Den Steirern geht das Kernöl aus

23. Dezember 2009, 12:03
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Wegen des schlechten Wetters fiel die Ernte extrem schwach aus, die Wirtschaftskammer fürchtet eine empfindliche Preissteigerung

Graz - Im Jahr 2010 dürfte tatsächlich mit einer "steirischen Ölkrise" - nämlich bei Kürbiskernen - zu rechnen sein: Bereits am Dienstag hatte die Wirtschaftskammer Steiermark mitgeteilt, dass das steirische schwarze Gold knapp und daher teurer werden könnte. Am Mittwoch bestätigte die steirische Landwirtschaftskammer, dass heuer trotz vergrößerter Anbaufläche auf 12.500 Hektar aufgrund der schlechten Witterung wesentlich weniger Kürbiskerne geerntet werden konnten als im Vorjahr.

Regen und Unwetter

Franz Labugger, Obmann der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl, der 1.700 Kürbisbauern vertritt: "Durch den vielen Regen, durch Hagelunwetter und Hochwasser werden trotz Ausweitung der Kürbisflächen in der Steiermark um 2.000 Hektar und in Niederösterreich um weitere 1.000 Hektar heuer wesentlich weniger Kürbiskerne geerntet als im Vorjahr. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach steirischem Kürbiskernöl in Österreich, aber auch in der EU". Dazu komme, dass die Lager der Ernte des Jahres 2008 völlig leer seien, so Labugger. Die steirischen Kürbisbauern bemühten sich dennoch sehr, die Wünsche der langjährigen Kunden zu erfüllen, hieß es.

"Gemäß aktueller Saatgutbestellungen zeigt sich jetzt schon, das die steirischen Kernölbauern im kommenden Jahr 2010 die Anbauflächen weiter ausdehnen werden, um ausreichend Steirisches Kürbiskernöl ggA (geschützter geografischer Angabe, Anm.) produzieren zu können", hieß es seitens der Landwirtschaftskammer Steiermark. Für einen Liter steirisches Kürbiskernöl ggA werden etwa 2,5 bis 3 Kilogramm der schalenlosen Kürbiskerne benötigt, wobei die Kürbiskerne gemahlen, geröstet und gepresst werden. Auch in anderen Bundesländern Österreichs werden Ölkürbisse angebaut, wobei die größten Mengen in der Steiermark, Niederösterreich und dem Burgenland anfallen. Kleine Anbaugebiete gibt es in Kärnten und Oberösterreich.

"Salatöl" versus "Echtes"

Die geschützte geografische Angabe garantiert beim Steirischen Kürbiskernöl ggA, dass nur im Lande geerntetes Gut - zu kleinen Teilen auch aus festgelegten Gebieten im südlichen Burgenland bzw. Niederösterreich - in der Steiermark verarbeitet wird. Auf diese Weise unterscheidet sich das Produkt von Kernöl, das mit Kernimporten etwa aus China erzeugt wird. Viele mit anderen Ölsorten vermischte Kernöle laufen beispielsweise unter der Bezeichnung "Salatöl", sind aber nicht echtes Steirisches Kürbiskernöl ggA. Auch Ungarn oder Slowenien sind Kürbiskernanbauländer.

Die Erntemengen 2009 beliefen sich in der Steiermark auf rund 4.340 Tonnen; die Menge, die nicht für ggA-Kernöl verwendet wird, sei unbedeutend. In Niederösterreich wurden rund 2.400 Tonnen eingebracht. Im Burgenland wurden 595 Tonnen im dortigen ggA-Gebiet eingefahren, der Nicht-ggA-Anteil sei auch hier unbedeutend, hieß es. (APA)

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