Verschleppter Gouverneur getötet

24. Dezember 2009 18:21

FARC-Guerilla hinter Entführung vermutet - Mehrere Schusswunden und enthauptet

Bogota - Einen Tag nach seiner Entführung ist der Gouverneur der südkolumbianischen Provinz Caqueta, Luis Francisco Cuellar, tot aufgefunden worden. Wie Präsident Alvaro Uribe am Dienstag bestätigte, wurde die enthauptete Leiche in der Nähe der Provinzhauptstadt Florencia entdeckt. Ein schwer bewaffnetes Überfallkommando hatte Cuellar am Vorabend aus seiner Residenz in Florencia entführt. Die Behörden beschuldigten die marxistische Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) der Tat. Die FARC selbst äußerten sich zunächst nicht. Der parteiunabhängige Cuellar, der seit 1987 schon viermal von den FARC verschleppt wurde, wäre am Dienstag 69 Jahre alt geworden.

Späte Bergung der Leiche

Der Regierungssekretär der Provinz, Edilberto Ramon Endo, bestätigte die Angaben. "Es ist tatsächlich so, dass die Leiche des Gouverneurs gefunden wurde. Das hat mir eine absolut sichere Quelle an Ort und Stelle bestätigt", sagte er dem Radiosender RCN. Nach seinen Angaben konnten die sterblichen Überreste wegen heftiger Kämpfe des Militärs mit FARC-Rebellen erst spät geborgen werden. Lokalen Medienberichten zufolge wies der Körper Cuellars mehrere Schusswunden auf und war enthauptet. Inzwischen sei die Leiche in eine Kaserne in Florencia gebracht worden.

Die FARC hatten schon oft gedroht, dass sie Entführungsopfer bei gewaltsamen Befreiungsversuchen sofort umbringen würden. So töteten sie 2003 den entführten Gouverneur der Provinz Antioquia, Guillermo Gaviria, während eines Befreiungsversuchs durch die Sicherheitskräfte. Polizei und Militär hatten die Entführer Cuellars am Montagabend umgehend verfolgt und es war zu heftigen Gefechten in der Nähe der Stadt gekommen.

Vergebliche Hoffnung auf Freilassung

Die Politikerin Olga Vega, die zwischenzeitlich das Amt Cuellars übernommen hatte, sagte, sie sei von Verteidigungsminister Gabriel Silva über den Tod des Gouverneurs informiert worden. "Wir haben so gehofft, dass sie ihn freilassen würden, und verstehen einfach nicht, warum sie ihn umgebracht haben. In tiefer Trauer bleibt uns nichts andres übrig, als diese schmerzhafte Tatsache zu akzeptieren. Es ist ein schwerer Schlag für unserer staatliche Verfassung", sagte die Politikerin.

Keine Freilassung von FARC-Geiseln

Unterdessen teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit, die Bedingungen für eine seit längerem erhoffte Freilassung mehrerer FARC-Geiseln seien derzeit nicht gegeben. "Wir gehen davon aus, dass dieser Zustand vorübergehend ist und der Prozess der Annäherung (zwischen Regierung und Rebellen) in eine erfolgreiche Freilassung (von FARC-Geiseln) münden wird", sagte der IKRK-Delegierte für Kolumbien, Pascal Jequier.

Der Konservative Uribe, dessen Vater von den FARC umgebracht wurde, hatte eine Belohnung für Hinweise auf den Verbleib Cuellars in Höhe von umgerechnet 345.000 Euro ausgesetzt. Zudem hatte er die gewaltsame militärische Befreiung aller FARC-Geiseln angeordnet. Angehörige der insgesamt noch 23 Polizisten und Militärs in der Gewalt der FARC äußerten sich sehr beunruhigt über diesen Befehl.

Die FARC hatten seit Jahren keine Politiker mehr entführt. Alle von ihnen festgehaltenen Politiker waren entweder ohne Gegenleistung freigelassen oder vom Militär befreit worden, zuletzt 2008 die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. Die FARC bekämpfen den Staat schon seit mehr als 45 Jahren, und ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. (APA)

Kommentar posten
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Hamit_Hatemi
10.01.2010 17:53

Die Ultralinken unter uns können gerne nach Kolumbien gehen und sich von den FARC in Geiselhaft nehmen lassen.
Dann sind sie endlich mit ihren Freunden vereint. Und zwar bis in alle Ewigkeit.

langsam
07.03.2010 20:05
links - rechts

Bla bla bla ---- und was machen wir mit den Ultrarechten?

