Steigender Dollar und Kursverluste bei Staatsanleihen

23. Dezember 2009, 13:25
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Ein Kommentar von Hans Engel aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die Kursverluste bei den US-Staatsanleihen und der weiter steigende Dollarindex waren in dieser Woche die wichtigsten Einflussfaktoren, die den Aktienmarkt unterstützten. Das Faktum, dass man im Nachhinein die BIP-Wachstumszahlen für das dritte Quartal von ursprünglich 2,8% auf nunmehr 2,2% revidieren musste, konnte die Aktieninvestoren nicht beunruhigen. Auch wenn diese Revision als bedeutend eingestuft werden muss, wird sie am Umstand nichts ändern, dass die von US-Ämtern ausgewiesen Zahlen in vielen Fällen die ökonomische Realität in den USA etwas besser darstellen als sie wirklich ist. Es steht natürlich jeder Nation frei, sich in einem guten Licht zu präsentieren. Das ist durchaus legitim, allerdings
sollten die Adressaten dieser Datenverwirrung ausreichend kritisch sein, um nicht einer Illusion zu erliegen, die sich später als für sie kostspielig herausstellt.

Wesentlich wichtiger sind jedoch Informationen, die man unmittelbar aus den beobachtbaren Marktpreisen ableiten kann. So ist beispielsweise der Volatilitätsindex VIX mit einem aktuellen Stand von 19,5 auf den niedrigsten Stand dieses Jahres gesunken. Diese Tendenz wird vermutlich noch einige Wochen andauern. Solange die Kursverluste der US Treasuries moderat bleiben, bzw. sich die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen nicht um mehr als ca. 70 Basispunkte erhöhen, bietet der gleichzeitig steigende Dollar den internationalen Bond-Investoren zumindest einen Ausgleich für die erlittenen Verluste. Derzeit ist also die Gefahr noch nicht allzu hoch, dass die FED den Absatz der Staatsanleihen durch eine gezielte Erhöhung der Volatilität an den Aktienmärkten unterstützt. Als Investor sollte man im Laufe des kommenden Jahres aber aufmerksam diese Entwicklungen verfolgen, um nicht negative Überraschungen zu erleben.

Bis dahin kann man die Möglichkeiten nutzen, die sich aktuell am US-Aktienmarkt bieten: Positive Nachrichten kommen aktuell von Micron Technology, einem Speicherchiphersteller, der bis vor kurzem noch in einer jahrelangen Verlustzone verweilte. Der jüngste Quartalsbericht dokumentierte, dass das Unternehmen wieder einen Gewinn von USD 204 Mio. erzielt hat. Besonders erfreulich ist auch der Ausweis eines bedeutenden Umsatzanstiegs, ohne dass gleichzeitig die Forderungen an Kunden übermäßig zugenommen haben. Auch die Lager konnten abgebaut werden. Nach einem Verlust von USD 718 Mio. im Vergleichsquartal des Vorjahres ist das eine beachtliche Trendwende. Investoren können sich voraussichtlich auf noch einige positive Quartale freuen. Die Aktie ist moderat bewertet und in einem schönen Aufwärtstrend. Das erste Quartal eines Jahres ist für diese Aktienkategorie üblicherweise die
beste Zeit, weshalb man bei Käufen jetzt nicht allzu lange zuwarten sollte.

Durch die erfolgreiche Einführung des Betriebssystems Windows 7 ist Microsoft nun gelungen, was mit Windows Vista niemals möglich war: Den Marktanteil von Windows XP zu übertreffen. Dass der Konzern manchmal mit fremdem geistigem Eigentum sehr großzügig umgeht, beweist hingegen ein verlorenes Berufungsverfahren gegen ein Urteil, das zugunsten der kanadischen Firma i4i ausgefallen ist. Microsoft muss in Folge einige Funktionalitäten seines Textverarbeitungsprogramms "Word" einschränken. Die Verkäufe der Produkte sollten dadurch jedoch nicht nennenswert beeinträchtigt sein.

Die Konsolidierung im globalen Finanzsektor geht voran. State Street, ein bedeutender Finanzdienstleister, gab bekannt, von der italienischen Bank Intesa Sanpaolo den Wertschriftenbereich für einen Betrag von USD 1,87 Mrd. abzukaufen. Mit diesem Schritt nähert sich State Street deutlich dem Marktführer bei der globalen Wertpapierverwahrung, nämlich der Bank of New York Mellon, die Wertpapiere im Gesamtwert von USD 21,1 Bio. verwahrt. State Street wird mit dem neuen Zukauf in Folge Wertschriften mit einem Volumen
von USD 17,9 Bio. verwahren und administrieren.

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