"Level 26" verbindet Gedrucktes mit Online-Welt

23. Dezember 2009, 09:06
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"Erzählform 2.0" hebt Buch auf nächstes Level

Lange Schlangen an den Kassen von Buchgeschäften vermitteln (zumindest zur Weihnachtszeit) den Eindruck, dass der Trend zum gedruckten Buch ungebrochen ist. Dennoch ist bei vielen Verlagen die Angst groß, dass die mit Computer und Internet großgewordenen Cyberkids auch beim Lektüre-Lesen in die digitale Welt abwandert.

Um sie wieder stärker für traditionell publizierte Literatur zu erwärmen, versuchen Verlagshäuser sie mit analog-digitalen Hybridformen anzulocken. Mit dem Psychothriller Level 26 hat nun der Lübbe-Verlag die nach eigenen Angaben erste "Digi-Novel" auf den Markt gebracht. Die Bezeichnung ist markengeschützt.

Von CSI-Erfinder Zuiker

Der 428 Seiten lange Krimi stammt aus der Schreibwerkstatt des Erfinders der TV-Serie CSI, Anthony E. Zuiker, und verspricht eine "neue Dimension des Bösen". Level 26 besteht aus einer Serie von Geschichten um den Ermittler Steve Dark. Dieser jagt den grausamsten Serienmörder aller Zeiten. Der Mann, der "Sqweegel" genannt wird und bei seinen Taten eine Art Ganzkörperkondom trägt, sucht über Jahre hinweg immer wieder neue Opfer, die er auf martialische Weise quält, bevor er sie tötet.

So weit, so grausam. Um sich immer wieder an seinen Morden ergötzen zu können, filmt der Killer in Youtube-Manier seine Gräueltaten. An diese Videoclips knüpft das Format der Digi-Novel an. Etwa alle 20 Seiten erhält der Leser den Hinweis, sich auf die Plattform www.level26.com einloggen zu können, um mittels Codes wie "Snuff", "Sqweegel" oder "Practice" Zugang zu Videos oder Audiodateien zu erhalten.

Cyberbrücke 

Diese Onlineangebote, Zuiker nennt sie Cyberbrücken, sollen die Handlung ergänzen oder weiterführen. Voraussetzung ist die Anmeldung mit einer gültigen E-Mail-Adresse. Ganz im vernetzten Web-2.0-Stil bietet die Plattform auch die Kommunikation der Leser untereinander oder Diskussionsmöglichkeit mit dem Autor an.

"Man kann das Buch lesen, auch ohne die Filme anzuschauen, die weniger brutal sind als das, was sich im Kopf des Leser abspielt", sagt Marco Schneider, Verlagsleiter Belletristik bei Lübbe. "Wir haben es eingekauft, weil wir zum einen Leserkreise gewinnen wollen, die mit Handy und Computer häufig im Web sind. Zum anderen glauben wir, dass die Buchbranche bei ihren Produkten mittelfristig auch Zusatzcontent anbieten wird müssen, wie das etwa bei Filmen auf DVD bereits der Fall ist."

Trilogie

Level 26 ist als Trilogie angelegt, die nächsten Teile sollen 2011 bzw. 2012 herauskommen. Die Startauflage liegt bei 80.000. Der Verkauf laufe gut, nicht nur bei der CSI-Clientel, sagt der Verlagsleiter. Lübbe wird Schneider zufolge das Digi-Novel-Konzept weiterverfolgen und auch mit deutschen Autoren besprechen, was zu Romantexten an digitalen Zusatzinhalten geliefert werden könne.

Schneider gesteht derzeit noch einen gewissen Medienbruch ein - der nächste Schritt sei es, dass Leser auf digitalen Lesegeräten sich direkt mit dem Zusatzstoff im Internet verlinken könnten.

"Es ist, als würde man zusammen mit dem Buch einen Film erhalten - und obendrein ein eigenes soziales Netzwerk", beschreibt CSI-Erfinder Zuiker im Vorwort sein in der "Erzählform 2.0" verfasstes Werk. (Karin Tzschentke/ DER STANDARD Printausgabe, 23. Dezember 2009) 

 

 

  • Über Cyber-brücken vom Buch in die digitale Welt: Level 26.
 

    Über Cyber-brücken vom Buch in die digitale Welt: Level 26.

     

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