Ohne Bekenntnis

"Zentralrat" will Konfessionsfreie vertreten

23. Dezember 2009 12:13
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    Foto: dpa/oliver berg

    Mit Argumenten will der Zentralrat der Konfessionslosen überzeugen. Geld für eigene Projekte ist derzeit noch keines vorhanden.

1,8 Millionen Österreicher ohne religiöses Bekenntnis - Neuer Verein will Gegengewicht zu kirchlichen Vertretungen sein

Wien - Die Debatten um religiöse Symbole in Klassenzimmer erhitzen die Gemüter, doch jene, denen die strikte Trennung von Kirche und Staat ein Anliegen ist, sind bisher nur wenig organisiert aufgetreten. Seit Dienstag gibt es nun aber in Österreich einen Verein, der den Anliegen aller rund 1,8 Millionen ÖsterreicherInnen ohne Religionsbekenntnis eine Stimme in der Öffentlichkeit verleihen will. Der "Zentralrat der Konfessionsfreien" setzt sich aus atheistischen und agnostischen Trägergruppen und Einzelpersonen zusammen und will als Ansprechpartner für Politik und Medien und als Gegenpart der kirchlichen Institutionen bei Diskussionen -  etwa rund um Kreuze in Kindergärten oder den Blasphemie-Paragraphen im Strafrecht - auftreten. 

Gegen einseitige Diskurse

Dass die Kirchen bisher in den Diskursen besonders lautstark aufgetreten seien, hätte zu einer Schieflage der Positionen geführt: "Das ist, als ob man einen Männerbund um Rat bitten würde, ob eine Frauenquote eingeführt werden soll", erklärte der Vorsitzende des Zentralrates Heinz Oberhummer, Physiker und auch bekannt als Mitglied des Wissenschaftskabaretts "Science Busters".

Oberhummer ist es ein Anliegen "die Belange und Interessen" jener großen Gruppe auszusprechen, die bisher kein eigenes Sprachrohr hatte und deshalb selten nach ihrer Meinung gefragt wurde. Er selbst sei nicht Mitglied in einer der Trägerorganisationen ("Freidenkerbund", "AgnostikerInnen und AtheistInnen für ein säkulares Österreich" und "Allianz für Humanismus und Atheismus") und betonte gegenüber derStandard.at, dass der Zentralrat das Meinungssprektrum aller Konfessionsfreien abdecken will: "Es gibt ja auch viele Konfessionslose, die keiner Religion angehören, aber dennoch an einen Gott glauben."

Dass man sich unmittelbar vor dem christlichen Weihnachtsfest dazu entschieden hat, an die Öffentlichkeit zu treten, hat keinen besonderen Grund. Auch Oberhummer will Weihnachten feiern: "Natürlich, das ist ein Fest der Familie und der Liebe. Das Christentum hat dieses Fest nicht gepachtet." (edt/derStandard.at, 23.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 916
Pierre d´Aubusson
29.12.2009 06:59
"Zentalrat der Konfessionsfreien"

klingt nach "Oberrabbiner der Erzdiözese"

Chien de Pique
27.12.2009 13:46
Dagegen ist ja die IGGiÖ noch solide demokratisch legitimiert, für die durch sie zwangsweise Vertretenen zu sprechen. Es gibt Tiefgläubige ohne Bekenntnis - vielfach Leute, die den offiziellen Kirchen misstrauen (zu weltlich, zu unfromm, zu liberal)

Atheisten, die mit dem Kreuz im Klassenzimmer sympathisisieren,weil es die europäische Kultur verkörpert, Leute, die den Glauben verloren haben, aber deren Herz noch fest für die Kirche als Gemeinschaft schlägt, atheistische Pfarrer und Patres, für die Jesus einfach ein Philosoph war.
Es mE muss eher ein Rückbau dieser Vereinsmeierei im öffentlichen Leben stattfinden, dieser Inflation von NGOs, Räten, Konferenzen, die für sich beanspruchen, gleichberechtiger Ansprechpartner der Politik zu sein, ja diese überstimmen zu dürfen. Diese sind, (inkl. der Kirchen. Caritas etc.!) absolut nicht autorisiert,sich zum Vertreter von irgendjemandem sonst zu machen, ihre Meinung sollte politisch schlicht nicht relevant sein, nur als Privatmeinung zählen!

jumpingjack flash
27.12.2009 18:50

iurgendwie auch unfu was sie schreiben - zivilcourage ist dann abzuschaffen, ebenso hilfe durch karitative organisationen - und engagement inkl. politischer einflussnahme in/auf andere länder auch nicht möglich (z.b. zum thema fgm) -die bildung von interessensgruppen einschliesslich heftigstes diskutieren, überall auch auf konferenzen hat schon was gutes.