Josef Rohaczek
26.12.2009 11:07
Sozialprojekt für Strassenkinder in Cali geplant

Ich habe mir die 68 Postings durchgelesen. Sind halt viele Ferndiagnosen dabei. Die Frage, die ich mir als "Normalo" stelle ist jene, wie kann der Friedensprozess in Kolumbien von mir unterstützt werden. Vermutlich gar nicht. Aber jeder einzelne kann helfen und wenn er auch nur Fairtrade Produkte wie Bananen oder Kaffee aus Lateinamerika kauft. Durch meinen privaten Besuch in Kolumbien im Jahr 2007, wurde auch die Idee für ein Sozialprojekt für Strassenkinder in Cali geboren. Daher werde ich Kolumbien wieder besuchen. MIS MEJORES DESEOS PROSPERO 2010!

aufregung
26.12.2009 23:01
wie kann ich helfen

ich stimme Josef voll und ganz zu. Diskutieren und Ferndiagnosen stellen bringt gar nichts.
Ich bin momentan in Bogotá und arbeite freiwillig bei SOS Kinderdorf um meinen Teil dazu beizutragen, das Leid der Kinder, deren Eltern unter anderem in den Gefechten umgekommen sind, zu linden.

Josef Rohaczek
27.12.2009 12:23
gratulation

zu ihrer freiwilligen Tätigkeit im SOS Kinderdorf. Habe 2007 viele Einrichtungen für Strassenkinder in Bogota, Medellin und Cali besucht. Unterstütze finanziell eine Familie mit zwei Kindern in Facatativa, damit die Kinder die Schule besuchen können. Wünsche Ihnen ein erfolgreiches 2010 aus Wien. Eventuell sehen wir uns nächstes Jahr. Jedenfalls würde ich mich über einen weiteren Kontakt über www.elternkreis.at sehr freuen.
Hasta luego, JR

pflughans
26.12.2009 17:16
An Hrn. Rohaczek,

Hallo Hr. Rohaczek!

Teilweise lese ich mir die Postings über Kolumbien nur mit Missgunst durch, denn es sind zumeist immer die selben Personen, welche sich in diesem Forum bezüglich der Kriegs- und Politiksproblematik äussern. Vielmehr hätte ich eine persönliche Anfrage an Sie. Auch ich war 2007 in Kolumbien und ich war überrascht über die Lebensfreude der Menschen trotz prekärster Lebenssituationen. Ich wollte sie nur fragen, inwieweit das von Ihnen erwähnte Projekt bereits steht und inwieweit mitgewirkt werden kann. beste Grüsse, pflughans

Josef Rohaczek
26.12.2009 19:02
Hallo Hr. pflughans

näheres dazu finden sie auf www.elternkreis.at im Forum, ebenfalls beste Grüsse, JR

Austro-Spanier0
26.12.2009 14:32
Le deseo buena suerte

ositolindo
25.12.2009 16:42
FARC und COSA NOSTRA

Glaubt hier ernsthaft jemand, dass die FARC auch nur irgendetwas fuer die Armen in Kolombien tut ?
Durch ihre Methoden hat sie sich fuer jedwede politische Taetigkeit diskrediert. Oder man rechtfertigt Entfuehrung, Folter, Autobomben etc. als sozialistische Kampfmethoden.
Die Farc geht auf Grund eines jahrzehntelangen Abnuetzungsprozesses einen aehnlichen Weg wie die COSA NOSTRA seinerzeit in Sizilien: die hatten ja auch als Partisanen- und Befreiungsorganisation begonnen.

Ernst Guevara
25.12.2009 13:29
wie soll dieser konflikt gelöst werden? die militärische strategie uribes ist natürlich kein vernünftiger ansatz, dem konflikt zu begegnen

das haben andere vor ihm schon versucht und sind damit gescheitert. ein blick nach zentralamerika gibt wenig grund zu optimismus: in el salvador und guatemala hat die guerilla nach jahrzehntelangem bürgerkrieg die waffen niedergelegt und ist in friedensverhandlungen mit der regierung getreten. herausgekommen ist dabei im grunde nix. zwar gibt es verträge, aber die regierungen haben diese verträge - im gegensatz zur guerilla - nicht eingehalten. die sozialen wurzeln der konflikte bestehen bis heute unverändert fort. und kolumbien ist noch mal ein anderes pflaster. so einfach wird es in kolumbien mit friedensverhandlungen nicht gehen. ich erinnere nur an die massakrierung von tausenden politikern der union patriotica durch die regierung.

