Blinde Flecken im Hypo-Screening

23. Dezember 2009, 18:05
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Der Due-Diligence-Bericht zum Kauf der Kärntner Hypo per Ende 2006 ließ fragwürdige Geschäftsgebarung vermuten

Der Due-Diligence-Bericht zum Kauf der Kärntner Hypo per Ende 2006 ließ fragwürdige Geschäftsgebarung vermuten. Das Leasing-Geschäft wurde aber als unverdächtig eingeschätzt.

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Wien - Die Bayern bedauern den Kauf der Kärntner Hypo - rückblickend; im Mai 2007 sah die Sache noch ganz anders aus. Da lief die Due Diligence, am 18. Mai stellte Ernst & Young Deutschland im Auftrag der BayernLB die Berichte zu ihrer Hypo-Recherche ("Projekt Berthold" ) fertig.

Die Prüfer analysierten die Beteiligungen unter der Hypo Alpe Adria Bank International AG: Banken, Leasing-, Consulting- und Immobilien-Gesellschaften. Ende 2006 betrug ihr Buchwert 2,2 Mrd. Euro; 55 Prozent entfielen auf Banken. Die Forderungen an nichtkonsolidierte Gesellschaften lagen bei 612 Mio. Euro - freilich kritisierten die Prüfer, dass nicht alle Forderungen, Verpflichtungserklärungen und Garantien "vollständig offengelegt wurden" - inwieweit so "Risiken im Konzern verlagert werden, konnten wir nicht beurteilen" . Auch Risiken aus dem Beteiligungsportfolio könnten unter Umständen "nicht rechtzeitig erkannt werden", denn: Ein zentrales Beteiligungsmanagement werde erst implementiert, heißt es im Bericht.

Die Prognosen, die die Kärntner damals abgaben, waren rosig: 2006 machte die Hypo Alpe Adria Bank Österreich zwar einen Verlust von 4,9 Mio. Euro, für 2007 wurde aber mit einem Gewinn von 21 und für 2010 von 40 Mio Euro gerechnet. Ein Ziel, das Ernst & Young für "ambitioniert" hielt.

In Kroatien und Bosnien machten die Prüfer "einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Problemkrediten" aus (siehe Artikel). In der Bank in Liechtenstein (Zweck: "Private Banking für vermögende Kunden, überwiegend aus Ex-Jugoslawien"; die Bank existiert nicht mehr) lagen nur Berichte von 2003 vor; darin hatte der Abschlussprüfer etliche Mängel festgestellt. Bei den 40 Leasinggesellschaften (heute erfordert die Leasing-Sparte riesige Risikovorsorgen) fanden die Prüfer kaum Anlass für Kritik; "das EGT ist kontinuierlich gestiegen" .

Leasing unterschätzt

Nur in Kroatien gab es Probleme bei der Bilanzierung von Abschreibungen, weswegen die Bestätigungsvermerke 2004 bis 2006 in diesen Punkten eingeschänkt waren. Und: Nach dem Verbot von kreditähnlichen Leasingfinanzierungen durch Leasinggesellschaften musste die Hypo neue Verträge ausarbeiten. "Das Management erwartet daraus aber keine negativen Auswirkungen", wurde der BayernLB mitgeteilt.

Das Leasingvolumen hat sich von 2004 auf 2006 auf fast vier Mrd. Euro verdoppelt, auf Immo-Leasing entfielen 1,5 Mrd. Euro. Zwar handelte es sich dabei laut Ernst & Young "wirtschaftlich ... um Bau- und Projektfinanzierungen, die Verträge sind jedoch formal Leasingverträge. Der Grund: die sehr restriktiven Eigenmittelvorschriften in Südosteuropa". Anders gesagt: Für Kredite hätte Eigenkapital gebildet werden müssen.

Auf die exakten Risiken konnte das Leasing-Portfolio vor dem Verkauf an die Bayern aber nicht abgeklopft werden, dazu fehlten Informationen "aus dem Datenraum" , so die Prüfer. Sie gingen davon aus, dass 94 Prozent der Forderungen aus "störungsfrei verlaufenden Engagements" stammen, verließen sich auf "Expertengespräche, wonach die notwendigen Risikovorsorgen auf Grund der vorliegenden Sicherheiten (Leasinggegenstände) ... gering sind" .

Nahe der Pleite

Mehr gab es Ende 2006 an den Immo-Gesellschaften zu bemängeln. Die Immobilien AG Holding wies 2005 und 2006 eine bereinigte Eigenmittelquote von 0,1 Prozent aus (sie finanzierte sich durch Gewinnscheine) und eine fiktive Schuldentilgungsdauer von mehr als 15 Jahren. Der Abschlussprüfer "machte daher von seiner Redepflicht Gebrauch und informierte den Vorstand über die Vermutung eines Reorganisationsbedarfs" .

Und bei Immo-Projekten in Slowenien und Kroatien zeigten sich bereits 2006 "Risiken, die weiter untersucht werden sollten" , was auch für Hotelprojekte der verlustreichen Hypo-eigenen Kärntner Holding Beteiligung AG galt. So betrug das Finanzierungsvolumen fürs Schlosshotel Velden (Buchwert: 29 Mio. Euro) 125 Mio. Euro, "40 Prozent mehr als budgetiert" .

Insgesamt schreckte all das die Bayern nicht, sie unterschrieben den Kaufvertrag am 22. Mai 2007. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26./27.12.2009)

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    Der Blick in den Bauch der Hypo ergab schon bei der Due Diligence 2007 interessante Erkenntnisse.

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