Minarett-Debatte sorgt für Ärger im Regierungslager

23. Dezember 2009, 16:01
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Muslimische Staatssekretärin verlässt empört UMP-Sitzung - Ex-Minister Clément: Frankreich werde nicht mehr Frankreich sein, wenn es dort "so viele Minarette wie Kathedralen" gebe

Paris - Die durch die Schweizer Volksabstimmung in Frankreich ausgelöste Minarett-Debatte sorgt nun bis in die Regierung hinein für Ärger. Die muslimische Staatssekretärin Nora Berra verließ am Dienstag eine Sitzung der UMP-Fraktion aus Protest gegen Äußerungen eines Abgeordneten und Ex-Ministers, der sich zu den Minaretten geäußert hatte, wie mehrere Teilnehmer am Mittwoch berichteten. Der frühere Justizminister Pascal Clément hatte demnach gesagt, Frankreich werde an dem Tag nicht mehr Frankreich sein, an dem es dort "so viele Minarette wie Kathedralen" gebe.

Sie habe ein "starkes Signal" durch ihren Protest geben wollen, sagte Berra, deren Vater aus Algerien stammt, im Radiosender Europe 1. "Religion ist eine private Sache und als Regierungsmitglied bin ich Garantin der Trennung von Kirche und Staat." Cléments Äußerungen hätten gegen diesen Grundsatz der Laizität verstoßen. In Frankreich, wo über fünf Millionen Muslime leben, werde zudem erst seit dem Schweizer Votum über Minarette diskutiert. "Das ist eine falsche Debatte, die wir importiert haben", sagte die Ärztin, die seit Juni Staatssekretärin für Senioren ist. Clément dementierte seinerseits die Äußerung, die aber mehrere Sitzungsteilnehmer bestätigten. (APA/AFP)

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