Schneesturm in der Kugel

23. Dezember 2009, 11:41
2 Postings

Lange rieselt der Schnee - in den original Wiener Schneekugeln der Familie Perzy

Schütteln, Warten, Schauen. Schneekugeln faszinieren nicht nur Kinder, sondern ziehen vor allem auch Erwachsene in ihren Bann. Die heile Welt im Glas gibt es seit mittlerweile mehr als 100 Jahren. "Mein Großvater Erwin Perzy I. stellte im Jahre 1900 die erste Schneekugel in Wien her. Ich führe die Schneekugelfabrik nun bereits in der dritten Generation", sagt Erwin Perzy III.

Von der Kirche zum Weihnachtsmann

Angefangen hat alles mit religiösen Motiven, das erste Modell, das Erwin Perzy I. fertigte, war die Basilika von Maria Zell. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ausschließlich religiöse Szenen in die Kugeln eingebaut. Erst sein Sohn, Erwin Perzy II., begann das Sortiment zu erweitern und nahm auch andere Motive ins Repertoire auf. Mittlerweile zieren neben Christbäumen und Engerln auch Weihnachtsmänner, Pinguine, Glücksschweinderl oder Wiener Sehenswürdigkeiten die Kugeln.

Im 17. Wiener Gemeindebezirk werden die Kugeln in unterschiedlichen Größen und Motiven hergestellt und verkauft. Befüllt sind die Glaskugeln mit einigen tausend Schneeflocken, die es in einer großen Kugel bis zu fünf Minuten schneien lassen. "Der Schnee ist mein Geheimnis, niemand außer mir kennt das genaue Rezept", erklärt Perzy.

Insgesamt stellen Perzy und seine MitarbeiterInnen - das sind zehn Angestellte und 60 HeimarbeiterInnen - rund 350 verschiedene Motive regelmäßig her. Die kleinste Schneekugel mit einem Durchmesser von 2,5 Zentimeter kostet sechs Euro, für Sonderanfertigungen sind die Preise nach oben hin offen. Je nach Beliebtheit bei den KundInnen werden diese in verschiedenen Stückzahlen produziert - auch Einzelstücke werden ab und zu in Auftrag gegeben. "Unsere Familie hat schon viele Spezialaufträge gefertigt. Manchmal war es nur ein Einzelstück, manchmal waren es auch tausende von einem Design", so der gelernte Werkzeugmacher.

Weitgereiste Glaskugel

Unter den Sonderanfertigungen findet sich etwa eine Schneekugel für den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, befüllt mit original Konfetti, die bei seiner Amtseinführung gestreut wurden. Auch die amtierende Präsidentenfamilie Obama hat ein Stück Wien bei sich zu Hause stehen: "Eine Bekannte der Obamas wurde ins Weiße Haus eingeladen und nahm eine Schneekugel als Geschenk mit", so Perzy. Gefüllt ist die besagte Glaskugel mit einer Sachertorte, einem Riesenrad sowie einem Lipizzaner - und natürlich der Familie Obama. Interessierte können Kopien dieser Stücke im Schneekugelmuseum, das direkt an den Verkaufsraum anschließt, begutachten.

Die verschneiten Landschaften werden sowohl im In- und Ausland gerne gekauft. Das Wiener Unternehmen exportiert in die ganze Welt, KundInnen aus Japan und den USA stellen sich dabei als besondere Schneekugel-Fans heraus. Ob als Geburtstags-, Weihnachtsgeschenk, Souvenir oder Mitbringsel - so banal die Glaskugel mit den winzigen Flöckchen auf den ersten Blick wirken mag, in ihren Bann zieht sie einen doch immer wieder. (Ursula Schersch, derStandard.at, 23.12.2009)

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/schersch
  • Erwin Perzy III.
    foto: derstandard.at/schersch

    Erwin Perzy III.

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/schersch
  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/schersch
Share if you care.