Aktive Faulheit

25. Dezember 2009, 01:30
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Lassen Sie Ihren Garten jetzt in Ruhe – planen Sie lieber in genüsslicher Faulheit die kommende Saison, sagt Ute Woltron

Das Beste, was Sie dieser Tage für Ihren Garten tun können, ist - ihn in Ruhe zu lassen. Das gilt eigentlich auch für Sie selbst: Pfoten weg von Schnippseleien an Ästen und ziellosem Herumgekrame im Frost. Schrecken Sie Pflanzen und Getier nicht auf. Bleiben Sie drinnen. Sie richten jetzt draußen nur Schaden an.

Es ist nun vielmehr Faulheit angesagt. Konsolidierende Winterruhe. Teegeschlürfe und Keksgeknabbere. Die Aktiv-Faulen tun Folgendes:

Sie lagern die wollbesockten Füße hoch und bereiten genüsslich das kommende Gartenjahr vor. Indem sie beispielsweise Samenkataloge studieren oder im Internet in diversen Samenbänken stöbern. Tagelang kann man dieser Beschäftigung huldigen. Gewöhnlich hat sie zweierlei zum Resultat: Es treffen in der Folge jede Menge Pakete aus aller Gärtner Länder bei Ihnen zu Hause ein. Und Sie bekommen ein Gespür für die schier unendliche Sortenvielfalt von Gemüse und anderem, die sich in normalen Grünmärkten eben nicht widerspiegelt. Entdecken Sie das Universum der Sorten, und Sie werden noch glücklicher werden, als Sie es jetzt schon waren.
Schrecken Sie dabei nicht vor italienischen und französischen und - bewahre! - vor britischen Provenienzen zurück. Sie schürfen gerade dort in Goldgruben!

Wenn Sie sich schließlich von gelieferten Samenpackungsstapeln umringt wiederfinden, stellen Sie die wollbesockten Füße auf den Boden, holen Block und Bleistift und schreiten daran, einen Gartenplan für 2010 zu erstellen. Niemals sollten Sie sich in dieser wichtigen Phase von unbedarften Ignoranten Schrulli oder Pedant schimpfen lassen. Der Plan, den Sie jetzt machen, die Skizzen, die Sie jetzt in Zeitabläufen dargelegt schwungvoll in den Block werfen, werden Ihnen über die gesamte Saison hinweg Zeit und Nerven sparen. Also:

Wo wird was wachsen? Welche Pflanzen vertragen sich untereinander, welche nicht und wie erfolgt demzufolge die Anordnung? Was wird wann nachgepflanzt, wenn etwas anderes abgeerntet ist? Brauche ich wirklich vier Zucchinipflanzen, oder will ich heuer ausnahmsweise nicht die gesamte Nachbarschaft mit Zucchini zwangsbeglücken?

Zu diesen graphischen Strukturen gehören freilich auch die terminlichen. Besorgen Sie sich etwas, das wie ein Karteikasten funktioniert und den Samenpackungsgrößen entspricht.
Dann erstellen Sie eine Wochenunterteilung und sortieren Sie Ihre Samenpackungen akkurat danach. Eigentlich, wenn man's genau nimmt, brauchen Sie zwei dieser Kästen: Einen für die Direktsaat und einen für die Pflänzchen, die Sie drinnen vorziehen werden.

Jetzt schnell die Wollbesockten wieder hochlagern und entspannen. Es dauert ja nicht mehr lang, dann dürfen Sie wieder raus. Bis dahin melden wir uns regelmäßig mit weiteren zeitvertreibenden Beschäftigungen. Versprochen! (Der Standard/rondo/24/12/2009)

Tipp:
Um in Ihnen jetzt gleich den Samen für sich erfahrungsgemäß weit verzweigende Internet_recherchen zu legen, hier zwei der besten heimischen Quellen für Gemüse-Sämereien im Internet: Die Arche Noah www.arche-noah.at liefert Ihnen neben den erwünschten Päckchen auch das entsprechende Hintergrundwissen über alte, bewährte Sorten, die Vielfalt, die dahintersteckt, sowie die Sinnhaftigkeit, diese aktiv zu kultivieren frei Haus. Herrlich stöbern kann man auch bei ReinSaat www.reinsaat.co.at. Schauen Sie beispielsweise unbedingt auf deren Salat-Seiten vorbei. Die Qual der Wahl ist Ihnen sicher. Häuptel wird nie wieder nur Häuptel sein.

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    Wenn der Nachtfrost einfällt, soll der Gärtner ruhen.

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