Mehr Zeit zum Ausmisten

23. Dezember 2009, 17:06
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"Ein paar Spielsachen müssen wir weggeben, damit das Christkind Platz für die neuen Dinge hat" - so ein sanfter Überredungsdruck ist derzeit in Familien wahrscheinlich ein Stehsatz...

Wie kriegt man denn die Lieben dazu, nicht alles wüst und wild zu horten, was jemals in den Besitz gekommen ist? Drohen mit dem großen Mistsack?

Eine komplexe Sache, weil auch derjenige, der nicht gerade ausgeprägteste Messie-Tendenzen hat, sich in der einen oder anderen Form über das, was er besitzt, definiert. "Besitztumseffekt" nennt die Verhaltensökonomie das Phänomen, dass wir Dinge allein schon deshalb schätzen, weil sie uns gehören - egal ob sie wertvoll sind, ob liebevolle Erinnerungen drinstecken oder nicht. Wir können also gar nichts dafür, wenn wir nicht aussortieren wollen - evolutionär gesehen, kommt ja auch noch Verlustaversion dazu.

Abgesehen von Menschen, deren Wohnungen unendliche Weiten besitzen, bietet sich dieser Tage aber eine Frage als Thema an: Bestimmen Werbung und Statuswettbewerb darüber, mit welchen Dingen ich mich umgebe? Passt dies und jenes überhaupt noch zu mir - oder sind es Relikte einer früheren Persönlichkeit, Dinge aus einer Werkzeugkiste, die mit mir gar nichts mehr zu tun hat? Da findet sich dann sicher das eine oder andere Stück. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 24.12. - 27.12. 2009)

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