Chien de Pique
28.12.2009 01:24
Sie scheinen mich nicht zu verstehen, ich will diesen Organisationen ja nicht das Handwerk legen, schon gar nicht, wo sie gute Arbeit machen, noch sich zu Wort zu melden. Es ist nur erschreckend, wie immer

mehr von ihnen meinen, direkt Politik machen zu dürfen, sich zu Nebenregierungen aufschwingen (als ob wir mit der elenden Sozialpartnerschaft nicht gestraft genug wären), die dem Land sagen dürfen, wo es lang geht (das hat man besonders um Kopenhagen herum schön gesehen).
Einige wenige Hanseln aus ein paar vollkommen irrelevanten Vereinen machen sich zum Sprecher, zur Vertretung mit dem Wunsch einer offiziellen Anerkennung von Millionen Menschen, wo sie eherlicherweise nur ihre paar Dutzend Mitglieder vertreten könnten. Schlimmer ist aber, dass die Politik diese Art Lobbying aber eher noch unterstützt, diese Gruppen regelmäßig einlädt, konsultiert, und am schlimmsten, finanziert. Das gewinnt alles eine ungute, aushöhlende Eigendynamik.

g'stieß
30.12.2009 10:06
sie wollen also öffentliche diskurse den etablierten parteien überlassen und die zivilgesellschaft "zurückbauen".

das ist ein legitimer standpunkt.

ob er klug ist, steht auf einem anderen blatt.

TscheAeinimÖlMagnat
29.12.2009 09:01
Politik im demokratischen Sinn

heißt sicher nicht Auswahl zwischen ewig etablierten Parteisystemen.
Politik sollte bewegen und Bewegung entsteht nur durch neue Strömungen.
Politik sollte nach meinem Geschmack zurück an den Wirtshaustisch, zurück zu den Vereinen und Interessensgemeinschaften. Mehr "Macht" dem selbstbewussten Bürger, anstatt ewig dummen Apparatschiks.

fehlendes Wissen
27.12.2009 18:26
bitte um Erklärung

Wie glauben einen Rückbau schaffen zu können?
Falls einige dieser nicht-legitimierten Organisationen nicht auf sie hören und sich einem Rückbau verweigern - wie kann man denen begegenen, wie kann ihre Macht eingegrenzt werden?
Vor allem wenn sogenannte Volksvertreter so manche nicht-legitimierte Organisation pushen möchten - z. B. was genau meint Andreas Kohl damit, dass unter Schüssel eine katholische Renaissance gestartet wurde? warum wird soetwas von Politikern gestartet und warum nicht von einem Bischof?

Chien de Pique
28.12.2009 01:24

Den Förderungs- und Subventionssumpf, in dem die von mir kritisierten Blüten gedeihen, restlos trockenlegen (Ausnahme für Organisatione, die tatsächlich echte, verwertbare karitative Arbeit leisten). Daneben:
Sozialpartnerschaft restlos abschaffen. Pflichtmitgliedschaften (Kammern, ÖH usw.) abschaffen. Konkordat aufkündigen. Das Unding der "staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften" mit den unzähligen Förderungen abschaffen.
Religionen können sich als hundsnormale Vereine konstituieren, das reicht.

Natürlich müsste nicht nur die Politik, sondern freiwillig, auch die Medienlandschaft ihren Beitrag leisten, die gebotenen Plattformen etwas zurückzunehmen.

Ex-Muslim
29.12.2009 11:42

Chien, die Kirche hat dein Posting gelesen und wird sich schon morgen auflösen und in einen "normalen" Verein umwandeln.

Wer braucht schon Vereine die einen vertreten wenn deine Beiträge hier so effektiv sind.



Träumen muss erlaubt bleiben, deswegen verurteile ich dich nicht. Mehr als ein frommer Wunsch ist das nicht, denn du weisst selbst genau, das wird nicht geschehen. Ich trete lieber einem Verein bei der mich eher vertritt, als eine Partei alle 4–5 Jahre anzukreuzen die einen Kompromiss für Millionen eingehen muss und ich nie etwas davon haben werde.

Die autonomen Organisationen leben partizipative Demokratie. Jeder kann sich frei entscheiden wem er dabei hilft sich auf höherer Eben helfen zu lassen.

TscheAeinimÖlMagnat
29.12.2009 09:06
Ausnahme für Organisatione, die tatsächlich echte, verwertbare karitative Arbeit leisten

und entscheiden tun das Sie?

