"Krieger des Lichts" für das Gute

23. Dezember 2009, 17:48
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BZÖ-Chef Josef Bucher befürchtet einen getürkten Parteitag der Kärntner Freiheitlichen und will, dass die Basis über ihren künftigen Wegmit oder ohne Heinz-Christian Straches FPÖ abstimmen kann

Klagenfurt - "Ein Krieger des Lichts vergisst niemals seine Freunde, weil ihr Blut sich auf dem Schlachtfeld mit dem seinen mischt ..." Zwischen dem BZÖ und seiner Kärntner Abspaltung von der Abspaltung, die in die blaue FPÖ heimgekehrt ist und sich FPK nennt, fließt zwar kein Blut, die Schlacht um die freiheitliche Kärntner Basis wird dennoch mit unerbittlicher Härte geführt. Da sehen sich die Mannen um BZÖ-Chef Josef Bucher als "Krieger des Lichts" , wie BZÖ-Generalsekretär Stefan Petzner in Anspielung auf einen Text des Schriftstellers Paulo Coelho feststellt.

BZÖ fordert Urabstimmung

Die "Krieger des Lichts" wollen jetzt "basisdemokratisch" verhindern, dass der Protagonist der Finsternis, FPK-Chef Uwe Scheuch, den Anschluss der Kärntner Landesgruppe an die FPÖ durchzieht. Denn die Funktionäre würde Scheuch für den gemeinsamen Weg mit dem FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache bereits "massiv unter Druck setzen" . Also setzt man auf die rund 6000 "einfachen Parteimitglieder" , die Bucher und Petzner auf dem von Scheuch einberufenen Parteitag am 16. Jänner für das BZÖ mobilisieren und auf den rechten Weg des verstorbenen BZÖ-Gründers Jörg Haider zurückholen wollen. Auch sie sollen am FPK-Parteitag ihre Stimme erheben und über den künftigen Kurs abstimmen dürfen. Bucher befürchtet nämlich, dass im Vorfeld des Parteitags die Delegierten ganz im Stile der ostdeutschen SED "nur nach Gutdünken der Scheuch-Brüder ausgewählt werden" . Bucher will auch selbst am Parteitag eine Grundsatzrede halten. Ob er und Petzner dort überhaupt eingeladen werden, ist offen.

"Die Bevölkerung ist aufgebracht, die Volksseele kocht gegen die Selbstherrlichkeit, mit der die Brüder Scheuch die Bewegung Jörg Haiders kurz vor Weihnachten zerstören" , hofft Bucher jetzt auf breite Unterstützung durch die Basis.

Gegen Scheuch-Verrat

Das BZÖ hat eine Unterschriftenaktion für einen "demokratischen Parteitag" gestartet. "Jedes Mitglied, das unterschreibt, dokumentiert auch, dass es den Weg Jörg Haiders weitergehen will und den Verrat der Scheuch-Brüder ablehnt" , sagt Petzner. Jeder, der unterschreibe, sei "ein weiterer Krieger des Lichts" , der "für das Gute, für Ehrlichkeit und Anstand kämpft" .

FPK-Chef Uwe Scheuch lehnt eine Urabstimmung am Parteitag ab. Laut Statut der Freiheitlichen in Kärnten wäre das gar nicht möglich, argumentiert er. Scheuch ist landauf, landab unterwegs, um die Kärntner Fusion mit der Strache-FPÖ zu rechtfertigen.

Viele Kärntner Freiheitliche befinden sich in einem Loyalitätskonflikt gegenüber ihrem verstorbenen Idol Jörg Haider und können wenig mit den nicht immer beliebten Scheuch-Brüdern anfangen. Haiders Witwe Claudia schweigt zu den Vorgängen wie Haiders Schwester Ursula Haubner. Dass sich die Orangen um Josef Bucher am FPK-Parteitag gegen die Scheuchs und ihren blauen Weg durchsetzen, scheint nicht sehr wahrscheinlich. Aber bei Coelho heißt es ja auch: "Ein Krieger des Lichts glaubt an Wunder." (Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 24. Dezember 2009)

 

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