss er an die von Marvin Gaye's Meilenstein What's Going On (1971) eingeleitete Idee des politischen Konzept-Albums an. Auch bei Folgewerken wie Back To The World (1973) oder There's No Place Like America Today (1975) finden sich konzeptuelle Layouts wieder: Einmal der Vietnam-Krieg, einmal eine sozialkritische Betrachtung des (Ghetto-)Alltags der Afroamerikaner.

There's No Place ... war ein Meisterwerk, auf dem Mayfield seinen Funk dermaßen abbremste, dass dieser fast umfiel - wäre da nicht diese verführerische Synkopierung, zu der Mayfield mit seiner charismatischen Kopfstimme die Geschichte von Billy Jack erzählt.

1990 wurde Mayfield Opfer eines grausamen Schicksals, als ihn während eines Konzerts in New York ein herabfallender Scheinwerfer traf - und lähmte. 1997 kehrte dieser Titan mit dem anrührenden New World Order noch einmal wieder, bevor er am 26. Dezember 1999, nur 57-jährig und wegen einer schweren Diabetes auch noch beinamputiert, starb.

Sein Erbe, von Künstlern wie Mos Def oder Neo-Soulstars wie Donnie hochgehalten, es strahlt bis heute. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26./27.12.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Curtis Mayfield: Der sanfte Soul-Revolutionär starb vor zehn Jahren

Share if you care.