...obwohl ich Ihrer Idee die Förder- und Subventionslandschaft zu minimieren, einiges abgewinnen kann, denn "neue" Politik wird nur bei Unabhängigkeit entstehen - nicht wenn eine Großpartei mit Staatsmacht ausgestattet das Subventionsfüllhorn öffnet.

jumpingjack flash
27.12.2009 18:54

eine der grossen parteien hat (nur so nebenbei) christlich sozial auf dem programm - und gross bedeutet die wurden von vielen menschen gewählt.

Harry Y.
 
27.12.2009 11:47
Ich bin damit sehr zufrieden. Habe mir das schon immer gewünscht.

per verser
27.12.2009 11:40
wenn man sich die vereinsziele genauer ansieht, fällt einem auf, daß es nicht gegen den glauben als solchen geht - oberhummer sagt ja, daß konfessionslos nicht bedeutet, daß jemand nicht an einen gott glaubt. aber tatsache ist,...

daß speziell der katholizismus als politischer faktor in österreich durch ein konkordat zementiert ist, das wir offenbar aus jener austrofaschistischen diktatur übernommen haben, die von 1934-1938 ihr mordvolles unwesen auf dem ehemaligen terrain der 1. republik trieb.

insofern zahlen z.b. konfessionslose an den jährlichen 11.000.000 euro mit, die in die katholische indoktrinierungsstruktur (religionsunterricht) zwangsinvestiert werden.

deshalb: weg mit dem konkordat, völlige trennung von kirche und staat! ich bin froh, wenn es für die entsprechend gesinnten eine möglichkeit zum zusammenschluß gibt, das ist nämlich der einzige weg in österreich, etwas politisch zu bewegen: stimmdruck.

övp-wählerInnen werdens ned unbedingt sein ;o)

jedem seine Ansicht
26.12.2009 19:34
warum nicht bzw. nur so 3

Im Laufe der Geschichte sind libeale offene Strömungen immer untergegangen.
Nicht nur der Zeitpunkt von Weihnachten wurden von den Christen übernommen (Wintersonnenfest) sondern es wurden auch Heidentempel übernommen, um die Menschen so zu erreichen.
Übrigens kam der geschichtliche Jesus nicht im Dezember auf die Welt sondern im April oder Mai.
Die Christen waren anfangs auch liberal, durften auch z. B. keine Soldatendienste leisten - bis sie unter Konstantin zur Staatsreligion wurden. Dann mussten Christen Soldatendienste leisten, dann wurden andere Religionen verfolgt, usw. Die Macht verführt die meisten!

jedem seine Ansicht
26.12.2009 19:26
warum nicht bzw. nur so 2

Wir leben im sogenannten christlichen Abendland mit langer (teils qualvoller, mit Unterdrückungen durchlebter) Geschichte. Das können wir nicht ändern. Versuchen zu ändern können wir nur aktuelle Gegebenheiten, z. B. dass die Theorie der Trennung von Religion und Staat auch Praxis wird. Dabei denke ich an steuerliche Begünstigungen von in Religionenbesitz befindlichen Firmen, Subventionsbevorzugungen von Ordensspitälern, Versuche Passagen von Religionsbekenntnissen in Verfassungen zu verankern usw. Und da Politiker gelegentlich durch Glaube und Einflußnahme von vor allem einer Religionsorganisation die Vertretung der Bürger einseitig vornehmen, muss in Gesetzen es verankert werden um das zu verhindern Dazu braucht es einen starken Gegenpol.

manu zinner
03.02.2010 16:29
nur ist dieses sog christliche abendland

um vieles jünger als das, was davor mehrere jahrtausende war (vieles hat sogar die kirche übernehmen müssen - ein schönes bsp sind die drei bethen ambeth wilbeth und borbeth, die dann zu katharina margarethe und barbara wurden und danach zu den heiligen drei königen umfunktioniert wurden - ansonsten hätten die menschen das christentum gar ned übernommen)

Marlon62
26.12.2009 19:17
Scherzkekserl

Was glauben die, wieviele Leute genau deshalb "konfessionslos" sind, weil sie keine Zwangsmitgliedsbeiträge an die diversen Splittergruppen der Religionsgemeinschaften zahlen wollen? Glauben die wirklich, dass genau diese Leute jetzt einem neuen Verein beitreten, um Beiträge bezahlen zu dürfen?
Man kann auch an Gott glauben, ohne des Papstes Versace-Schucherl zu finanzieren. Denn, wie steht schon in der Bibel? Und Jesus sprach zu den Pharisäern: "Gebt Gott, was Gottes ist und gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!" - Ich kenne keine einzige Banknote oder Münze, auf welcher das Abbild Gottes zu sehen ist.