vox populi .
25.12.2009 09:39
Bruno Rütsche für die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien in Kolumbien-aktuell vom 27. Februar 2009. Aus dem Text: „...Luciano Sanín präsentierte einen entmutigenden Bericht zum Thema der Gewalt gegen Gewerkschaften und deren Straflosigkeit,

wie auch zur Situation der Gewerkschaftsfreiheiten in Kolumbien. Es war eine Zusammenfassung eines 11-seitigen Berichtes, welcher er dem Ausschuss des US-Kongresses übergab. Zu den wichtigsten Daten, welcher Luciano Sanín erwähnte, gehören folgende: In den letzten 23 Jahren wurden in Kolumbien 9‘911 Gewaltakte gegen GewerkschaftlerInnen registriert, davon 2‘694 Morde. Davon fallen 482 Morde in die Regierungszeit von Alvaro Uribe Vélez. Dies bringt Kolumbien einen traurigen Rekord ein: 60% aller weltweiten Morde an GewerkschaftlerInnen konzentrieren sich auf ein einziges Land – Kolumbien. Dabei sind in dieser weltweiten Erhebung auch Länder mit harten Diktaturen eingeschlossen. Im Jahr 2008 wurden in Kolumbien 48 GewerkschaftlerInnen ermord

hansito
25.12.2009 09:57

... und wieviele hat die FARC auf dem Gewissen? Die Entführte gar nicht mitgerechnet! Schlauberger!

pepitant
25.12.2009 19:15
Also, entweder gibts dort noch

eine dritte Seite, oder Sie vergleichen grad die Vorgangsweise von Uribes Günstlingen mit der der FARC. Das ist durchaus legitim, wenn man entweder Uribe anstatt als führenden Staatspolitiker als Terroristenführer einstuft oder die FARC anstatt als Terrororganisation als politische Gegenbewegung. Dann wiederum wäre Kolumbien allerdings in einem Jahrzehnte langen Bürgerkrieg gefangen mit Kriegsverbrechen auf beiden Seiten.
Nun, ich befürchte, in diesem Fall geht Ihre wenn auch etwas verschlüsselte Einschätzung der Lage gar nicht so weit an der Realität vorbei.

.vox populi.
25.12.2009 09:22
amnesty international Deutschland Kolumbien Koordinationsgruppe

Morde, willkürliche Verhaftungen und Todesdrohungen - Die Lebensrealität von Gewerkschaftern in Kolumbien

Allein dieses Jahr starben im Land bereits 128 Gewerkschafter durch Mord.

vox populi.
25.12.2009 08:09
Na, ja vieles deutet darauf hin, dass Uribe seine Finger im Spiel hat:

Nach Polizeiangaben wurde der 69-Jährige von einer Gruppe von acht bis zehn Männern entführt.
Sie kamen in Armeeuniformen am Montagabend mit einem Geländewagen zu seinem Haus in Florencia.
Dort töteten sie einen Wachmann und sprengten die Tür auf.
Cuellar wurde seit 1987 schon vier Mal entführt, jedes Mal wurde er zwischen zwei und sieben Monaten festgehalten.

Caqueta ist seit Langem Hochburg der FARC und einer der kolumbianischen Staaten mit der höchsten Militärpräsenz. Eine Heeresdivision hat ihr Hauptquartier in Florencia.




Und, dass sich die FARC da reintraut glaube ich eher nicht - da wollte Uribe einen unbequemen Gegner los werden und auch noch die FARC bei der Bevölkerung zu diskreditieren.

Nicolas Castillo
29.12.2009 00:42
glauben ist nicht immer wissen ...

der Rabe
25.12.2009 14:14
danke für diesen hinweis


schien mir auch nach den ersten berichten schon seltsam, diese schuldzuweisung.

carlos_santos
25.12.2009 00:58

für einen österreichischen polizisten wäre dies ein klassischer fall von selbstmord

Josef Rohaczek
29.12.2009 16:06
als (pensionierter) Wiener Polizist

dachte ich 2007 als ich in Kolumbien war nicht an Selbstmord. Obwohl ich auch in einigen "roten Zonen" war. Sehr gute Erfahrungen machte ich mit Kollegen in Medellin. Sie halfen uns um zwei Uhr in der Nacht eine "sichere" Unterkunft zu finden.

nAK
23.12.2009 20:49
Er wurde nicht enthauptet

ihm wurde die Kehle durchgeschnitten (degollado).

Wenn APA schon Nachrichten von spanischsprachigen Medien abschreibt sollte sie sie wenigsten besser übersetzen lassen.

Julian m. aus c.
24.12.2009 20:24

hm ...sämtliche deutschprachigen Medien schreiben das er geköpft wurde.

yomellamo
24.12.2009 10:35

.. g'hupft wie g'sprungen.

ermordet ist ermordet.

.vox populi.
25.12.2009 11:56
Ja, richtig,

allein dieses Jahr starben im Land bereits 128 Gewerkschafter durch Mord.

Nicolas Castillo
29.12.2009 00:42
anderes, wenn auch trauriges Thema

hansito
24.12.2009 09:28

Ja dann, dann ist es ja gar nicht so schlimm! Immer hat die FARC die Schuld und jetzt wird auch noch behauptet, der Gouverneur wäre geköpft worde, dabei ist ihm nur die Kehle durchgeschnitten worden!

Danke, Albert Köstler, wie immer müssens irgendeinen Senf dazugeben, aber zum Thema selbst äussern Sie sich nicht!

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