Muslimische Staatssekretärin verlässt empört UMP-Sitzung - Ex-Minister Clément: Frankreich werde nicht mehr Frankreich sein, wenn es dort "so viele Minarette wie Kathedralen" gebe
Paris - Die durch die Schweizer Volksabstimmung in
Frankreich ausgelöste Minarett-Debatte sorgt nun bis in die Regierung
hinein für Ärger. Die muslimische Staatssekretärin Nora Berra verließ
am Dienstag eine Sitzung der UMP-Fraktion aus Protest gegen
Äußerungen eines Abgeordneten und Ex-Ministers, der sich zu den
Minaretten geäußert hatte, wie mehrere Teilnehmer am Mittwoch
berichteten. Der frühere Justizminister Pascal Clément hatte demnach
gesagt, Frankreich werde an dem Tag nicht mehr Frankreich sein, an
dem es dort "so viele Minarette wie Kathedralen" gebe.
Sie habe ein "starkes Signal" durch ihren Protest geben wollen,
sagte Berra, deren Vater aus Algerien stammt, im Radiosender Europe
1. "Religion ist eine private Sache und als Regierungsmitglied bin
ich Garantin der Trennung von Kirche und Staat." Cléments Äußerungen
hätten gegen diesen Grundsatz der Laizität verstoßen. In Frankreich,
wo über fünf Millionen Muslime leben, werde zudem erst seit dem
Schweizer Votum über Minarette diskutiert. "Das ist eine falsche
Debatte, die wir importiert haben", sagte die Ärztin, die seit Juni
Staatssekretärin für Senioren ist. Clément dementierte seinerseits
die Äußerung, die aber mehrere Sitzungsteilnehmer bestätigten. (APA/AFP)