Ex-Muslim
27.12.2009 14:49

Dann kennst du den Dollar nicht. In god we trust. Abbild eines Gottes? Nein. Aber die Erwähnung eines Gottes auf dem "höchsten Gut", dem Geld.

pagat ultimo
27.12.2009 08:19
inkonsequent

austreten wegen dem geld - ja.

aber dann bleiben sie auf halbem wege stehen und akzeptieren stillschweigend die steuer- und bildungsprovilegien der religionsgemeinschaften in ö, die mit IHREM STEUERGELD FINANZIERT werden.

niemand zwingt sie, einem verein beizutreten. aber die leute, die diese inkonsequenz beseitigen wollen dann auch noch runterzumachen, ist jenseitig.

jedem seine Ansicht
26.12.2009 19:12
warum nicht bzw. nur so

Ich verstehe die Ängste und versuchte Meinungsmache vieler Poster nicht.
Kein Verein und keine Organisation kann jemandem seine Meinung und Ansichten "wegnehmen" oder verbieten, sogar in totalitären, radikalen Systemen und Gesellschaften nicht (wenn man vorsichtig ist).
Gerade die vielen Konfessionslosen haben ja bewiesen, dass sie sich gesellschaftlichen und religiösen Zwängen nicht aussetzen. Also warum der Aufstand?
Wenn es mächtige Organisationen gibt, die ihre Ansichten durchdrücken möchten, ist es bestimmt kein Fehler, ja sogar wichtig, denen organisiert gegenüberzutreten. Vereinsmeierei hin oder her, man muss ja nicht daran teilnehmen. Und die die es wollen, können es tun - lt. Artikel sind das bestehende Vereine und Einzelpersonen.

pagat ultimo
27.12.2009 08:21
völlig richtig.

die schimpfkanonade kommt wohl daher, dass eine offizielle organisation den "ausgetretenen" sorge macht, dass ihr individuelles freigeistiges freibeutertum nicht mehr so abenteuerlich ist, wie sie bisher geglaubt habe.

hanslblasta
27.12.2009 07:32
die mächtigste religiöse Organisation in Ö

sind jene Christinnen und Christen, denen das allermeiste, was ihre Kirchen so lehren, am Arsch vorbeigeht;

ist das Gleiche wie bei den NichtwählerInnen;
umgekehrt: kleine, gut organisierte Interessensvertretungen sind gerade in solch einer Konstellation - viele gering Interessierte in einer großen Struktur - recht wirksam (wie man an "Gottes rechter Kirche" leider recht gut beobachten kann)
wobei mir auch unter den Kirchenfreien gar seltsame Vereine aufgefallen sind

Gerhard Schwarz
 
26.12.2009 14:54

Weihnachten, Yom Kippur, Ramadan - natürlich haben derartige religiösen Feste auch eine gesellschaftliche Ausstrahlung. Der missionarische Atheismus detto. Und freidenkerische Vereinsmeierei ist mir genauso suspekt wie religiöse. Der Umgang mit den religiösen Vereinsmeiern ist nur deshalb schwierigen, weil die eine gesellschaftliche Sonderstellung mit Berufung auf jenseitige Instanzen einfordern. Und mit denen kann man nicht verhandeln, was aber zum Interessenausgleich in einer Demokratie unverzichtbar ist. Kein Zufall, dass sowohl Kirchen wie der Islam in ihrer Geschichte immer Gegner von Humanismus, Aufklärung und Demokratie waren und
Gesinnungsterror ausübten. Bis heute in verschiedenen Varianten. Dehalb: klare Trennung Staat/Religion!

hanslblasta
27.12.2009 07:35
"mit denen kann man nicht verhandeln"

weiter unten führen Sie das Beispiel des Konkordats an - da bekanntlich sehr wohl ausgehandelt wurde

btw: wieviele katholische und evangelische Christinnen und Christen kennen Sie, die "Humanismus, Aufklärung und Demokratie" ablehnen?

wieviele VertreterInnen anderer Religionen, die solches tun?

Gerhard Schwarz
 
27.12.2009 12:17

"Ausverhandelt" wurde das Konkordat schon: vom Vatikan unter der Schirmherrschaft Mussolinis einerseits und anderterseits von einer österreichischen Regierung die zu dem Zeitpunkt mittels eines "kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes" nach Ausschluss des Parlament agierte und von den deklarierten Antidemokraten Dollfus als Bundeskanzler und Schuschnigg als Justizmini9ster repräsentiert wurde.

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