Kater nach der Spenden-Party

23. Dezember 2009, 17:48
6 Postings

Österreichs Charity-Markt ist zwar mit Prominenten gesegnet, nicht aber mit Kostentransparenz und Kontrollen

Österreichs Charity-Markt ist zwar mit Prominenten gesegnet, nicht aber mit Kostentransparenz und Kontrollen. Diese fehlen auch beim sozialen Engagement des Handels. Experten halten direkte Spenden für effizienter.

***

Wien - Wer zu Weihnachten anderen Gutes tun will, der beschenkt sich vielfach auch gleich selbst, im wahrsten Sinne des Wortes. Spendenfeste und mit Prominenten gesegnete Charity-Galas haben Hochsaison. Händler bieten eine Palette an Produkten, von Wein über Kerzen bis zu Christbäumen, bei deren Kauf ein paar Cent bis Euro an karitative Organisationen fließen.

In den Geschäften mit der Wohltätigkeit ist jedoch nicht alles Gold was glänzt. Viele Charity-Aktionen seien völlig intransparent, kritisieren Gerhard Bittner, Chef des Instituts für Spendenwesen und der Geschäftsführer des Fundraising Verbands, Günther Lutschinger. Denn keiner wisse, ob die Erlöse auch in einer vernünftigen Relation zum finanziellen Aufwand stünden.

Sie vermissen klare Abrechnungen und Kostenübersichten. Vor allem bei kleinen Initiativen unter dem Schutzschirm der Prominenz fehlten die Kontrollmechanismen. Ein Scheck von 10.000 Euro sei gut und schön. Gehe ihm ein Event voraus, das an die 100.000 Euro verschlinge, stelle das die Charity-Aktion an sich in Frage, sagt Bittner. Er fordert Standards und Kontrollen. Die Kosten einer Charity-Veranstaltung sollten zwei Drittel der Erlöse nicht übersteigen.

Fehlende Kontrollen

Auch Lutschinger pocht auf höhere Transparenz. Größere Organisationen hätten zudem meist bessere Möglichkeiten, Spenden effizient einzusetzen als kleine Einzelinitiativen. Die durchschnittlichen Einnahmen der Charity-Events liegen bei 16.000 Euro, zeigt eine Auswertung seines Verbands aus dem Vorjahr. Gesammelt wird auf Konzerten und Parties ebenso wie beim Punschtrinken, bei Busfahrten und Pokerspielen. Das gespendete Geld fließt überwiegend in Kinderhilfsprojekte. Behindertenprojekte und Auslandshilfe sind hingegen rar.

Kontrollen fehlen aus Sicht von Wirtschaftsprüfern auch bei österreichischen Handelsketten. Bei all den Kooperationen mit karitativen Vereinen sei der Geldgeber, anders als bei einer direkten Spenden, auf den guten Willen des Handels angewiesen, sind sich Klaus Hübner und Karl Bruckner, Präsident und Steuerchef der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, einig.

Wie viel wirklich für den guten Zweck zur Verfügung gestellt werde, könne keiner nachweisen, sagt Bruckner. Manches erwecke mehr den Eindruck reines Sozialmarketings, das Anliegen bleibe halt auf der Strecke, bedauert auch Bittner.

Der Grund für die Beliebtheit der Kooperationen liegt für ihn auf der Hand: So ein "Ethikpickerl" verhelfe den Händlern zu mehr Umsatz, und von der Steuer absetzbar ist es obendrein. Den Spendenorganisationen verschaffe es neben höherer Bekanntheit ohne großen Aufwand Mehreinnahmen. Finanziell gesehen schaue unter dem Strich aber nicht allzu viel heraus, schätzt Lutschinger: Die über den Handel lukrierten Spenden beliefen sich im Jahr auf eine rund halbe Mio. Euro.

Nahe beim Kunden

Christine Tschürtz-Kny lobt die Kooperationen mit Handelsketten. Natürlich stecke auch Imagepflege dahinter, ergänzt die Geschäftsführerin von "Licht ins Dunkel" , aber warum solle sich einer der spende, verstecken. Spar sammelt etwa gut 350.000 Euro im Jahr für den karitativen Verein. Der einzelne Kunde spüre es nicht in der Geldbörse, dennoch kommen hohe Beträge zusammen, sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Für eine Prüfung des Spendenflusses sei man offen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26./27.12.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    85.000 Sternsinger erheben heuer ihre Stimme gegen die Armut. Im Vorjahr sammelten sie fast 14 Millionen Euro. Bei anderen Hilfsprojekten ist der Weg der Spenden weniger klar nachvollziehbar.

Share if you care.